• 14.08.2020
      03:30 Uhr
      mein ausland Unter Cowboys und Navajos | phoenix
       

      „Behandle die Schafe, Kühe und Pferde nie als Haustiere!“ Das hat Irenes Vater ihr immer wieder eingeschärft. Aber als dann zum ersten Mal ein Pferd wegen einer Krankheit getötet werden musste, war es doch hart. Die ARD-Korrespondentin Claudia Buckenmaier erkundet für die phoenix-Reportagereihe „mein ausland“ ein Navajo-Reservat in New Mexico / USA. Irene Bennalley, die zum Stamm der Navajo gehört, hat lange Jahre in der Stadt, außerhalb des Reservats, gewohnt, aber als ihr Vater Hilfe brauchte, kam sie zurück und übernahm nach seinem Tod die Schafzucht.

      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 14.08.20
      03:30 - 04:15 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      VPS 03:29
      Stereo

      „Behandle die Schafe, Kühe und Pferde nie als Haustiere!“ Das hat Irenes Vater ihr immer wieder eingeschärft. Aber als dann zum ersten Mal ein Pferd wegen einer Krankheit getötet werden musste, war es doch hart. Die ARD-Korrespondentin Claudia Buckenmaier erkundet für die phoenix-Reportagereihe „mein ausland“ ein Navajo-Reservat in New Mexico / USA. Irene Bennalley, die zum Stamm der Navajo gehört, hat lange Jahre in der Stadt, außerhalb des Reservats, gewohnt, aber als ihr Vater Hilfe brauchte, kam sie zurück und übernahm nach seinem Tod die Schafzucht.

       

      „Behandle die Schafe, Kühe und Pferde nie als Haustiere!“ Das hat Irenes Vater ihr immer wieder eingeschärft. Aber als dann zum ersten Mal ein Pferd wegen einer Krankheit getötet werden musste, war es doch hart. Die ARD-Korrespondentin Claudia Buckenmaier erkundet für die phoenix-Reportagereihe „mein ausland“ ein Navajo-Reservat in New Mexico / USA. Irene Bennalley, die zum Stamm der Navajo gehört, hat lange Jahre in der Stadt, außerhalb des Reservats, gewohnt, aber als ihr Vater Hilfe brauchte, kam sie zurück und übernahm nach seinem Tod die Schafzucht. Die Navajo glauben, dass die Schafe direkt von den Heiligen ihres Stammes kommen. „Schafe sind für uns wie Eltern, wenn wir keine Familie mehr haben, denn sie versorgen uns,“ erzählt Irene. Ihre Schafe gehören zu einer bestimmten Rasse, den „Churros“. Sie gelten als Navajo-Schafe und sind besonders widerstandsfähig. Doch die Trockenheit der letzten Jahre im Südwesten der USA hat auch diese Tiere an den Rand gebracht. Viele fanden einfach nicht mehr genug zu fressen um zu überleben. Deshalb gibt es seit einiger Zeit ein Projekt, das den Zukauf von Heu unterstützt. Viele Navajo sind zu arm, um sich das zusätzliche Futter leisten zu können.

      Stanton Gleave ist einer der Rancher, die regelmäßig Heu an die Navajo liefern. Einer oder zwei seiner Söhne fahren dafür zweimal die Woche vier Stunden von Utah nach Arizona. 16 Dollar pro Heuballen nehmen sie, weniger als andere Anbieter, aber für die Gleaves, gläubige Mormonen, trotzdem genug, um noch ein gutes Geschäft zu machen. Doch auch die Rancherfamilie hat in den letzten Jahren sehr unter der Dürre gelitten. Stantons Söhne liefern gerade das letzte Heu aus. Danach müssen sie warten, bis sie neues Gras mähen können. Zum Glück hat es in diesem Winter wieder geregnet. „Eine so lange Trockenheit hab ich noch nie erlebt,“ erzählt das Familienoberhaupt. An den Klimawandel glaubt Stanton Gleave trotzdem nicht. Da ist er ganz auf der Linie von US-Präsident Trump. Und auch auf einer Linie mit der Navajo-Indianerin Irene. Der Klimawandel sei eine Falschmeldung. Aber beide sind sich einig darin, dass die Erde darauf reagiert, wie sie von den Menschen behandelt wird.

