• 06.06.2011
      18:00 Uhr
      Mein Vater sitzt im Knast phoenix
       

      "Seit 15 Jahren warten wir und nichts ändert sich". Jonathan (17) und Daniel (15) verbringen die gesamte Kindheit ohne Vater. Der sitzt in einem Bielefelder Gefängnis. Bis zur Entlassung müssen die Brüder noch mindestens zwei Jahre warten.

      Montag, 06.06.11
      18:00 - 18:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      "Seit 15 Jahren warten wir und nichts ändert sich". Jonathan (17) und Daniel (15) verbringen die gesamte Kindheit ohne Vater. Der sitzt in einem Bielefelder Gefängnis. Bis zur Entlassung müssen die Brüder noch mindestens zwei Jahre warten.

       

      Und ob sich der Vater nach den vielen Knastjahren in Freiheit zurechtfinden wird, können die beiden nur hoffen, aber sie zweifeln daran. Immer wieder hatte es kurze Phasen gegeben, in denen der Familienvater bei Daniel und Jonathan sein konnte.

      Er wurde vorzeitig entlassen, wegen guter Führung. Doch dann hatte er wieder in großem Stil gestohlen und musste zurück ins Gefängnis. Daniel und Jonathan erleben schmerzhaft, dass die Strafe ihres Vaters auch ihre eigene ist. Ihr Vater ist eingesperrt, und die beiden Brüder sind ausgesperrt. Sie gehören nie dazu, werden von Mitschülern nicht eingeladen, fühlen sich oft ausgegrenzt und wie mitbestraft.

      Das kennen sie schon so lange und haben sich trotzdem bis heute nicht daran gewöhnt: an die ständige Sehnsucht nach ihrem Vater. An beklemmende Sonntage im anonymen Besucherraum, das Abtasten durch die Wärter, Mobbing in der Schule. Was den beiden bleibt, ist die Hoffnung, dass dieser Albtraum eines Tages endlich ein Ende hat und ihr Vater nie wieder eine Straftat begeht.

      Die 19-jährige Fiona hat Ähnliches durchgemacht. Sieben Jahre lang saß ihr Vater in einem Gefängnis in Bochum. Er hatte geklaut, um Drogen zu kaufen. Seit zwei Jahren ist er wieder draußen. Fiona und ihre Mutter haben immer zu ihm gestanden, auf ihn gewartet und an ihn geglaubt: "Ich habe ihn trotz allem lieb, er ist doch mein Papa", sagt Fiona, auch wenn er sie oft enttäuscht hat. Denn auch Fionas Vater musste mit kurzen Unterbrechungen immer wieder ins Gefängnis. Trotz aller Versprechungen gegenüber seiner Frau und seinem Kind ist er immer wieder straffällig geworden, und Fiona musste sehen, wie sie ohne ihn zurechtkam.

      Sicher konnte sie sich nie fühlen, wenn der Vater gerade nicht im Gefängnis war. Wie zuverlässig ist jemand, der immer wieder in die Beschaffungskriminalität abrutscht? Wie lange ist er dieses Mal draußen? Droht der Familie noch einmal diese bleierne Zeit, in der der Vater im Gefängnis sitzt? Fiona hat Angst davor. Ihr Vater versichert ihr zwar, er werde nie wieder Straftaten begehen, aber das hat er früher auch schon immer gesagt. Seine Tochter vertraut ihm nicht mehr, obwohl sie ihn liebt und eigentlich an ihn glauben will.

      Eltern zu haben, die im Gefängnis sind, ist etwas, wofür viele Kinder sich schämen, was sie verunsichert und wofür sie sich schlimmstenfalls auch noch verantwortlich fühlen. Den Vater, der Vorbild sein sollte, von dem sie lernen, den sie bewundern wollen, erleben sie als schwach, fehlbar und von der Gesellschaft geächtet. Lange haben die Autoren Clara Walther und Alessandro Nasini für diese 37 Grad-Sendung nach Kindern gesucht, die bereit sind, offen über ihr Leben mit ihren kriminellen Vätern zu sprechen. Fiona, Jonathan und Daniel wollen sich nicht verstecken. Sie möchten nicht verurteilt werden dafür, dass ihre Väter kriminell geworden sind.

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      Montag, 06.06.11
      18:00 - 18:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

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