• 07.08.2018
      05:45 Uhr
      Unser Wald Zoff im deutschen Forst | phoenix
       

      Er ist Sehnsuchtsort, Mythos und Identitätsstifter - der deutsche Wald. Gut ein Drittel der Bundesrepublik ist bewaldet - ungefähr die Hälfte davon in Staatshand. Deutschland ist Spitzenreiter in der Forstwirtschaft. Die Bundesrepublik hat die größten Holzvorräte in ganz Europa, mehr noch als die Finnen oder Schweden. Doch um den Forst ist ein erbitterter Streit entbrannt, denn er soll Unglaubliches leisten: Sauberes Wasser und gute Luft generieren, nachhaltige Roh- und Brennstoffe liefern, CO2-Emissionen limitieren, Naturschutz und Erholung garantieren. Kann all das gleichzeitig funktionieren?

      Nacht von Montag auf Dienstag, 07.08.18
      05:45 - 06:30 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Er ist Sehnsuchtsort, Mythos und Identitätsstifter - der deutsche Wald. Gut ein Drittel der Bundesrepublik ist bewaldet - ungefähr die Hälfte davon in Staatshand. Deutschland ist Spitzenreiter in der Forstwirtschaft. Die Bundesrepublik hat die größten Holzvorräte in ganz Europa, mehr noch als die Finnen oder Schweden. Doch um den Forst ist ein erbitterter Streit entbrannt, denn er soll Unglaubliches leisten: Sauberes Wasser und gute Luft generieren, nachhaltige Roh- und Brennstoffe liefern, CO2-Emissionen limitieren, Naturschutz und Erholung garantieren. Kann all das gleichzeitig funktionieren?

       

      Stab und Besetzung

      Regie Tim Böhme
      Produktion Tim Carlberg
      Autor Tim Böhme
      Redaktionelle Leitung Jochen Graebert
      Redaktion Gita Datta

      Er ist Sehnsuchtsort, Mythos und Identitätsstifter - der deutsche Wald. Gut ein Drittel der Bundesrepublik ist heute bewaldet - ungefähr die Hälfte davon in Staatshand, gehört also uns Bürgern. Deutschland ist Spitzenreiter in der Forstwirtschaft. Die Bundesrepublik hat die größten Holzvorräte in ganz Europa, mehr noch als die Finnen oder Schweden.

      Doch um unseren Forst ist ein erbitterter Streit entbrannt, denn er soll Unglaubliches leisten: Sauberes Wasser und gute Luft generieren, nachhaltige Roh- und Brennstoffe liefern, CO2-Emissionen limitieren, Naturschutz und Erholung garantieren. Kann all das gleichzeitig funktionieren?

      Die Forstwirtschaft ist gespalten: Einige sind überzeugt, dass die Natur sich am besten selbst reguliert. Die meisten privaten Waldbesitzer und Förster sind dagegen Verfechter eines Kulturwaldes, also eines kontinuierlich gepflegten Waldes. Sie bezeichnen die Naturwald-Verfechter als Ideologen. Wer kann es besser, die Natur oder der Förster?

      Einer der Naturwald-Verfechter stapft mit einigen Wissenschaftlern und seltsamen Gerätschaften durch den 5.000 Hektar großen Stadtwald Lübeck. Es ist Förster Knut Sturm, der sein Revier per Laserscanner vermessen lassen will. So will er handfeste Beweise liefern, dass der Wald seinen eigenen Berufsstand im Grunde genommen nicht nötig hat. "Wir müssen nicht alles managen, sondern sollten einfach der Natur vertrauen", glaubt der Mann mit der grauen Löwenmähne. Ginge es nach ihm, sollte die Hauptaufgabe des Försters sein, den Wald möglichst in Ruhe zu lassen und nur noch die wirklich alten, erwachsenen Baum-Senioren schonend zu ernten. Sein Motto: "Wir nutzen den Wald und er hat es nicht bemerkt."

      Wenn Hans-Casper Graf zu Rantzau seine Familien-Wälder besichtigt, empfindet er in erster Linie Ehrfurcht vor der Leistung seiner Vorväter: "Vor 210 Jahren war dieser Eichenwald nur ein platter Acker", erklärt der Graf stolz, dessen Familie hier schon seit über 800 Jahren wirtschaftet. Der Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Waldbesitzerverbandes versteht den ganzen Hype um die angeblichen Naturwälder nicht: "Der Wirtschaftswald ist sogar beim Artenschutz dem Naturwald überlegen. Es gibt keinen rationalen Grund, auch nur 0,1 Prozent der Wälder als Naturwald zu führen. Wald beruht auf einem Generationenvertrag und den sollten wir nicht leichtfertig kündigen, sonst werden unsere Nachkommen sich wundern, warum sie keine brauchbaren Rohstoffe haben."

      Momentan steht der norddeutsche Wald vor großen Veränderungen. Nach dem Krieg wurden bei uns viele Wälder abgeholzt, dienten als Reparationszahlung an die Siegermächte. Damit man möglichst schnell wieder Holz ernten konnte, wurden "schnell" wachsende Nadelholz-Plantagen angelegt. Meistens waren es Fichten. Nun sind diese Plantagen jetzt alle gleichzeitig erntereif.

      Die ganze Holzwirtschaft hat sich um das Nadelholz herum organisiert, denn die langen geraden Schäfte eignen sich hervorragend, um schnell und effektiv Baumaterial herzustellen. 70 Jahre braucht so ein Baum zum Wachsen. Doch die Fichte, die eigentlich auf Bergkämmen wächst, hat wegen des Klimawandels bei uns keine gute Prognose. Sie ist zudem extrem anfällig gegen Schädlingsbefall.

      Welche Baumart könnte sie ablösen? Sollten wir stärker auf fremdartige Bäume, wie die nordamerikanische Douglasie, als Bauholz setzen? Oder verpassen wir damit als Gesellschaft die Chance - und das für die nächsten hundert Jahre - ganz auf Natur pur umzusatteln?

      Die Dokumentation begleitet den Förster Knut Sturm und seine Widersacher ein Jahr lang durch den Wald. Wer hat die besseren Argumente: Der Liebhaber des Naturwalds oder die Verfechter einer aktiven Bewirtschaftung?

      Film von Tim Boehme

      Thema: Waldeslust!

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      Nacht von Montag auf Dienstag, 07.08.18
      05:45 - 06:30 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 25.07.2021