• 07.02.2010
      20:15 Uhr
      Hobbits Die Zwerge vom Ende der Welt | phoenix
       

      Der britische Anthropologe Peter Brown entdeckte auf der indonesischen Insel Flores Knochen, die von einem erwachsenen Menschen von nur 90 Zentimetern Größe stammen. Seither jagt ein Sensationsfund den nächsten ...

      Sonntag, 07.02.10
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Der britische Anthropologe Peter Brown entdeckte auf der indonesischen Insel Flores Knochen, die von einem erwachsenen Menschen von nur 90 Zentimetern Größe stammen. Seither jagt ein Sensationsfund den nächsten ...

       

      Stab und Besetzung

      Redaktionelle Zustaendigkeit Hillary Mayell
      David Hamlin

      Und schon werden Stimmen laut, die behaupten, die gesamte Menschheitsgeschichte müsse neu geschrieben werden. Die Winzlinge waren, wie ihr Knochenbau zeigt, vermutlich Nachfahren des Homo erectus, der auch zu unseren Ahnen gehört.

      Den Fans der Tolkien-Trilogie "Herr der Ringe" sind sie schon lange ein Begriff: Hobbits, Halblinge, das kleine Volk. Paläoanthropologen hingegen waren immer sicher, dass zu einer intelligenten menschlichen Art eine gewisse Größe, mindestens aber eine gewisse Hirngröße gehört. Nun scheinen die Zeiten vorbei zu sein, als allein das Volumen unseres Denkapparates als Maß unserer Intelligenz herangezogen wird.

      Wie erst vor kurzem bekannt wurde, entdeckte der britische Anthropologe Peter Brown auf der indonesischen Insel Flores Knochen, die von einem erwachsenen Menschen von nur 90 Zentimetern Größe stammen. Seither jagt ein Sensationsfund den anderen. Die Winzlinge waren, wie ihr Knochenbau zeigt, vermutlich Nachfahren des Homo erectus, der auch zu unseren Ahnen gehört. Erectus gilt als der erste Weltreisende. Er stammte aus Afrika, besiedelte vor 1,7 Millionen Jahren Europa und Asien und drang offensichtlich bis zu den entlegensten Inseln Indonesiens vor.

      Das Leben auf dem isolierten Eiland Flores wirkte sich massiv auf die Evolution der Zuwanderer aus. Zum ersten Mal ist beim Menschen ein Phänomen zu beobachten, das im Tierreich häufig dokumentiert wurde: Insulaner schrumpfen! Sind Nahrung und Raum begrenzt, gerät eine Population von wenigen Großen in die Gefahr auszusterben. Viele Kleine hingegen haben bessere Überlebenschancen. Die Erectus auf Flores schrumpften im Laufe der Jahrtausende um die Hälfte ihrer ursprünglichen Größe. Ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten verloren sie allerdings nicht. Das belegen neueste Funde. Das Grabungsteam barg nicht nur insgesamt sieben Vertreter der ungewöhnlichen Gnome, sondern auch einige Überreste ihres Hausstandes. Hochentwickelte Klingen weisen sie als Meister der Steinbearbeitung aus. Mit ihren fortschrittlichen Waffen jagten sie Stegodon, einen ebenfalls verkleinerten Vetter des heute lebenden Elefanten.

      Mindestens 90000 Jahre bevölkerten die Wichtel ungestört ihr prähistorisches Lilliput und ernährten sich von Elefantensteaks, als Homo sapiens dem Idyll möglicherweise ein jähes Ende bereiteten. Vor 12000 Jahren verschwanden die Kleinen für immer von ihrer tropischen Insel, doch bis heute gibt es in Indonesien zahlreiche Geschichten und Legenden, die von Zwergen berichten. Einige Forscher glauben sogar, dass auch an anderen, besonders isolierten Orten kleinwüchsige Menschentypen entstanden sein könnten. Womöglich enthalten Sagen, Mythen und Märchen über Wichtel oder Trolle und damit sogar Tolkiens Hobbits aus "Herr der Ringe" einen realen Kern.

      Welche Auswirkungen der Fund auf unser Menschenbild haben wird, kann noch niemand absehen. Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass die gesamte Menschheitsgeschichte neu geschrieben werden muss.

      Wird geladen...
      Sonntag, 07.02.10
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 30.09.2022