      Weder für Stanton noch für Irene ist das ein Widerspruch. Sie leben mit und von der Natur und versuchen, sich ihr anzupassen so gut es geht. Die Gleaves mussten viele ihrer Kühe, die normalerweise immer draußen sind, dort, wo die Familie Weiderechte hat, auf den Hof holen, um sie durchzufüttern, weil es nach der jahrelangen Dürre nicht mehr genug Futter gab. Andere Rancher haben aufgegeben. Das aber kommt für Stanton Gleave nicht in Frage. Er ist ein Vollblutrancher. Und seine vier Söhne machen es ihm nach. Gemeinsam haben sie Anfang April das Vieh wieder auf die Weide gebracht. Drei Stunden Autofahrt vom Hof entfernt. Und dann geht es noch aufs Pferd, denn die letzten Meilen sind nicht mehr fahrbar. Wie Cowboys im 19. Jahrhundert treiben sie das Vieh in den Canyon, wo es für den Rest des Jahres bleiben wird. Für Stanton war das immer das Schönste am Rancherleben. Auf dem Pferd draußen in der Natur sein.

      Und genauso schwärmt Irene von ihrer Zeit mit den Schafen auf der Sommerweide in den Bergen. Doch mit Romantik habe all das nichts zu tun, versichern beide. Das sei harte Arbeit. Die 61-jährige Irene bekommt seit ein paar Jahren Hilfe von ihrem Sohn Channing. Während Irene sich einschränken muss und vor allem mit dem Weben traditioneller Navajo-Teppiche Geld verdient, hat Stanton Gleave seine Ranch in den letzten Jahren permanent erweitert. Beide wollen sie Traditionen am Leben erhalten, wollen, dass ihr Lebensweg respektiert wird, und beide stoßen immer wieder an Grenzen, die ihnen Behörden setzen. Irene kämpft mit den Verantwortlichen im Reservat darum, die Zahl ihrer Schafe nicht reduzieren zu müssen. Stanton ärgert sich vor allem über Umweltschutzregeln, von denen er sagt, dass sie ihm Weide- und Wasserrechte streitig machen. Aber er habe jetzt eines begriffen, „das Volk ist der König, und die Politiker müssen tun, was wir wollen.“ Und damit versucht er in den letzten Jahren, seine Interessen von unten nach oben durchzusetzen. Und jetzt habe er erste Erfolge.

      Ein anderes Leben können und wollen sich weder Irene noch Stanton vorstellen. Egal wie sehr sich die Welt um sie herum verändert, sie wollen an ihrem Weg festhalten. Und hoffen darauf, dass das ihren Kindern genauso geht, damit jemand ihr Lebenswerk fortführt. Bisher sieht es ganz gut aus.

      Film von Claudia Buckenmaier

      In „mein ausland“ berichten ARD- und ZDF-Korrespondenten über ihre Eindrücke, Erlebnisse und Besonderheiten in „ihren“ Ländern und Regionen: Ob die langen Sandstrände von Marokko, das Lebensgefühl in Brooklyn oder der bedrohte Regenwald am Amazonas - „mein ausland“ zeigt die Vielfalt der Kontinente und Länder. Auch Krisenregionen werden besucht, die politische Situation beleuchtet, die Menschen in ihrem Alltag begleitet. Die 45-minütigen Reportagen werden exklusiv für phoenix produziert. Sie bieten tiefe Einblicke in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft anderer Länder und Kontinente und helfen, die politischen Ereignisse und Krisen in der Welt besser zu verstehen.

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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 02.12.2020