• 28.02.2014
      00:40 Uhr
      Das Frankenstein Projekt Spielfilm Ungarn / Deutschland / Frankreich 2010 (Szelíd teremtés - A Frankenstein-terv) | arte
       

      Kornél Mundruczó erweckt den Frankenstein-Mythos zu neuem Leben: Ein im Heim aufgewachsener Junge kehrt zu seinen Eltern zurück. Er gleicht einem wilden, mörderischem Tier, so dass die Eltern, ein ehrgeiziger Regisseur und eine in der Vergangenheit lebende Schönheit, ihr "Geschöpf" zurückweisen. Doch der Junge will deshalb nur noch mehr geliebt werden - mit tödlichen Folgen. "Das Frankenstein Projekt" ist ein vollkommen unsentimentales Sozialdrama: eine Mischung aus Psychothriller, Casting-Show und der wilden, lebendigen Realität derer, die es im neuen EU-Ungarn sozial nicht geschafft haben.

      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 28.02.14
      00:40 - 02:25 Uhr (105 Min.)
      105 Min.
      Stereo HD-TV

      Kornél Mundruczó erweckt den Frankenstein-Mythos zu neuem Leben: Ein im Heim aufgewachsener Junge kehrt zu seinen Eltern zurück. Er gleicht einem wilden, mörderischem Tier, so dass die Eltern, ein ehrgeiziger Regisseur und eine in der Vergangenheit lebende Schönheit, ihr "Geschöpf" zurückweisen. Doch der Junge will deshalb nur noch mehr geliebt werden - mit tödlichen Folgen. "Das Frankenstein Projekt" ist ein vollkommen unsentimentales Sozialdrama: eine Mischung aus Psychothriller, Casting-Show und der wilden, lebendigen Realität derer, die es im neuen EU-Ungarn sozial nicht geschafft haben.

       

      Ein Junge läuft durch das weihnachtlich verschneite Budapest. Er bleibt vor einem verfallenden Mietshaus aus dem 19. Jahrhundert stehen. Hier lebt Viktória mit ihrem Mann Argeylan und dessen Tochter Tünde. Mit ihrem großen Schlüsselbund hat Viktória die Hoheit über das verlassene Haus, das sie mit Hilfe des Mädchens Magda verwaltet.

      In einem Teil des ansonsten leeren Gebäudes hat sich Viktór eingemietet, ein ehrgeiziger Regisseur, der dort einen Film vorbereitet. Als er Rudi sieht, ist er von ihm so fasziniert, dass er ihn gemeinsam mit Tünde vorspielen lässt. Viktór muss die beiden einen Augenblick alleine lassen - als er wiederkommt, ist Tünde tot und Rudi verschwunden.

      Die Polizei ermittelt ergebnislos - aber Viktória entdeckt den Jungen in einem entlegenen Zimmer des Hauses. Sie erkennt in ihm ihren Sohn, den sie kurz nach der Geburt in ein Heim gegeben hat. Der Vater des Kindes ist Viktór, der damals ein Teenager war und von dem Jungen nichts wissen wollte.

      Viktória möchte Rudi loswerden, doch zunächst versteckt sie ihn in einem entlegenen Winkel des Dachbodens. Dort begegnet er Magda und verliebt sich in sie. Und einmal wird sein scheues Gefühl erwidert. Rudi will Magda heiraten. Seine Mutter schlägt ihm einen Deal vor: Sie wird die Hochzeit arrangieren, wenn er dann für immer aus ihrem Leben verschwindet. Doch es kommt anders, nicht zuletzt weil Rudis rohe Emotionalität von seiner Umwelt nicht verstanden wird. Rudis zunehmend verzweifelte Versuche, von seinen Eltern angenommen zu werden, führen geradewegs in die Katastrophe.

      Der Roman "Frankenstein oder der moderne Prometheus" von Mary Shelley hat als Vorlage für zahllose Horrorfilme gedient. Auch Autor und Regisseur Kornél Mundruczó hat sich bei seinem "Frankenstein Projekt", das er zunächst auf einer erfolgreichen Europatournee - unter anderem bei den Wiener Festwochen - als Theaterstück inszenierte, von diesem berühmten klassizistisch-gotischen Werk der Weltliteratur inspirieren lassen.

      Doch entstand bei der filmischen Umsetzung des preisgekrönten Bühnenstoffs kein Genrefilm im eigentlichen Sinne. Mundruczó lässt die Konventionen des Horrorfilms außer Acht, um die komplexe Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf in den Mittelpunkt zu rücken. Hier ist das eigentlich Monströse zu finden. Sein Thema ist, wie ein Geschöpf, das sich selbst überlassen wurde, sich in seiner unabdingbaren Sehnsucht nach Liebe zum Monster wird, das nach seinen Schöpfern sucht und findet. Diese Begegnung mündet in einer Spirale unkontrollierbarer Gewalt, denn seine Eltern sind nicht bereit, sich mit ihrem Geschöpf - und damit mit ihrer eigenen Rolle als Schöpfer - auseinanderzusetzen.

      Zugleich reflektiert Mundruczó das Verhältnis zwischen einem Autor und den Geschöpfen seiner Imagination und besetzt sich selbst in der Rolle des Regisseurs. Ganz im Stil der frühen Polanski-Filme, die Beunruhigendes zeigen, ohne sich der stilisierten Filmsprache des Horrorgenres zu bedienen, wird der Zuschauer durch die Geheimnisse der Erzählung mit einbezogen.

      Mundruczó entwickelt ein vollkommen unsentimentales Sozialdrama: eine Mischung aus Psychothriller, Casting-Show und der wilden, lebendigen Realität derer, die es im neuen EU-Ungarn sozial nicht geschafft haben. Innerhalb weniger Jahre hat sich der junge ungarische Regisseur Kornél Mundruczó, geboren 1975 in Gödöllõ, als einer der herausragenden Film- und Theaterkünstler Europas profiliert. Meist sind es "einfache", zeitlose Geschichten in der Tradition der griechischen Tragödie, denen er mit seiner reichen und hochkomplexen Bildsprache überzeugend künstlerischen Ausdruck verleiht.

      Mundruczós Filme wurden mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Sein Film "Delta" lief im Wettbewerb des Filmfestivals in Cannes 2008 und wurde mit dem Preis der Internationalen Filmkritik (FIPRESCI) ausgezeichnet. "Das Frankenstein Projekt" lief 2010 ebenfalls im Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes und erhielt zahlreiche Preise, unter anderem die Auszeichnung für die beste Regie und die beste Bildgestaltung bei den 42. Ungarischen Filmwochen in Budapest.

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      00:40 - 02:25 Uhr (105 Min.)
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