• 30.01.2021
      10:00 Uhr
      phoenix history 25 Jahre Holocaust-Gedenktag | phoenix
       

      Darin enthalten die Dokumentationen:

      • Mit Gott gegen Hitler - Bonhoeffer und der christliche Widerstand / Film von Ingo Helm
      • Mörder unter uns - Fritz Bauers einsamer Kampf / Film von Peter Hartl und Andrzej Klamt
      • Schalom Genossen - Juden in der DDR / Film von Nina Rothermundt und Stefan Mathias
      • Jahrhundertzeugen - Margot Friedländer: Eine Graphic-Novel-Erzählung / Film von Martin Priess und Michaela Kolster

      Samstag, 30.01.21
      10:00 - 13:00 Uhr (180 Min.)
      180 Min.
      Stereo

      Darin enthalten die Dokumentationen:

      • Mit Gott gegen Hitler - Bonhoeffer und der christliche Widerstand / Film von Ingo Helm
      • Mörder unter uns - Fritz Bauers einsamer Kampf / Film von Peter Hartl und Andrzej Klamt
      • Schalom Genossen - Juden in der DDR / Film von Nina Rothermundt und Stefan Mathias
      • Jahrhundertzeugen - Margot Friedländer: Eine Graphic-Novel-Erzählung / Film von Martin Priess und Michaela Kolster

       
      • Mit Gott gegen Hitler - Bonhoeffer und der christliche Widerstand

      Film von Ingo Helm

      1. Februar 1933. Seit zwei Tagen hat das Deutsche Reich einen neuen Kanzler: Adolf Hitler. An diesem Abend hält er seine erste Rede im Rundfunk. Kurz zuvor hat ein anderer ebenfalls seinen ersten Rundfunkvortrag gehalten. Er ist evangelischer Pfarrer, erst 27 Jahre alt: Dietrich Bonhoeffer (gespielt von Matthias Koeberlin). Mutig kritisiert er das Führerprinzip. Nur wenige Stunden liegen zwischen den Auftritten. Die beiden Männer sind sich wohl dennoch nie begegnet.

      In den darauffolgenden zwölf Jahren baut der eine seine mörderische Schreckensherrschaft aus, gegen die sich der andere vergeblich stemmt: Dietrich Bonhoeffer wird am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg ermordet, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

      Auch im deutschen Dominikanerorden regt sich Widerstand. Laurentius Siemer aus Südoldenburg (gespielt von Nikolaus Kühn) ist Provinzial des Ordens. Er glaubt anfangs, dass nationalsozialistische und katholische Ideen gut zusammenpassen. Doch bald wird er kritischer, schließlich kommt er ins Gefängnis. Sein Mitbruder Titus Horten stirbt in der Haft. Der Trauerzug in Vechta aus 6.000 Menschen in Gedenken an Titus Horten wird zu einer machtvollen Demonstration gegen das Regime. Kaum jemand hätte das im gleichgeschalteten Deutschland 1936 noch für möglich gehalten. Bonhoeffer wird bis heute für seine aufrechte Haltung verehrt, seine Schriften und Briefe haben eine hohe Bekanntheit.

      Autor und Regisseur Ingo Helm hat zum 75. Jahrestag des Kriegsendes einen Film über Menschen gemacht, die gegen Hitler Mut bewiesen haben. Er erzählt auch die Geschichten unbekannter Heldinnen und Helden: Etwa die Geschichte der Sekretärin Aenne Vogelsberg, die unter Lebensgefahr eine hochverräterische Denkschrift des Paters Odilo Braun abtippt.

      Szenische Darstellungen wechseln sich mit Interviews und Sachinformationen ab. Welche Rolle spielte bei Bonhoeffer, Siemer und den anderen Widerstandskämpfern der christliche Glaube? Ist ein Attentat gegen Hitler mit ihrer christlichen Ethik vereinbar? Wie lautet ihre Antwort auf die Frage: Soll ich schießen?

