• 24.08.2012
      20:15 Uhr
      Goodbye DDR (1/4) Ulbricht und der Anfang | phoenix
       

      Es war ein Glanzpunkt der deutschen Geschichte. 70.000 Menschen demonstrierten am 9. Oktober 1989 auf dem Ring von Leipzig für die Freiheit. Jene Demonstrierenden der ersten Stunde, die "Wir sind das Volk" gerufen haben, wollten freilich erst mal nicht die deutsche Einheit, sondern eine bessere DDR. Die Kräfte aber, die ihr Mut entfesselt hatte, waren schließlich stärker als sie selbst. Und dennoch haben sie Erstaunliches vollbracht: Das scheinbar angepasste Volk der DDR kam aus den Nischen und machte Revolution - die erste deutsche Revolution, die glückte und die glücklich endete.

      Freitag, 24.08.12
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Es war ein Glanzpunkt der deutschen Geschichte. 70.000 Menschen demonstrierten am 9. Oktober 1989 auf dem Ring von Leipzig für die Freiheit. Jene Demonstrierenden der ersten Stunde, die "Wir sind das Volk" gerufen haben, wollten freilich erst mal nicht die deutsche Einheit, sondern eine bessere DDR. Die Kräfte aber, die ihr Mut entfesselt hatte, waren schließlich stärker als sie selbst. Und dennoch haben sie Erstaunliches vollbracht: Das scheinbar angepasste Volk der DDR kam aus den Nischen und machte Revolution - die erste deutsche Revolution, die glückte und die glücklich endete.

       

      Fünfzehn Jahre nach der Wiedervereinigung ist die DDR wieder in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt. "Ostalgie"-Shows haben sich, zum Teil affirmativ, den Lebensbedingungen im zweiten deutschen Staat gewidmet. Der komplexen historischen Realität sind diese Sendungen nicht immer gerecht geworden. Umfragen haben ergeben, dass die heutige Schülergeneration nur noch wenig über die DDR weiß. In Magdeburg etwa konnte nur noch eine Minderheit befragter Gymnasiasten sagen, wann die Mauer gebaut wurde, viele von ihnen hielten Siegmund Jähn für einen Fußballer und vermuteten Schwerin im Westen. Vor allem der Alltag in der DDR ist vielen fremd. Wer wissen will, wie man gelebt, geliebt und überlebt hat in der DDR, muss deren Widerspruch erfassen.

      Die Dokumentarreihe "Goodbye DDR" schildert in vier Folgen DDR-Geschichte von der Staatsgründung 1949 bis zum Mauerfall 1989: die ausgeprägte Solidarität der Menschen ebenso wie die Terrorpraktiken der Stasi; Stolz auf sportliche Glanzleistungen und Frust wegen der katastrophalen Wirtschaftslage; anpassungsfähigen Pragmatismus ebenso wie bitter enttäuschten Idealismus. Anhand der Biographien von Walter Ulbricht, Erich Mielke, Katarina Witt und Erich Honecker bietet die Serie ein differenziertes Bild der Lebenswirklichkeit im "anderen Deutschland". Dazu ergänzt eine ganze Reihe unbekannter Einzelschicksale das Gesamtbild - Geschichten von Mauerflüchtlingen und Grenzsoldaten, von Dissidenten und Bürokraten, von gebrochenen Rebellen bis hin zum ganz normalen Dasein in der "Nische".

      In vier Folgen entsteht eine ebenso spannende wie erhellende Geschichte der DDR - mit viel Zeitgeist, historischer Analyse und bewegenden Schicksalen. Wie kein anderer prägte er die DDR. Walter Ulbricht war einer der dienstältesten Potentaten des Ostblocks. Dabei flogen ihm bei öffentlichen Auftritten keineswegs die Herzen zu. Umständliches Gehabe, eiskalte Ausstrahlung und dröge Monologe mit sächselnder Fistelstimme prädestinierten den gelernten Tischler aus Leipzig nicht unbedingt zum charismatischen Volkstribun. Der starke Mann der DDR verstand sich eher darauf, die Menschen zu beherrschen als sie für sich einzunehmen. Unumschränkter Staatenlenker und pedantischer Parteisoldat, wie geht das zusammen? Es waren gerade die Wesenszüge des perfekten Apparatschiks, die Ulbricht für seine Aufgabe qualifizierten. Das Spiel mit der Macht immerhin beherrschte er meisterhaft: Akribisch, arbeitswütig und mit einem phänomenalen Personengedächtnis setzte er Funktionsträger stets so ein oder ab, wie es seinen Zwecken dienlich war. Gegner verfolgte er unerbittlich, parteiinterne Rivalen spielte er gegeneinander aus.

      Vor allem aber lenkte er seinen Kurs instinktsicher in die Richtung, die der Wind aus dem Osten gerade wies. Als treuer Statthalter Moskaus in Ost-Berlin erst errang Ulbricht seine dominierende Rolle.

      Trotz Versorgungsmängeln und Massenflucht, Kurswechseln im Kreml und parteiinternen Rivalitäten, trotz Volksaufstand und Mauerbau (dessen Absicht er kurz zuvor noch öffentlich abgestritten hatte), stieg Ulbricht zum beinahe unumschränkten Staatschef auf. Doch auf dem Höhepunkt der Macht zeigte der Apparatschik eine erstaunliche Wendung. Mit kleinen Freiheiten und mehr Konsum versuchte er sich die - eingemauerte - Bevölkerung gewogen, mit modernen Reformen seine Planwirtschaft wettbewerbsfähig zu machen. Doch am Ende fiel er selbst dem Machtspiel zum Opfer, das er zeitlebens gepflegt hatte. Ausgerechnet sein politischer Ziehsohn Erich Honecker beförderte den Vorgänger aufs Altenteil.

      Die Dokumentation verknüpft den Werdegang des eigenwilligen SED-Chefs mit einer Zeitreise durch die Frühgeschichte der DDR, die aus heutiger Sicht mitunter geradezu exotisch anmutet. Die Darstellung bewegender Einzelschicksale sowie Erlebnisberichte von Zeit-"Genossen" wie dem Schriftsteller Erich Loest, dem Politiker Hans Modrow, dem Filmregisseur Kurt Mätzig und der Journalistin Carola Stern geben einen Einblick in das Innenleben des frühen "Arbeiter- und Bauernstaats". Authentische, zum Teil unbekannte oder ungezeigte Aufnahmen aus jenen Jahren, die etwa Ulbricht im Jahr 1932 oder die DDR-Gründung in Farbe zeigen, beleuchten aus ungewohnter Perspektive jenes politische Großexperiment, das mit hohen Erwartungen begann, und dessen Folgen bis heute spürbar sind.

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      Freitag, 24.08.12
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
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