• 21.10.2011
      02:55 Uhr
      Russlands Küsten - Russlands Sehnsucht (1/3) Die Straße der Eisberge | phoenix
       

      Der nördliche Seeweg ist ein alter russischer Traum, der, als er der Verwirklichung nahe schien, begraben wurde.

      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 21.10.11
      02:55 - 03:35 Uhr (40 Min.)
      40 Min.
      Stereo

      Der nördliche Seeweg ist ein alter russischer Traum, der, als er der Verwirklichung nahe schien, begraben wurde.

       

      Mit dem Ende der Sowjetunion erlahmte die Kraft des Riesenreiches. Es fehlte an Geld, die Flotte der Atom-Eisbrecher zu betreiben. Die Menschen flüchteten aus den nördlichen Hafenstädten, weil die Regierung ihre Versorgung nicht mehr aufrecht halten konnte. Seitdem aber im Norden neue Erdölfelder entdeckt wurden, lebt der Mythos vom Sieg über Sturm, Eis und Frost wieder auf.

      Eines der wenigen Tore zur Welt in Russlands Norden war der Hafen Archangelsk. Dort landeten schon zu Zeiten Iwans des Schrecklichen englische Händler und brachten Gold, Silber und Wein, um sie gegen Pelze und Holz zu tauschen. Es ist bezeichnend für die Entwicklung des Landes, dass seine längste Küste eher eine abschreckende Barriere war, als zum Besuch einlud: Die längste Zeit des Jahres von Eis umschlossen, ist die Schifffahrt wegen der vielen Eisberge dort bis auf den heutigen Tag ein Abenteuer.

      Einer der vergeblichen russischen Träume war, die Küste zu erschließen und mit der Nordost-Passage vom Atlantik zum Pazifik einen Anschluss an die Handelsströme der weiten Welt zu finden. Erst im Zeitalter der atomaren Eisbrecher schien sich das Tor zum Norden zu öffnen. Doch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion fehlt die wirtschaftliche Kraft, um die Wege frei zu halten. Jetzt prüfen Russland, Norwegen und Japan eine ganzjährige Öffnung der direktesten Seeverbindung von Europa in den Fernen Osten. In EU-Kreisen wird Westsibirien als zentrale Energiequelle für Europa betrachtet. In Japan das östliche Sibirien.

      Von Archangelsk führt die Reise zu einer der Küste vorgelagerten Inselgruppe, den Solovietzky Inseln. Den Kommunisten schien dieser abgeschiedene Ort geeignet, um dort ihr erstes Gulag-Lager einzurichten. Der Norden, der den Russen wie das von der Natur geschaffene Bild ihrer reinen Seele ist, war stets auch ein bevorzugter Ort zu quälen und zu töten. Die Insel Nowaja Semlja ist hoch radioaktiv verseucht, denn nach dem Zweiten Weltkrieg war sie atomares Testgelände.

      In den wenigen Sommermonaten laufen ein paar Versorgungsschiffe die kleinen Häfen an der Küste an. Sie bringen Heizöl und Nahrungsmittel zu den Menschen, die einst dorthin gelockt oder gezwungen wurden, weil der Norden das Glück des Landes zu verheißen schien.

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      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 21.10.11
      02:55 - 03:35 Uhr (40 Min.)
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      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 28.11.2020