• 15.01.2021
      15:30 Uhr
      corona nachgehakt Wie funktioniert die Corona-Impfung? | phoenix
       

      Die Impfstoff-Forschung macht täglich neue Fortschritte. Doch wie entwickelt man einen Impfstoff? Und wie soll ein solcher Wirkstoff funktionieren? Welchen Weg gehen wir in Deutschland? Dr. Till Koch von der Uniklinik Hamburg ist ganz nah dran. Denn er forscht zusammen mit Prof. Addo an einem neuen Corona-Impfstoff. Phoenix hakt bei Dr. Koch nach: Wie funktioniert die Corona-Impfung?

      Freitag, 15.01.21
      15:30 - 15:45 Uhr (15 Min.)
      15 Min.
      Stereo

      Die Impfstoff-Forschung macht täglich neue Fortschritte. Doch wie entwickelt man einen Impfstoff? Und wie soll ein solcher Wirkstoff funktionieren? Welchen Weg gehen wir in Deutschland? Dr. Till Koch von der Uniklinik Hamburg ist ganz nah dran. Denn er forscht zusammen mit Prof. Addo an einem neuen Corona-Impfstoff. Phoenix hakt bei Dr. Koch nach: Wie funktioniert die Corona-Impfung?

       

      Stab und Besetzung

      Moderation Kristian Wiegand

      Die Impfstoff-Forschung macht täglich neue Fortschritte. Doch wie entwickelt man einen Impfstoff? Und wie soll ein solcher Wirkstoff funktionieren? Welchen Weg gehen wir in Deutschland? Dr. Till Koch von der Uniklinik Hamburg ist ganz nah dran. Denn er forscht zusammen mit Prof. Addo an einem neuen Corona-Impfstoff. Phoenix hakt bei Dr. Koch nach: Wie funktioniert die Corona-Impfung?

      Aktuell werden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 48 mögliche Impfstoffkandidaten getestet. 164 weitere Impfstoffe befinden sich in der vorklinischen Entwicklung. In Großbritannien wurde am Mittwoch, den 02.12.20, dem mRNA-Impfstoff der Unternehmen Pfizer und Biontech eine Notfallzulassung erteilt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in einer Pressekonferenz am 19. November: "Wir rechnen auch in Europa mit Zulassungen, die im Dezember oder sehr bald nach der Jahreswende erfolgen könnten". Entscheidend für die Zulassung eines Impfstoffes sind die Ergebnisse der Impfstudien. Hierbei betonte die Bundesregierung, dass ein möglicher Impfstoff gegen das Corona-Virus genauso sorgfältig geprüft wird wie andere Impfstoffe.

      • Welche Impfstoffe gibt es?

      Es ist gut möglich, dass verschiedene Impfstoffe zugelassen werden. Alle Kandidaten basieren auf dem Grundprinzip, dass der Körper mit Hilfe des Impfstoffes eine Immunität gegenüber dem Erreger aufbauen kann. Bei der Entwicklung eines COVID-19-Impfstoffes gibt es zurzeit drei verschiedene Ansätze: RNA/DNA-Impfstoffe, Vektor-Impfungen und Totimpfstoffe mit Virusproteinen.

      Während man bei herkömmlichen Impfungen zuerst das Virus vermehren musste, um es dann in abgeschwächter Form oder aber lediglich zerstörte Reste per Impfung zu injizieren, setzen viele Unternehmen und Institute nun auf neuartige Ansätze der Impfstoffentwicklung.

      Ein Beispiel dafür ist der neuartige mRNA-Impfstoff der Unternehmer Pfizer und Biontech. In diesem Fall wollen die Wissenschaftler lediglich den Bauplan verabreichen. Die Impfung gegen das Corona-Virus Sars-CoV-2 enthält sogenannte virale "messenger RNA" (mRNA), also im Grunde Virus-Erbgut, das die Informationen für die Bestandteile des tatsächlichen Virus trägt. Die mRNA dieses Virus-Bestandteils ist harmlos.

