• 07.03.2010
      11:45 Uhr
      Deutsche Lebensläufe: Rosa Luxemburg phoenix
       

      Am 31. Mai 1919 taucht im Berliner Landwehrkanal an einer Schleuse eine Tote auf. Auf Grund ihrer Handschuhe, eines Medaillons und einiger Kleiderfetzen wird sie als Rosa Luxemburg identifiziert.

      Sonntag, 07.03.10
      11:45 - 12:30 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      VPS 10:44
      Stereo

      Am 31. Mai 1919 taucht im Berliner Landwehrkanal an einer Schleuse eine Tote auf. Auf Grund ihrer Handschuhe, eines Medaillons und einiger Kleiderfetzen wird sie als Rosa Luxemburg identifiziert.

       

      Stab und Besetzung

      Redaktionelle Zustaendigkeit Charlotte Eichhorn

      Am 15. Januar hatte man sie zusammen mit Karl Liebknecht verhaftet. Seitdem galt sie als verschollen. Die Monarchisten sahen in Rosa Luxemburg eine Vaterlandsverräterin, die Sozialdemokraten eine Anarchistin, den Spartakisten war sie nicht radikal genug. Eine Frau zwischen allen Stühlen - ein Leben lang.

      Der "Adler der Revolution", wie Lenin sie nannte, war erschlagen, erschossen, ertränkt worden. Als wollte man sicher sein, dass diese radikale Weltverbesserin für immer schweigt. Sie war zu einer Gefahr geworden.

      Rosa Luxemburg hatte versucht, ihr Ideal von einer anderen, besseren Gesellschaft Wirklichkeit werden zu lassen, einer Gesellschaft, "in der die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist". Ein Satz aus dem "Kommunistischen Manifest", der die 17Jährige ins Herz traf, damals in Warschau, als sie noch Rozalia Luksenburg hieß und auf das Zweite Warschauer Mädchengymnasium ging. Als Kommunistin, als Jüdin und als Frau benachteiligt, blieb ihr die Flucht in die Schweiz. Dort konnte sie studieren, begegnete der Liebe ihres Lebens, Leo Jogiches. Beide träumten von der Revolution, entwickelten Theorien, stritten auf Kongressen, wie eine revolutionäre Arbeiterpartei zu führen wäre: nicht zentralistisch und autoritär, sondern demokratisch. Fotos aus dieser Zeit zeigen sie als modisch gekleidete junge Frau mit samtschwarzen Mandelaugen und verwegenen Hüten.

      Sie schmiedet Pläne für ein Leben zu zweit, eine kleine Wohnung, gemeinsame Spaziergänge, vielleicht ein Kind. Aber Jogiches ist nicht bereit, die "strahlende Verheißung" Revolution zu opfern. Kampf, Flucht, Exil, Verhaftung, Tod lassen sich nicht vereinbaren mit der Idee eines familiären Idylls. Die Sehnsucht danach wird Rosa Luxemburg ein Leben lang nicht verlassen. Ihr politisches Leben gleicht inzwischen einer Achterbahnfahrt. Auf die Freude an einer gelungenen Rede folgt die Depression über Gefängnisaufenthalte. Als am 9. November 1918 Scheidemann die freie deutsche Republik ausruft und Liebknecht die freie sozialistische Republik, wird Rosa Luxemburg gerade mal wieder aus dem Gefängnis entlassen. Sie fährt nach Berlin in der Hoffnung, dass sich endlich erfüllt, wofür sie so viel geopfert hat. Doch es kommt anders.

      Wer war diese Frau? Eine Romantikerin, die in blumigen Worten von einer gerechten Gesellschaft schwärmte? Eine Rebellin, die sich mit allen anlegte und immer anders dachte als die Mehrheit? Eine einsame Frau, die sich nach Kindern sehnte und bei ihren "Kämpfen für die Menschheit" nicht bemerkte, dass ihr Vater starb?

      8. März Internationaler Frauentag

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      11:45 - 12:30 Uhr (45 Min.)
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