• 02.01.2016
      16:30 Uhr
      Exakt - Die Story Flüchtlingsherbst - Schaffen wir das wirklich? | tagesschau24
       

      Bisher ist die Flüchtlingskrise vor allem eine logistische Herausforderung. Die Unterbringung der Ankommenden, die Erstversorgung und die Registrierung, die Verteilung der Spenden. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen werden bis Ende des Jahres 86.000 Flüchtlinge erwartet und in allen drei Ländern ist man derzeit noch weit davon entfernt, zukunftsfähige Integrationspläne zu haben. Der Osnabrücker Migrationsforscher Professor Jochen Oltmer sagt es noch deutlicher: "Deutschlandweit herrscht eine angstgesteuerte Konzeptionslosigkeit." Doch es müssen langfristige Lösungen her.

      Moderation: Annett Glatz

      Samstag, 02.01.16
      16:30 - 17:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Bisher ist die Flüchtlingskrise vor allem eine logistische Herausforderung. Die Unterbringung der Ankommenden, die Erstversorgung und die Registrierung, die Verteilung der Spenden. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen werden bis Ende des Jahres 86.000 Flüchtlinge erwartet und in allen drei Ländern ist man derzeit noch weit davon entfernt, zukunftsfähige Integrationspläne zu haben. Der Osnabrücker Migrationsforscher Professor Jochen Oltmer sagt es noch deutlicher: "Deutschlandweit herrscht eine angstgesteuerte Konzeptionslosigkeit." Doch es müssen langfristige Lösungen her.

      Moderation: Annett Glatz

       

      Bisher ist die Flüchtlingskrise vor allem eine logistische Herausforderung. Die Unterbringung der Ankommenden, die Erstversorgung und die Registrierung, die Verteilung der Spenden. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen werden bis Ende des Jahres 86.000 Flüchtlinge erwartet und in allen drei Ländern ist man derzeit noch weit davon entfernt, zukunftsfähige Integrationspläne zu haben. Der Osnabrücker Migrationsforscher Professor Jochen Oltmer sagt es noch deutlicher: "Deutschlandweit herrscht eine angstgesteuerte Konzeptionslosigkeit." Doch es müssen langfristige Lösungen her, denn knapp die Hälfte der Asylbewerber wird bleiben.

      Davon geht auch das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) aus und behauptet, dass 50 bis 70 Prozent der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen werden - innerhalb der nächsten zehn Jahre. Ein Anfang zumindest ist bei KBA Planeta in Radebeul gemacht. Im August haben hier Asylbewerber eine Ausbildung begonnen. Und ein Handwerksunternehmen aus dem Kreis Meißen baut mit Flüchtlingen gemeinsam deren Unterkünfte: Fertigteilhäuser aus Holz.

      Langfristige Integration steht im Burgenlandkreis auf der Todo-Liste von Landrat Götz Ulrich nicht ganz oben. Er ist vor allem damit beschäftigt, den Flüchtlingen über den Winter "ein menschenwürdiges Dach über dem Kopf zu geben" zum Beispiel in einer Jugendherberge in Kretschau. Außerdem wirbt er geduldig bei den Bürgern für Verständnis und Mitgefühl, spürt aber auch jeden Tag welcher Riss inzwischen durch die Bevölkerung geht.

      Dieser Spaltung der Gesellschaft begegnet auch Pfarrer Lothar König aus Jena und erklärt "Die Flüchtlinge bringen aus ihren Ländern auch ihre Konflikte mit und ihr stark hierarchisches Denken, von dem wir uns kaum eine Vorstellung machen. Wir werden uns mit ihnen auseinandersetzen müssen, was unsere Werte sind." Vor allem fordert er weniger Bürokratie, bessere Abstimmung und Vernetzung der Behörden, Realitätssinn und keine Schönrederei von der Politik.

      850 Asylverfahren pro Jahr werden allein im Verwaltungsgericht Gera verhandelt. Denn 4 von 10 abgelehnten Asylbewerbern reichen Klage ein, wollen so ihre Abschiebung hinauszögern. Richter, Justizbeamte und Anwälte bringt das an ihre Grenzen.

      In diesem so angespannten Flüchtlingsherbst verschaffen wir uns in Mitteldeutschland einen Überblick und fragen, wie können tausende Fremde integriert werden und was passiert konkret mit denen, die nicht bleiben dürfen? Wie viel Anpassung muss sein und wie viel Anderssein werden wir künftig akzeptieren? Welche Ängste bleiben bestehen?

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