• 01.06.2018
      21:15 Uhr
      Landarzt gesucht Wie der Norden um Ärzte wirbt | NDR Fernsehen
       

      Die Diagnose ist dramatisch, die Schmerzgrenze schon lange erreicht. In vielen ländlichen Regionen im Norden herrscht Hausärztemangel. Die medizinische Grundversorgung ist dort nicht mehr gesichert. Zum Beispiel Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Mit dem bundesweit einmaligen Pilotprojekt "LandärztInnen Nord" versucht das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Lübeck gegen die Misere anzugehen. Die Strategie: Mediziner aus Nicht-EU-Ländern für die Arbeit in Deutschland zu qualifizieren und als Hausärzte zu gewinnen.

      Freitag, 01.06.18
      21:15 - 21:45 Uhr (30 Min.)
      30 Min.

      Die Diagnose ist dramatisch, die Schmerzgrenze schon lange erreicht. In vielen ländlichen Regionen im Norden herrscht Hausärztemangel. Die medizinische Grundversorgung ist dort nicht mehr gesichert. Zum Beispiel Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Mit dem bundesweit einmaligen Pilotprojekt "LandärztInnen Nord" versucht das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Lübeck gegen die Misere anzugehen. Die Strategie: Mediziner aus Nicht-EU-Ländern für die Arbeit in Deutschland zu qualifizieren und als Hausärzte zu gewinnen.

       

      Die Diagnose ist dramatisch, die Schmerzgrenze schon lange erreicht. In vielen ländlichen Regionen im Norden herrscht Hausärztemangel. Die medizinische Grundversorgung ist dort nicht mehr gesichert. Zum Beispiel Parchim in Mecklenburg-Vorpommern: Zehn Hausarztstellen sind in der Kreisstadt nicht besetzt. Für Dr. Joachim Hesse ist das schwer zu verstehen. Der Internist, der in Parchim eine Praxis mit hausärztlicher Versorgung betreibt, liebt seinen Beruf. Eigentlich, meint Hesse, seien die Bedingungen, um sich als Arzt in Parchim niederzulassen, optimal. "Es gibt Patienten ohne Ende, keinen Konkurrenzdruck und man verdient gut."

      Schon frühmorgens, bevor die Praxis öffnet, bildet sich vor der Tür eine Schlange. Viele Patienten sind geduldig und nehmen lange Wartezeiten in Kauf. Sie sind froh, dass sie noch einen Hausarzt haben. Denn zahlreiche Praxen haben in den vergangenen Jahren geschlossen. Nachfolger gibt es nicht. Wer jetzt keinen Hausarzt hat, findet auch keinen mehr. In den verbliebenen Praxen - auch im Umland - herrscht Aufnahmestopp.

      Seit sich die Situation so zugespitzt hat, gibt es für Hesse und sein Praxisteam keine Zeit mehr zum Durchatmen. Der Arbeitstag geht von morgens um sieben bis abends um sieben - mindestens. Wenn die Praxis über Mittag und am Abend schließt, ist das Wartezimmer noch voll. Es gibt keine Pause. Und das Tag für Tag. Es sei schwer, den Patienten noch gerecht zu werden, sagt Hesse. "Der Arbeitsdruck ist so groß, dass ich Angst habe, Fehler zu machen. Und das ist fatal." Für Hausbesuche hat der Internist keine Zeit. Die übernimmt sein 80-jähriger Vater, Dr. Peter Hesse, der auch in der Praxis noch mitarbeitet. Er fährt zu Patienten im Umland, die es nicht schaffen, selbst zum Arzt zu kommen, und besucht bettlägerige Bewohner von Pflegeheimen.

      Hesse Senior und Hesse Junior arbeiten schon jetzt am Limit. Doch demnächst geht eine weitere Hausärztin aus Parchim in den Ruhestand. Tausend Patienten sind auf der Suche nach einem neuen Arzt. Darunter leiden auch die Praxismitarbeiterinnen. "Verzweifelte Menschen abweisen zu müssen, ist das Schlimmste", sagt Schwester Aileen. "Doch wir können einfach niemanden mehr aufnehmen."

      In vielen Regionen, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, sieht es nicht besser aus. In Schleswig-Holstein ist vor allem die Westküste betroffen. Ein Drittel der Hausärzte in Deutschland ist älter als 60 Jahre. Die düstere Prognose der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: Bis 2030 werden bundesweit 10.567 Hausärzte fehlen.

      Mit dem bundesweit einmaligen Pilotprojekt "LandärztInnen Nord" versucht das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Lübeck gegen die Misere anzugehen. Die Strategie: Mediziner aus Nicht-EU-Ländern für die Arbeit in Deutschland zu qualifizieren und als Hausärzte zu gewinnen. Mittlerweile nimmt schon die zweite Ärztegruppe aus dem Ausland an dem Fortbildungskurs teil. Die Mediziner kommen aus Syrien, Ägypten oder Aserbaidschan. Um in Deutschland zu praktizieren, müssen sie nicht nur die deutsche Sprache beherrschen, sondern auch eine Kenntnisprüfung bestehen. Für die meisten eine große Herausforderung. Bashir Alhamad Alabed, einer der Kursteilnehmer, hat in Aleppo Medizin studiert und würde gerne in Schleswig-Holstein in einer Hausarztpraxis arbeiten. Die Sprachtests hat er bestanden, die Fachprüfung steht ihm noch bevor. Vor allem aber muss der Syrer eine Klinik oder Praxis finden, in der er bis zur Prüfung unter Anleitung arbeiten und Erfahrungen sammeln kann. Bisher hat er auf seine Bewerbungen nur Absagen bekommen.

      Die Reportage zeigt, wie Dr. Hesse Senior und Dr. Hesse Junior gegen den Hausärztemangel in Parchim ankämpfen.

      Der Film zeigt auch die Anstrengungen des syrischen Arztes Alhamad Alabed, das deutsche Gesundheitssystem zu verstehen und darin einen Arbeitsplatz zu finden.
      Die Autorinnen des Films begleiten die ausländische Ärztegruppe bei einem Landausflug in Schleswig-Holstein. Dabei lernen der Syrer und seine Kollegen die Region, eine Landarztpraxis im Dorf Lunden und ein Ärztezentrum in Büsum kennen. Dort arbeiten Allgemeinmediziner als Angestellte der Gemeinde. Teamwork ist selbstverständlich, Teilzeitarbeit möglich. Ein Modell, das Schule machen könnte. Denn der Stadt Büsum ist es damit gelungen, den drohenden Ärztemangel erfolgreich abzuwenden.

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