• 06.11.2011
      06:00 Uhr
      Giovanni Belzoni (2/2) Im Bann des Großen Ramses | phoenix
       

      Das Dokudrama erzählt das bewegte Leben eines ungewöhnlichen Mannes und blättert eine der spannendsten Epochen in der Erforschung des Altertums auf.

      Sonntag, 06.11.11
      06:00 - 06:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Das Dokudrama erzählt das bewegte Leben eines ungewöhnlichen Mannes und blättert eine der spannendsten Epochen in der Erforschung des Altertums auf.

       

      Das aufwändige Dokudrama von ZDF und BBC schildert in zwei Folgen Schlüsselmomente der Geschichte: Belzonis Pioniertaten legten den Grundstein für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Pharaonenzeit.

      Giovanni Belzoni zählt zu den schillerndsten Figuren, die seit Ende des 18. Jahrhunderts das Alte Ägypten erforschen. Seine einzigartige Karriere vom Zirkusartisten zu einem der großen Entdecker antiker Schätze verdankt der Mann aus Padua dem puren Zufall.

      Lange sucht der Sohn eines Barbiers nach seiner beruflichen Bestimmung. Eigentlich will der arme Junge Mönch werden. Doch politische Wirren zwingen ihn, die Heimat zu verlassen. In Holland studiert er Hydraulik - und landet schließlich in England beim Zirkus. Der Zwei-Meter-Mann tingelt als Gewichtheber unter dem Künstlernamen der Große Belzoni umher, bevor es ihn ins exotische Ägypten verschlägt. Dort sucht der Italiener eine neue Existenz. Nach der Invasion Napoleons zieht es viele europäische Glücksritter an den Nil. Forscher und Schatzjäger wetteifern um die wertvollsten Funde und plündern das Land gnadenlos aus.

      1815 trifft der Abenteurer (Matthew Kelly) mit seiner Frau Sarah (Lynsey Baxter) und dem Diener James Curtain (Nevan Finegan) in Kairo ein. Schon bald begegnet er zwei Männern, die sein Leben verändern sollten: dem Schweizer Gelehrten Johann Ludwig Burckhardt (Thomas Lockyer) und dem britischen Generalkonsul Henry Salt (Robert Portal). Burckhardt reist damals im Auftrag der African Association durch den Orient, Salt sammelt für das Britische Museum, vor allem aber für sich persönlich, alle Altertümer, die er in seinen Besitz bringen kann - mit welchen Mitteln auch immer. Die beiden geben dem technisch versierten Muskelmann eine Chance.

      Ein überdimensionaler, sieben Tonnen schwerer Granitkopf soll aus einem Tempel bei Theben an den Nil geschafft und nach London verschifft werden. Bisher ist es keinem gelungen, den Koloss zu bewegen. Selbst die französischen Konkurrenten haben sich lange vergeblich mit dem so genannten Memnon abgemüht. Da die Hieroglyphen noch nicht entziffert sind, ahnt zu jener Zeit niemand, dass der steinerne Riese Ramses II. abbildet, den mächtigsten Pharao aller Zeiten.

      Für den schwierigen Transport des Giganten scheint der findige Ingenieur der ideale Partner zu sein. Doch zunächst steht er vor einem unlösbaren Problem. Alle angeheuerten Helfer verweigern die Arbeit. Eine Intrige, die der französische Generalkonsul Bernardino Drovetti (Joseph Long), Salts ärgster Widersacher als Kunstsammler, angezettelt hat. Dennoch gelingt es dem zähen Belzoni, das Unmögliche gegen alle Widerstände zu vollbringen: Die Monumentalbüste reist nach England.

      Immer wenn ich ihn anschaute, glaubte ich, er lächle mich an, sagt der Italiener und sieht darin einen Wink des Schicksals. Er will mehr über das rätselhafte Land und seine verborgenen Geheimnisse erfahren. Der ehemalige Aktrobat erliegt dem Forscherdrang und sucht weiter nach Spuren der Vergangenheit. Dabei stößt er überall auf die Leute seines Rivalen Drovetti. Die Schatzsucher liefern sich ein erbittertes Wettrennen um die besten Objekte. Dem Franzosen geht es vor allem um persönlichen Profit. Ägyptologie ist für ihn nicht mehr als ein lohnendes Geschäft. Belzoni jedoch fühlt sich mehr und mehr der Wissenschaft verpflichtet - und seinem Auftraggeber Henry Salt. Zu spät erkennt der gutgläubige Hüne, dass auch der Brite keineswegs nur das heimische Museum bedient, sondern hauptsächlich seine eigenen Taschen füllt.

      Auf mehreren abenteuerlichen Reisen von Kairo nach Assuan glücken Belzoni spektakuläre Coups. Im Kampf um die Sicherstellung der Altertümer kommt ihm immer wieder sein technisches Wissen zugute. So kann er den Obelisken von Philae bergen und im Tal der Könige mit geschultem Auge sechs Pharaonengräber aufspüren. Doch erst seine Entdeckung von 1817 macht den Italiener weltberühmt: Am 18. Oktober legt er den Eingang zur letzten Ruhestätte Sethos I. frei. Der Regent war der Vater von Ramses II. - jenes Herrschers, der in Belzoni die Leidenschaft für Ägypten ausgelöst hat, obwohl er den wahren Namen des Pharao nie erfährt.

      Ramses II. lebte im 13. Jahrhundert vor Christus. 67 Jahre lang lenkte der König, der als der Große in die Annalen einging, die Geschicke seines Volkes. Als er im damals ungewöhnlich hohen Alter von 90 starb, hinterließ er mehr als 100 Kinder. Vor allem aberverewigte sich Ramses II. mit unzähligen prächtigen Tempeln entlang des Nil. In der Nubischen Wüste südlich von Assuan ließ er das Monument von Abu Simbel errichten, das Johann Ludwig Burckhardt erst kurz vor Belzonis Ankunft in Kairo wiederentdeckte.

      Für den Italiener wird das atemberaubende Bauwerk zur größten Herausforderung in seiner archäologischen Laufbahn. Denn im Lauf der Jahrhunderte ist das gewaltige Felsenheiligtum unter Millionen Tonnen von Sand versunken. Aber davon lässt sich der besessene Ausgräber nicht abschrecken. Mit Kolonnen von Arbeitern schaufelt er den Eingang frei und schreitet als erster Mensch der Neuzeit voller Ehrfurcht durch die von Säulen gesäumte, majestätische Halle.

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      Sonntag, 06.11.11
      06:00 - 06:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 25.07.2021