• 21.04.2010
      21:00 Uhr
      Honeckers Jahrhundertbau phoenix
       

      Stets war die DDR-Propaganda voller Superlative, wenn von Erich Honeckers Prestigeprojekt, dem Aushängeschild für die DDR-Wirtschaft die Rede war: dem Mitbau an der längsten Gasleitung der Welt.

      Mittwoch, 21.04.10
      21:00 - 21:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Stets war die DDR-Propaganda voller Superlative, wenn von Erich Honeckers Prestigeprojekt, dem Aushängeschild für die DDR-Wirtschaft die Rede war: dem Mitbau an der längsten Gasleitung der Welt.

       

      Stab und Besetzung

      Redaktionelle Zustaendigkeit Jürgen Ast
      Hajo Obuchoff

      Erst 1993 wurde das Projekt beendet, drei Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR. Für die meisten der 25.000 Trassenbauer waren die Jahre im "Wilden Osten" ein Erlebnis.

      Die Trassenbauer waren "Revolutionäre im Blauhemd" und "Helden der Arbeit". Der Bau selbst eine "Barrikade" im Klassenkampf, ein Beweis für die ewige Freundschaft zur Sowjetunion und dem unaufhaltsamen Sieg des Sozialismus. 1974 wurde das Unternehmen "Druschba-Trasse" (Trasse der Freundschaft) in der DDR offiziell verkündet. Als beispielloses Großunternehmen von der Sowjetunion konzipiert, mit errichtet von den Kunden. Fast 5.000 Kilometer mussten die 1,42 Meter dicken Rohrleitungen vom Eismeer bis an die Westgrenze der Ukraine in die Erde, über Berge und Flüsse, gelegt werden.

      Der bei weitem größte Anteil an Gas sollte für harte Devisen in den Westen fließen, auch in die Bundesrepublik Deutschland. Das Imperium von Schalck-Golodkowski besorgte Geld für modernste Ausrüstung und Maschinen; auch die Milliardenkredite von Franz Josef Strauß halfen indirekt, das "Bauwerk des Jahrhunderts" zu finanzieren. Ein Fass ohne Boden. Erst 1993 wurde Honeckers Prestigeprojekt beendet. Für die meisten der 25.000 DDR-Trassenbauer waren die Jahre im "Wilden Osten" ein Erlebnis. Es war Abenteuer, Pioniergeist und "Raus aus der engen DDR", oder auch "einfach mal gutes Geld verdienen". Die Propaganda war eher lästig, was zählte war die Arbeit. 10 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche. In der knappen Freizeit das legendäre Feiern mit den Kumpels und Mädels, den wenigen...

      Ein Gefühl von Freiheit, doch über vieles musste auch geschwiegen werden: über die Unfälle zum Beispiel. Auch die Eindrücke, in einem rückständigen Land zu arbeiten, passten nicht ins Bild. In jeder Beziehung war die Trasse beispiellos, als Lebenserfahrung, als Bauwerk und als Politikum.

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      Mittwoch, 21.04.10
      21:00 - 21:45 Uhr (45 Min.)
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