• 13.08.2020
      19:15 Uhr
      Superbauten der Geschichte (2/2) Der Kreml | phoenix
       

      Der Kreml ist das herausragende Symbol russischer und sowjetischer Machtentfaltung. Ein architektonisches Ensemble aus Festungsanlagen, Palästen, Kirchen und Regierungsgebäuden. Kein anderes Bauwerk steht mehr für Triumphe und Tragödien Russlands, aber auch für prägende Figuren der Geschichte, große Herrscher, Revolutionäre und Diktatoren.

      Donnerstag, 13.08.20
      19:15 - 20:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Der Kreml ist das herausragende Symbol russischer und sowjetischer Machtentfaltung. Ein architektonisches Ensemble aus Festungsanlagen, Palästen, Kirchen und Regierungsgebäuden. Kein anderes Bauwerk steht mehr für Triumphe und Tragödien Russlands, aber auch für prägende Figuren der Geschichte, große Herrscher, Revolutionäre und Diktatoren.

       

      Der Kreml ist das herausragende Symbol russischer und sowjetischer Machtentfaltung. Ein architektonisches Ensemble aus Festungsanlagen, Palästen, Kirchen und Regierungsgebäuden. Kein anderes Bauwerk steht mehr für Triumphe und Tragödien Russlands, aber auch für prägende Figuren der Geschichte, große Herrscher, Revolutionäre und Diktatoren.

      Im Kreml endeten und entstanden Imperien: das Reich der Zaren, die rote Sowjetmacht und das neue Russland. Auch wenn St. Petersburg für Jahrhunderte die Rolle der Hauptstadt übernahm, bildete der Moskauer Kreml stets das historische Zentrum des Riesenreichs. Hier wurden mächtige Zaren gekrönt, von hier aus sah Napoleon die Stadt brennen, vor den Mauern des Kremls paradierte die siegreiche Rote Armee nach der Niederlage Hitler-Deutschlands. Seit dem Ende der Sowjetunion weht auf dem Großen Kremlpalast wieder die russische Flagge als Zeichen des Epochenwandels.

      Auch die Herrschaft Iwans IV., "der Schreckliche" genannt, nahm im Kreml ihren Anfang. Als erster Großfürst von Moskau ließ er sich dort 1547 zum Zaren krönen und begründete damit eine neue Epoche. In den ersten Jahren zeigte er sich als umsichtiger Herrscher und Erneuerer. Im Laufe seiner Regentschaft verdoppelte er das Staatsgebiet und machte Russland zum Vielvölkerreich. Doch er regierte zunehmend grausam und unberechenbar. Am Ende scheiterten seine Feldzüge, er hinterließ einen geistig kranken Thronfolger, ein durch verheerende Brände zerstörtes Moskau und ein Land, das nach seinem Tod in einem 30-jährigen Bürgerkrieg versank. Begraben ließ er sich, wo alles begann, im Herzen des Kreml. Unter der Herrschaft Iwans des Schrecklichen wurde die Fürsten-Festung zur Wiege Russlands.

      160 Jahre nach seinem Tod machte sich eine junge Deutsche auf, den Kreml zu erobern. 1744 reiste Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst mit ihrer Mutter nach Moskau. Verwandtschaftsverhältnisse und Machtinteressen verschafften ihr einen besonderen Platz im Heiratskarussell des europäischen Hochadels und eine Audienz im Moskauer Kreml. Sophie sollte die Gattin des künftigen Zaren werden. Zuerst aber musste sie ihren Glauben und ihren Namen ablegen. Aus Sophie von Anhalt-Zerbst wurde Katharina, später "die Große" genannt. Nachdem Katharina 1762 ihren ungeliebten Ehemann Zar Peter III. vom Thron gestürzt hatte, ließ sie sich selbst im Moskauer Kreml krönen. 34 Jahre lang regierte sie das Land energisch und erfolgreich. Sie war für damalige Verhältnisse eine moderne Herrscherin, die sich mit den Ideen der Gewaltenteilung beschäftigte und mit Voltaire korrespondierte. Im Herzen des Kremls ließ die Herrscherin den Senatspalast errichten. Zu ihrer Zeit tagte dort bereits eine gesetzgebende Versammlung – Symbol des Aufbruchs in die Moderne, von dem allerdings die breite Bevölkerung wenig spürte.