      • Wie wird ein Impfstoff entwickelt?

      Ist ein möglicher Impfstoff entwickelt, wird er zunächst an Tieren getestet. Anschließend erfolgen Studien in drei Phasen an Freiwilligen. Zuerst wird die Verträglichkeit des Impfstoffes und seine Wirkung am Menschen getestet. In dieser ersten Phase werden jedoch maximal 100 gesunde Freiwillige geimpft. Wie hoch die Dosis sein muss, wie verträglich der Impfstoff ist und wie die Immunabwehr reagiert, wird in der zweiten Phase an mehreren hundert Freiwilligen erprobt. In der dritten und letzten Phase erhalten mehrere tausend bis zehntausend Freiwillige den Impfstoff. So soll getestet werden, ob der Impfstoff vor einer Ansteckung im Alltag schützt und sicher ist. Erst wenn ein Impfstoff alle drei Phase erfolgreich besteht, kann er in Deutschland zugelassen werden.

      • Was geschieht nach der Zulassung?

      Die größte Herausforderung nach der Zulassung eines Impfstoffes ist die Produktion der nötigen Impfdosen. Aus diesem Grund werden anfangs zunächst einmal Risikogruppen geimpft. Bis in Deutschland die breite Bevölkerung geimpft werden kann, werden vermutlich mehrere Monate vergehen.

      • Sind Nebenwirkungen möglich?

      Alle Impfstoffe haben Nebenwirkungen. Deshalb ist es umso wichtiger, die Nebenwirkungen ganz genau zu kennen. Nur so lässt sich entscheiden, wer geimpft werden kann und für wen das Risiko zu groß ist. Sehr seltene Nebenwirkungen, die nur bei einem von mindestens 10.000 Geimpften auftreten, lassen sich erst nach der Zulassung erfassen. Um seltene Risiken schneller zu erfassen, werden nationale und internationale Beobachtungen zusammengeführt.

      Dass einige der neuen Impfstoffe mit Messenger-RNA (Boten-Genmaterial), also mit Teilen von Virus-Erbgut, arbeiten, verunsichert manche Menschen. Zwar gibt es keine Hinwei

      se darauf, dass das menschliche Erbgut dadurch verändert wird, die Frage nach der Sicherheit der Impfstoffe ist dennoch relevant.

      Es ist jedoch auszuschließen, dass die die mRNA aus dem Corona-Impfstoff in unserem Erbgut landet. Diese enthält nämlich nur die Bauanleitung für bestimmte Virus-Eiweiße, und gelangt daher gar nicht erst in den durch eine Membran getrennten Zellkern, wo die Erbsubstanz der Körperzellen liegt.

      Außerdem halten es die Forscher für ausgeschlossen, dass die gespritzte mRNA anderen Zellen beeinflussen könnte, da dies mit körpereigener RNA auch nicht passiert. Der Körper produziert ständig mRNA für jedes Protein, das er gerade braucht. Diese Bauanleitungen werden von den Zellen dann relativ schnell wieder abgebaut.

      • Warum konnten Corona-Impfstoffe so schnell entwickelt werden?

      Normalerweise dauert die Entwicklung eines Impfstoffes 15 bis 20 Jahre. Die möglichen Corona-Impfstoffe konnte nun aber wesentlich schneller entwickelt werden. Ein Grund, der die schnelle Entwicklung ermöglichte, waren hohe finanzielle Mittel, die für die Entwicklung bereitgestellt wurden. So konnten Studien ohne Zeitverzögerungen im großen Stil durchgeführt werden. Auch die Erfahrungen mit anderen Corona-Viren wie MERS und SARS beschleunigten die Entwicklung. Ein weiterer Vorteil hinsichtlich der Impfstoff-Entwicklung war, dass das Covid-19-Virus nicht so schnell mutiert. Andere Viren, wie beispielsweise das AIDS-Virus, mutieren so schnell, dass trotz jahrzehntelanger Forschung noch kein Impfstoff entwickelt werden konnte.

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