• 31.10.2022
      01:15 Uhr
      Die Geschichte vom Brandner Kaspar Spielfilm Deutschland 2008 | BR Fernsehen
       

      Der Brandner Kaspar ist ein gewitzter, lebenslustiger Wilderer, der noch längst nicht zum alten Eisen gehört. Als kurz vor seinem 70. Geburtstag der Tod bei ihm anklopft, hat der alte Sturkopf noch keine Lust mitzukommen. Der Sensenmann beharrt auf seinen strengen Vorschriften, doch mit einer Flasche Schnaps und einem Kartentrick trotzt Kaspar ihm weitere 20 Lebensjahre ab. Die himmlische Bürokratie tobt und Kaspar lacht sich ins Fäustchen.

      Nacht von Sonntag auf Montag, 31.10.22
      01:15 - 02:50 Uhr (95 Min.)
      95 Min.
      VPS 00:35

      Der Brandner Kaspar ist ein gewitzter, lebenslustiger Wilderer, der noch längst nicht zum alten Eisen gehört. Als kurz vor seinem 70. Geburtstag der Tod bei ihm anklopft, hat der alte Sturkopf noch keine Lust mitzukommen. Der Sensenmann beharrt auf seinen strengen Vorschriften, doch mit einer Flasche Schnaps und einem Kartentrick trotzt Kaspar ihm weitere 20 Lebensjahre ab. Die himmlische Bürokratie tobt und Kaspar lacht sich ins Fäustchen.

       

      Irgendwo am idyllischen Schliersee, im 19. Jahrhundert: Der Brandner Kaspar (Franz Xaver Kroetz) macht als berüchtigter Wilderer die Gegend unsicher. Seine erbitterten Gegner, Bürgermeister Kugler (Alexander Held) und dessen Gendarmen, haben dem alten Schlitzohr noch nie etwas nachweisen können. Als aber der Brandner einen Streifschuss abbekommt und verletzt in seiner Hütte liegt, scheint es ihm endgültig ans Schlafittchen zu gehen. Denn mit Blitz und Donner kommt uneingeladen ein bleiches, schwarz gewandetes Wesen in seine gute Stube: Es ist der Sensenmann (Michael "Bully" Herbig), der den Kaspar holen will. Der denkt aber nicht daran zu sterben, macht den grantigen Schnitter mit Kirschwasser betrunken und verführt ihn zu einem munteren Spielchen. So schindet Kaspar mit gezinkten Karten weitere 20 Lebensjahre heraus.

      Während der schwer verkaterte Tod seinen Fehler vor Petrus (Jörg Hube) und der Himmels-Bürokratie rechtfertigen muss, freut sich der Brandner Kaspar seines Lebens. Als seine hübsche Enkelin Nannerl (Lisa Maria Potthoff) bei einem Jagdunfall stirbt, erweist sich der Segen als Fluch. Der Tod wittert seine Chance und gewährt Kaspar probehalber einen Blick ins weiß-blaue Paradies. Kaspar ist hingerissen, doch aufgrund seines langen Sündenregisters drohen ihm zunächst viele Jahre Fegefeuer. Nachdem aber der Heiligen Dreifaltigkeit zu Ohren kommt, wie Kaspar den Tod übers Ohr gehauen hat, ist das himmlische Gelächter so groß, dass dem alten Schlawiner alle Sünden vergeben werden.

      Franz von Kobells 1871 in altbayerischer Mundart veröffentlichte, tragikomische "Gschicht vom Brandner Kaspar" besitzt seit ihrer Theateradaption 1934 nicht nur auf bayerischen Bühnen ein ewiges Leben. Der querköpfige Held, listig gegen irdische und himmlische Obrigkeiten kämpfend, wurde zum Mythos und Inbegriff bajuwarischer Mentalität. Bereits 1949 und 1975 wurde die zeitlose Parabel u.a. mit Paul Hörbiger als Tod verfilmt. Auch Regisseur Joseph Vilsmaier besetzt die Hauptrollen mit prominenten Charakterköpfen. Der Dramatiker Franz Xaver Kroetz verkörpert den gemütlichen Dickschädel Brandner, dessen anarchistische Ader ihn zum Verfemten und zum Volkshelden macht.

      Comedian Michael Bully Herbig verleiht als "Boandlkramer" dem Tod schwermütig menschliche Züge - eine unheimliche und zugleich urkomische Vorstellung. Auch sonst bleibt die geradlinige und traditionsbewusste Inszenierung der Vorlage treu und erdet katholisch-barocke Metaphysik mit grimmig lakonischem Humor und einem Blick für das Paradies Bayern. Zwischen Almwiesen und Bergdorf sah die Voralpenlandschaft wohl selten anmutiger aus als in dieser folkloristischen Satire, die den lieben Gott einen guten Mann sein lässt. So wartet auf den alten Sünder anstelle des Fegefeuers eine weiß-blaue Biergarten-Idylle, wie sie auf Erden nicht uriger sein.

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      Nacht von Sonntag auf Montag, 31.10.22
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