      75 Jahre nach dem Ende des Krieges und der Ermordung Bonhoeffers wirft der Film ein neues Licht auf Fragen von Haltung und Widerstand, die heute neue Aktualität bekommen könnten.

      • Mörder unter uns - Fritz Bauers einsamer Kampf

      Film von Peter Hartl und Andrzej Klamt

      Er war die Ausnahmeerscheinung der Nachkriegsjustiz: Fritz Bauer, hessischer Generalstaatsanwalt, der die Deutschen in einem aufsehenerregenden Prozess vor 50 Jahren mit dem Geschehen in Auschwitz konfrontierte, stand in seiner Zunft weithin allein da. "Wenn ich mein Amtszimmer verlasse, betrete ich feindliches Ausland", lästerte er im Freundeskreis gern mit galligem Humor. Die überwältigende Mehrheit seiner Amtskollegen hatte ihre Robe bereits im Zeichen des Hakenkreuzes getragen und mühte sich nun, eingebunden in alte Seilschaften, nach Kräften, die Verbrechen der Vergangenheit ruhen zu lassen.

      In klarem Kontrast zu dieser Schlussstrichmentalität öffnete Fritz Bauer im Frankfurter Auschwitzprozess seinen Landsleuten die Augen für die Abgründe der Diktatur. Ohne seine stille Beharrlichkeit wäre auch Adolf Eichmann, der nach Argentinien geflohene Manager des NS-Vernichtungswerks, bis an sein Lebensende unbehelligt geblieben. Und doch trieb Fritz Bauer, wiewohl als jüdischer Sozialdemokrat nach 1933 aus seinem Vaterland vertrieben, nicht Rachsucht an. Seine Mission war die Aufklärung. Auf dem Boden des Rechtsstaats ließ er öffentlich darüber verhandeln, welche verheerenden Folgen die Herrschaft des Unrechts hatte, in dem Bestreben, dessen Wiederkehr vorzubeugen.

      Mit Hilfe von Filmfunden und Aussagen von Weggefährten zeichnet "ZDF-History" die außergewöhnliche Geschichte Fritz Bauers nach, von den schwäbischen Wurzeln über das erzwungene Exil bis zu seinem einsamen Tod. Es ist die Geschichte eines einzigartigen Verfechters des Rechts in ein

      er restaurativen Gesellschaft, die in den sechziger Jahren bereits von den Geburtswehen einer freieren, kritischeren Zeit erfasst war - auch dank aufrechter Persönlichkeiten wie Fritz Bauer.

      • Schalom Genossen - Juden in der DDR

      Film von Nina Rothermundt und Stefan Mathias

      1945: Fast sechs Millionen Juden wurden im Holocaust ermordet. Ein Wiederbeginn jüdischen Lebens in Deutschland scheint undenkbar. Und wird doch wieder möglich. In West- und Ostdeutschland.

      Gehen oder bleiben im Land der Täter? Nach Kriegsende ist das die zentrale Frage bei den überlebenden Juden. Der Film zeigt anhand verschiedener Biografien das ambivalente Verhältnis zwischen ostdeutschen Juden und der DDR auf.

      Siegmund Rotstein, 94, gehört zu den rund 3500 Juden, die sich in der Sowjetischen Besatzungszone ein neues Leben aufbauen. In Chemnitz gründet er mit anderen Überlebenden die Jüdische Gemeinde neu. Die stehen nach Kriegsende allesamt vor dem Nichts: Fast alle Synagogen sind zerstört. Eine Entschädigung für ihre Leiden während der Nazizeit lehnt die DDR zudem kategorisch ab. Der neu gegründete Staat Israel wird zum Feindbild erklärt. Schon bald stehen Juden im Arbeiter- und Bauernstaat unter Generalverdacht und werden von der Staatssicherheit bespitzelt. In der DDR ein religiöses Leben zu führen, bleibt für Juden stets eine Herausforderung.

