• 18.06.2014
      23:25 Uhr
      Die Bewältigung - Oradour Film von Lea Rosh und Günther Schwarberg | SWR Fernsehen BW
       

      Oradour - Mitten in Frankreich liegt ein kleines Dorf mit Kirche, drei Schulen, vier Bäckereien und einem Hotel namens "Milord", mit einer Schmiede und dem "Café Compain". Aber niemand wohnt dort. Die Einwohner liegen fast alle auf dem Friedhof. Ihre Grabsteine tragen alle dasselbe Datum: 10. Juni 1944. Der Dokumentarfilm von Lea Rosh und Günther Schwarberg wurde 1988 gedreht. Er ist bis heute ein wichtiges Dokument der Geschehnisse vom 10. Juni 1944 und der Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der deutschen Geschichte.

      Mittwoch, 18.06.14
      23:25 - 00:50 Uhr (85 Min.)
      85 Min.
      Stereo

      Oradour - Mitten in Frankreich liegt ein kleines Dorf mit Kirche, drei Schulen, vier Bäckereien und einem Hotel namens "Milord", mit einer Schmiede und dem "Café Compain". Aber niemand wohnt dort. Die Einwohner liegen fast alle auf dem Friedhof. Ihre Grabsteine tragen alle dasselbe Datum: 10. Juni 1944. Der Dokumentarfilm von Lea Rosh und Günther Schwarberg wurde 1988 gedreht. Er ist bis heute ein wichtiges Dokument der Geschehnisse vom 10. Juni 1944 und der Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der deutschen Geschichte.

       

      Die Ruinen dieses Dorf blieben so stehen, wie sie am Nachmittag des 10. Juni 1944 von der SS-Division "Das Reich" hinterlassen wurden. Ein einziger Mensch büßte bislang für dieses Verbrechen: Der ehemalige SS-Obersturmführer Heinz Barth wurde nach seiner Verhaftung 1983 zu lebenslanger Haft verurteilt. Zuvor lebte er bis 1981 unentdeckt und unter falschen Namen in Gransee nördlich von Berlin.

      Für ihren Dokumentarfilm haben Lea Rosh und Günther Schwarberg Heinz Barth 1988 in der Haft aufgesucht und sich die Tat schildern lassen: Er hat den Befehl weitergegeben, die Kranken in ihren Betten zu erschießen. Er hat die Posten vor die Kirche gestellt, in der Kinder und Frauen lebend verbrannt wurden. Er hat den Feuerbefehl gegeben, als die Männer in einer Scheune zusammengeschossen wurden. Und er hatte geglaubt, nun seien alle tot und keine Zeugen mehr am Leben. Das war ein Irrtum. Unter dem Leichenhaufen hatten sich einige Schwerverletzte hervorgewühlt und waren aus dem brennenden Dorf Oradour-sur-Glane entkommen.

      Einer der Überlebenden des Massakers, Robert Hébras, zeigt den Autoren bei einem Gang durch die Ruinen: "Dies war mein Bett, dies hier die Nähmaschine meiner Mutter. Dort an der Wand hängt das, was von der Uhr meiner Schwester übrigblieb". Eine Frau, Jacqueline Pinede, zeigt den Treppenverschlag, in dem sie sich mit ihren beiden kleinen Geschwistern versteckt hielt, während ihre Eltern und ihre Großmutter zum Erschießen und Verbrennen abgeholt wurden. Eine Witwe, Madame Gauthier, erzählt von der Straßenbahn aus Limoges, die vor dem brennenden Oradour von der SS angehalten wurde: Wer aus dem Dorf stammte, musste auf die eine Seite treten. Wer nicht aus Oradour war, durfte auf die andere Seite - nur diese Aussortierten wurden nicht erschossen.

      Wie ein Denkmal wird Oradour-sur-Glane erhalten. Es erzählt nicht nur die Geschichte von der Zerstörung und vom Mord an 642 Einwohnern. Es erzählt auch etwa von SS-General Lammerding, der wegen dieses Verbrechens nie vor Gericht gestellt wurde, sondern in der Bundesrepublik Karriere machte, unbehelligt bis zu seinem Tod 1971. Und es erzählt von SS-Leuten, die sich nach dem Krieg noch regelmäßig trafen und über Oradour sagten: "Nicht wir haben die Kirche in Brand gesteckt, sondern kommunistische Partisanen. Wir dagegen haben schon immer gegen den Kommunismus gekämpft".

      Der Dokumentarfilm von Lea Rosh und Günther Schwarberg wurde 1988 gedreht. Er ist bis heute ein wichtiges Dokument der Geschehnisse vom 10. Juni 1944 und der Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der deutschen Geschichte.

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