      1812 zog Napoleon mit einer Vielvölkerarmee von 600.000 Mann gegen Russland. In der Schlacht bei Borodino glaubte er den Zaren besiegt. Doch vergeblich wartete Napoleon auf die Emissäre, die ihm die Schlüssel des Kremls überbringen sollten. Moskau war inzwischen geräumt worden. Versprengte Armee-Einheiten und freigelassene Strafgefangene zündeten Stadt und Festung an. Im Herbst 1812 hatte Napoleon den Kreml erobert und dennoch verloren. Auf dem Rückzug wurde seine Armee fast vollständig aufgerieben.

      1917 wird der Kreml Schauplatz einer Zeitenwende: Ein Staatsstreich fegte über die russische Zarenfamilie hinweg. Wladimir Iljitsch Lenin, Führer der radikalen Bolschewiki, hatte im damals Petrograd genannten St. Petersburg die Macht erobert. Doch er wusste: Russland beherrschen konnte er nur vom Kreml aus. So ließ er die Hauptstadt wieder zurück nach Moskau verlegen. Die Bolschewiki übernahmen Büros und Wohnungen in der Kreml-Festung. Während draußen Chaos herrschte, ließen sich Lenin und seine Gefährten in den Gebäuden häuslich nieder – mit beheizter Innentoilette und modernem Lift. Rivalitäten traten zutage: Trotzki und seine Frau stritten sich mit dem jungen Stalin um eine Luxussuite.

      Nach Lenins Tod wurde Josef Stalin der starke Mann im Land. Wie andere Diktatoren seiner Zeit hatte auch er große Pläne zum Neubau der Hauptstadt. Im Kreml und rund um den Roten Platz ließ er Kirchen und Klöster sprengen und das Gold von den Kuppeln reißen. Die berühmte Basilius-Kathedrale Iwans des Schrecklichen entging nur knapp der Zerstörung. Doch ansonsten blieb im Herzen Moskaus kaum ein Stein auf dem anderen. Unter Stalin wurde der Kreml zur Roten Festung. Im Zweiten Weltkrieg sahen deutsche Soldaten vor Moskau 1941 – zunächst noch siegesgewiss – die Kuppeln des historischen Bauwerks.

      50 Jahre später wurde die Rote Fahne auf dem Kreml eingeholt, als die Sowjetunion zusammenbrach. Heute weht dort wieder die russische Flagge, und Wladimir Putin lässt einst zerstörte Teile des Kremls rekonstruieren. Stalinistische Aufmarschplätze wurden mit historischen Gebäuden aufgefüllt. Der historische Schauplatz werde zum Symbol für das Streben nach alter Größe, meinen Experten. Auf Putins Kreml sitzt der Doppeladler der Zaren neben den roten Sowjetsternen und den Symbolen der Kirche.

      Hinter den Mauern des Kremls liegt der Schlüssel, nicht nur zum Verständnis der wechselvollen Vergangenheit Russlands, sondern auch zum Wesen des riesigen Reiches. Der Film von Daniel Maiterth spiegelt, wie sich im Kreml immer wieder das Schicksal Russlands entschied. Historiker wie Catherine Merridale oder Orlando Figes ordnen die Ereignisse in den historischen Kontext ein. Zeitzeugen wie Edmund Stoiber oder Gabriele Krone-Schmalz berichten von ihren Erlebnissen vor Ort. Der ehemalige Kreml-Koch Viktor Beljaev und die Kustodin Anastasija Pavlova gewähren bislang unbekannte Einblicke und öffnen Türen, die für Kameras ansonsten verschlossen bleiben.

      Film von Jens Afflerbach und Daniel Maiterth

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