• 23.07.2011
      20:15 Uhr
      Als Frauen Chef wurden (1/2) Ungeplante Karrieren | phoenix
       

      "Wie würden Sie es finden, eine Frau als Chef zu haben?" Eine Frage, die bei deutschen Männern bis weit in die sechziger Jahre ganz offen Entsetzen und Ablehnung auslöste.

      Samstag, 23.07.11
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      "Wie würden Sie es finden, eine Frau als Chef zu haben?" Eine Frage, die bei deutschen Männern bis weit in die sechziger Jahre ganz offen Entsetzen und Ablehnung auslöste.

       

      Die Vorstellungen davon, welche Rollen und Aufgaben für Frauen passend sind, standen zumeist noch felsenfest. Dabei gab es 1950 schon über 30.000 Frauen, die einen eigenen Betrieb führten, 1960 war die Zahl schon auf über 60.000 gestiegen. Für die Presse waren sie bloße "Kriegsfolgeerscheinungen" und "Nelken im Knopfloch der deutschen Wirtschaft". Auch der 1954 gegründete Unternehmerinnen-Bund konnte diese Vorurteile lange nicht außer Kraft setzen.

      Man kann sich vorstellen, wie schwierig es für Frauen in einem solchen Umfeld war, sich als Chefin eines Unternehmens durchzusetzen. Beatrix Wilmes porträtiert in ihrer zweiteiligen Dokumentation vier Frauen, die heute, nach einem erfolgreichen Berufsleben, heiter, selbstbewusst und nachdenklich darauf zurückschauen, gegen welche Hindernisse und Zweifel sie sich durchgesetzt haben.

      Ruth Best in Köln und Maja Vielhaber im sauerländischen Stockum leben in den fünfziger Jahren ein Leben, das dem Rollenmodell für Frauen ihrer Generation entspricht. Sie sind verheiratet und haben kleine Kinder, und der Mann an ihrer Seite führt einen Betrieb, in dem sie mitunter helfen. Doch dann ändert sich das Leben von einem Tag auf den anderen, als der Ehemann plötzlich stirbt. Was soll jetzt aus dem Papiergroßhandel in Köln werden, was aus der Bäckerei in Stockum? Konkurrenten stehen schon bereit, um die Betriebe zu übernehmen. Doch sie haben die Rechnung ohne die starken Frauen gemacht. Sie entscheiden sich für das Abenteuer, für "Ungeplante Karrieren". Beide nehmen die Herausforderung an, arbeiten sich in Wirtschaftsfragen ein und bemühen sich, ihre Rollen als Mutter und als Chefin unter einen Hut zu bringen, argwöhnisch beobachtet von ihrer Umgebung.

      Noch vor ihnen haben junge Frauen kurz nach dem Krieg Wege beschritten, die eigentlich nicht für sie geplant waren. Viele Betriebe können nach 1945 nicht von Männern übernommen und weitergeführt werden, weil zu viele von ihnen im Krieg geblieben sind. So ergeben sich "Chancen im Wiederaufbau", die von manch einer gut ausgebildeten Frau gern ergriffen werden. So tritt Annerose Iber-Schade im sauerländischen Plettenberg die Nachfolge im Familienbetrieb in der Metallverarbeitung an, die junge Kunsthistorikerin Carola van Ham übernimmt ein eingeführtes Kunstauktionshaus in Köln. Die Umgebung wartet förmlich darauf, dass die Frau als Chefin sich als "vorübergehende Erscheinung" erweisen wird - die betroffenen Frauen dagegen gewinnen zunehmend Freude an ihrer Tätigkeit. Mit Mut und ungeheurer Disziplin meistern sie einen Alltag, der noch überhaupt nicht auf berufstätige Frauen eingerichtet ist und übernehmen Verantwortung für ihre Mitarbeiter - und machen anderen Unternehmerinnen Mut. Und das mit großem Erfolg.

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      Samstag, 23.07.11
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
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