• 09.02.2010
      07:30 Uhr
      Als die Deutschen weg waren (1/3) Tollminkehmen in Ostpreußen | phoenix
       

      Tollmingkehmen war vor dem Zweiten Weltkrieg ein Kirchdorf nahe der berühmten Rominter Heide, 20 Kilometer von der damaligen Grenze zu Litauen entfernt. Im Oktober 1944 besetzen russische Truppen das von den Deutschen verlassene Dorf.

      Dienstag, 09.02.10
      07:30 - 08:15 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Tollmingkehmen war vor dem Zweiten Weltkrieg ein Kirchdorf nahe der berühmten Rominter Heide, 20 Kilometer von der damaligen Grenze zu Litauen entfernt. Im Oktober 1944 besetzen russische Truppen das von den Deutschen verlassene Dorf.

       

      Stab und Besetzung

      Redaktionelle Zustaendigkeit Carla Hicks

      Die Sowjetisierung der ehemaligen deutschen Kulturlandschaft beginnt. Die politische Führung in Moskau will das nördliche Ostpreußen nie wieder hergeben und beginnt umgehend damit, es zu einem sowjetischen Musterland umzubauen. Sofort wird das deutsche Eisenbahnnetz herausgerissen und durch neue Schienen mit russischer Spurbreite ersetzt - die Rominter Heide mit ihren mächtigen alten Kiefern wird dabei fast vernichtet. Nichts soll an deutsche Traditionen und Geschichte erinnern. Ein beispielloses Experiment, eine "tabula rasa" mit neuen Menschen, die die entvölkerte Gegend besiedeln sollen. Tollmingkehmen wird, wie alle Orte, umbenannt: es heißt fortan Tschistye Prudy.

      Die Sowjetunion schickt bis Mitte der 50er Jahre fast 190.000 Neusiedler in die Region, darunter viele, denen der Krieg Haus, Heimat und Familie genommen hat und die hier neu anfangen wollen. Der ostpreußischen Kulturlandschaft wird das sowjetische System übergestülpt - kollektivierte Landwirtschaft, Aussaat und Ernte nach Plan, ohne Kenntnisse der Klima- und Bodenverhältnisse. Dabei geschehen folgenreiche Fehler - man pflügt beispielsweise zu tief und rodet das für die Landwirtschaft Ostpreußens unverzichtbare Drainagesystem.

      Die Dokumentation erzählt am Schicksal von Tollmingkehmen die Verwandlung des ehemaligen nördlichen Ostpreußens in den Kaliningrader Oblast. Ehemalige Bewohner des deutschen Ortes erinnern sich, wie es vor dem Krieg dort aussah, und berichten, wie sie die ersten Nachkriegsmonate unter sowjetischer Besatzung erlebten, bevor sie vertrieben wurden. Erstmals erzählen russische Zeitzeugen von ihrer Neuansiedlung in diesem ostpreußischen Ort: Über ihre ersten Eindrücke, ihre Schwierigkeiten in den ersten Hungerjahren mit der Landwirtschaft und Versorgung. Und nicht zuletzt über die systematische Vernichtung deutscher Traditionen und Wurzeln vor Ort.

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      Dienstag, 09.02.10
      07:30 - 08:15 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

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