      Stasiakten belegen: Seit den 1950er-Jahren werden Juden in der DDR intensiv bespitzelt. Viele werden von der Stasi als politisch unzuverlässig angesehen, weil sie im kapitalistischen Ausland im Exil waren, Kontakte in den Westen haben oder pro-israelisch eingestellt sind. Wie in christlichen Kirchen sitzen auch in den Jüdischen Gemeinden unter den Gläubigen Spitzel. Trotz SED-Mitgliedschaft der meisten Vorstandsmitglieder trauen Partei und Stasi den Gemeindevorständen nicht. Der Verdacht zionistischer Aktivitäten, die allen jüdischen Gemeinden unterstellt wird, lässt die Stasi regelmäßig aktiv werden. Ein Hort der Opposition, wie Teile der evangelischen Kirche, waren die jüdischen Gemeinden zur Wendezeit allerdings nie.

      • Jahrhundertzeugen - Margot Friedländer: Eine Graphic-Novel-Erzählung

      Film von Martin Priess und Michaela Kolster

      Margot Friedländer ist heute eine der letzten Überlebenden der Shoah. Fast 65 Jahre nach ihrer Befreiung aus dem Ghetto/Konzentrationslager von Theresienstadt und ihrer Emigration in die USA ist sie im Jahr 2010 dauerhaft nach Deutschland zurückgekehrt - in ihre Heimatstadt Berlin. 2021 wird Margot Friedländer 100 Jahre alt - ein Jahrhundertleben.

      Aus diesem langen, besonderen Leben, das sie schon früh selbst in die Hand nehmen musste, um es zu retten, berichtet Margot Friedländer seit ihrer Rückkehr als Zeitzeugin des Holocausts jungen Menschen in Deutschland.

      Auch sie versucht dabei nicht zu erklären, was aus ihrer tiefsten Überzeugung nicht erklärbar ist:

      "Wir hätten doch nie, nie uns vorstellen können, nie, was wirklich mit den Menschen geschieht! Wie konnte man sich das menschlich vorstellen? Und weil mir das so unvorstellbar ist, kann ich das den jungen Menschen vermitteln, dass es unmöglich ist, es zu erklären - unmöglich ist zu fassen, wie so etwas möglich war. Ich sage zu ihnen: Ihr seht so nett aus, ich kann mir nicht vorstellen, dass einer von Euch jemals seine Hand geben würde für so etwas. Seid vorsichtig! Es ist für Euch, nicht für uns, nicht was war - es war."

      Das sagt Margot Friedländer eindringlich und aus tiefster Überzeugung in ihrem langen biografischen Zeitzeugengespräch mit phoenix. Ihre hier geschilderten Lebenserinnerungen bilden auch die Vorlage für die zweite Ebene dieser nun dritten Folge der "Oral-History" Jahrhundertzeugen auf phoenix.

      Wie schon in den beiden ersten Folgen haben auch hier die beiden renommierten Illustratoren und Graphic-Novellists Reinhard Kleist und Matthias Lehmann in Zusammenarbeit mit den Autoren viele Szenen der mündlichen Erzählung Margot Friedländers zeichnerisch, respektvoll und mit Zustimmung der Zeitzeugin umgesetz

      t und szenisch animiert.

      So ist eine "Oral-Graphic-Biography" der Jahrhundertzeugin Margot Friedländer entstanden, die nach Deutschland zurückkehrte, um in ihrer Geburtsstadt Berlin gegen das Vergessen und für eine bessere Zukunft zu kämpfen.

      In "phoenix history" erinnern wir an herausragende historische Ereignisse und Entwicklungen, mit deren Vermittlung und Einordnung phoenix einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung leistet. Von der Antike bis zur aktuellen Zeitgeschichte spannt sich der Erinnerungsbogen. Auf diesen historischen Zeitreisen zeigen wir klassische Dokumentationen, Reportagen im Stil einer historischen Spurensuche bis hin zu großen zeitgeschichtlichen Doku-Dramen. Mit dieser Vielfalt der Formen wollen wir komplexe Themen besser verständlich machen.

      Wird geladen...
      Wird geladen...

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 13.06.2021