• 07.01.2016
      00:30 Uhr
      Der Fall Charlie Hebdo Paris 2007 Karikaturisten unter Anklage | phoenix
       

      Am 30. September jährt sich zum 10. Mal die Veröffentlichung der kontroversen Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung Jyllands-Posten, in deren Folge es in vielen islamisch geprägten Ländern der Welt zu Demonstrationen, gewalttätigen Ausschreitungen, zu diplomatischen Konflikten sowie weltweit zu einer Diskussion über die Presse-, Kunst- und Meinungsfreiheit kam.

      Donnerstag, 07.01.16
      00:30 - 02:10 Uhr (100 Min.)
      100 Min.
      VPS 23:15
      Stereo

      Am 30. September jährt sich zum 10. Mal die Veröffentlichung der kontroversen Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung Jyllands-Posten, in deren Folge es in vielen islamisch geprägten Ländern der Welt zu Demonstrationen, gewalttätigen Ausschreitungen, zu diplomatischen Konflikten sowie weltweit zu einer Diskussion über die Presse-, Kunst- und Meinungsfreiheit kam.

       

      Am 30. September jährt sich zum 10. Mal die Veröffentlichung der kontroversen Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung Jyllands-Posten, in deren Folge es in vielen islamisch geprägten Ländern der Welt zu Demonstrationen, gewalttätigen Ausschreitungen, zu diplomatischen Konflikten sowie weltweit zu einer Diskussion über die Presse-, Kunst- und Meinungsfreiheit kam.

      phoenix zeigt aus diesem Anlass, erstmalig im deutschen Fernsehen, den in Cannes für die Goldene Palme 2008 nominierten Dokumentarfilm Der Fall Charlie Hebdo (französischer Originaltitel: C est dur d être aimé par des cons / Es ist hart, von Idioten verehrt zu werden ). Im Mittelpunkt steht der Gerichtsprozess, in dem das Satiremagazin Charlie Hebdo im Jahr 2007 wegen seiner Mohammed-Karikaturen von muslimischen Verbänden mit Vorwürfen der Beleidigung und Rassismus verklagt wurde.

      Regisseur Daniel Leconte liefert eine eindrucksvoll dichte Rekonstruktion der stark emotional aufgeladenen Ereignisse rund um den Prozess in Paris. Für seinen Film sprach er sowohl mit den Klägern der Muslim-Verbände, als auch mit den unter Anklage stehenden Karikaturisten. Sieben der von ihm für den Film interviewten Zeichner und Journalisten wurden bei dem islamistischen Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo vom 7. Januar 2015 ermordet.

      Die phoenix-Redakteurinnen Heike Thiemann und Claudia Mützelfeldt betonen die gesellschaftspolitische Bedeutung der deutschen Erstausstrahlung bei phoenix: "In dem Dokumentarfilm führen herausragende Köpfe eine Gesellschaftsdebatte, die weit über den Karikaturen-Prozess von 2007 hinaus bis heute drängend geblieben ist: Was haben wir islamistischem Terror entgegenzusetzen? Lassen wir uns zu schnell einschüchtern? Aber auch: provozieren wir im Westen durch Ignoranz und Arroganz auch Wut in der islamischen Welt? Mit dem furchtbaren Attentat auf die Macher des Magazins haben diese Fragen weiter an Tragweite gewonnen.

      Der Film bietet seltene Einblicke in die Zeichenwerkstatt von Charlie-Hebdo und lässt den journalistischen Mut und die satirische Kreativität ihrer Karikaturisten eindrucksvoll spürbar werden. Einige französische Journalisten erheben in dem Dokumentarfilm den schweren Vorwurf, französische Regierungsstellen,- bis hinauf zum Außenministerium und dem Präsidenten-Palast -, hätten die Eröffnung des Gerichtsverfahrens sowie eine Verurteilung von Charlie Hebdo in Kauf genommen, damit geplante Staatsbesuche und lukrative Exportverträge mit muslimischen Ländern nicht gefährdet würden. Durch direkte Zeugen belegt ist ein Fall eklatanter Selbstzensur bei der Pariser Tageszeitung Express , deren Inhaber in einem spätabendlichen Telefonanruf seinem Chefredakteur Order gibt, den angelaufenen Druck der Mohammed-Karikaturen zu stoppen, weil er kurz vor einer Reise mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac in ein arabisches Land stehe, in dem es um ein Geschäft für Kampflugzeuge gehen soll. Der Chefredakteur weigert sich und kündigt am nächsten Tag.

      In Interviews kommen neben hochrangigen Politikern wie François Hollande auch der damalige Chefredakteur von Charlie Hebdo , Philippe Val sowie viele der Karikaturisten des Satiremagazins zu Wort, darunter Stéphane Charbonnier (alias Charb ), Jean Cabut (alias Cabu ) und Georges Wolinski, die bei dem Terroranschlag auf die Redaktion im Januar 2015 ums Leben kamen. Mit Wissen um das furchtbare Ende einiger der Protagonisten dieses Dokumentarfilms, bleibt es umso beeindruckender zu sehen, mit welcher Überzeugung das Team von Charlie Hebdo für Presse- und Meinungsfreiheit kämpfte und nach wie vor kämpft. Einige Szenen lassen uns immer noch über die Findigkeit der Karikaturisten vor Gericht schmunzeln, bei den geäußerten Vorahnungen auf drohende Attentate macht der Film besonders betroffen.

      Die deutsche Erstausstrahlung des Dokumentarfilms auf phoenix würdigt die beeindruckende Entschiedenheit, Klarheit und Courage der Journalisten und Zeichner von Charlie Hebdo - unabhängig davon, ob man das, was das Satiremagazin veröffentlicht teilen mag.

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      00:30 - 02:10 Uhr (100 Min.)
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