• 13.08.2020
      11:00 Uhr
      Geheimpost an den Westen Widerstand im DDR-Strafvollzug | phoenix
       

      Über den Strafvollzug in der DDR wurde bis 1989 der Mantel des Schweigens gelegt. Die überfüllten Strafanstalten waren ein unangenehmes Thema für den Arbeiter- und Bauernstaat, und politische Gefangene gab es offiziell auch nicht. Tobias Wunschik, ehemaliger Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde hat die Bedingungen in der Haftanstalt Brandenburg-Görden in einem Buch umfassend aufgearbeitet. Bei seinen Recherchen bekam er ein Schachbrett geschenkt, das in der Haftanstalt gefertigt wurde und das geheime Nachrichten von Gefangenen an den Westen enthalten soll.

      Donnerstag, 13.08.20
      11:00 - 11:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      VPS 10:30
      Stereo

      Über den Strafvollzug in der DDR wurde bis 1989 der Mantel des Schweigens gelegt. Die überfüllten Strafanstalten waren ein unangenehmes Thema für den Arbeiter- und Bauernstaat, und politische Gefangene gab es offiziell auch nicht. Tobias Wunschik, ehemaliger Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde hat die Bedingungen in der Haftanstalt Brandenburg-Görden in einem Buch umfassend aufgearbeitet. Bei seinen Recherchen bekam er ein Schachbrett geschenkt, das in der Haftanstalt gefertigt wurde und das geheime Nachrichten von Gefangenen an den Westen enthalten soll.

       

      Über den Strafvollzug in der DDR wurde bis 1989 der Mantel des Schweigens gelegt. Die überfüllten Strafanstalten waren ein unangenehmes Thema für den Arbeiter- und Bauernstaat, und politische Gefangene gab es offiziell auch nicht. Tobias Wunschik, ehemaliger Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde hat die Bedingungen in der Haftanstalt Brandenburg-Görden in einem Buch umfassend aufgearbeitet. Bei seinen Recherchen bekam er ein Schachbrett geschenkt, das in der Haftanstalt gefertigt wurde und das geheime Nachrichten von Gefangenen an den Westen enthalten soll. phoenix begleitet die Enthüllung der Botschaften und dokumentiert die Öffnung des Schachbretts durch die Restaurierungsabteilung des Hauses der Geschichte.

      In den 50er Jahren machten die politischen Gefangenen fast mehr als die Hälfte der Insassen aus. Während draußen vom Politbüro „Friede, Freundschaft, Solidarität“ propagiert wurde, wurden sie hinter den Knastmauern von Brandenburg-Görden gelebt. In den 50er Jahren formierte sich dort eine Widerstandsgruppe, die es schaffte, Informationsketten innerhalb der Haftanstalt aufzubauen und Informationen nach draußen zu schleusen. Ihnen gelang sogar die Kontaktaufnahme mit dem Kanzleramt in Bonn. Auf diese Weise verschafften sie den politischen Gefangenen Hafterleichterungen und haben möglicherweise am Ende sogar den Freikauf durch den Westen in Gang gesetzt.

      Einer der Häftlinge, der 1964 freigekauft wurde, ist Thomas Ammer. An seiner Geschichte wird die Brutalität und Willkür der DDR besonders deutlich. Er gehörte dem Eisenberger Kreis an, einer Jugendoppositionsgruppe, die sich in der Tradition der Nazi-Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ sah. Mit Flugblättern trat der Eisenberger Kreis für freie Wahlen in der jungen Republik ein. 1958 wird Ammer im Alter von 21 Jahren verhaftet und zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Sein damaliger Anwalt sei dabei chancenlos gewesen, wie Ammer schildert: „Man durfte auch nicht über die Straftat sprechen, sondern nur über die Dinge, die außerhalb der Straftat lagen, zum Beispiel die Abwicklung des Mietverhältnisses oder so.“

      Das Ehepaar Sternheimer machte ähnliche Erfahrungen. Beide werden 1962 nach einem missglückten Fluchtversuch verurteilt. Renate Sternheimer kommt ins Frauengefängnis Hoheneck und Wolfdieter Sternheimer verbringt zwei Jahre in Brandenburg-Görden. Von der Widerstandsgruppe erfährt Wolfdieter Sternheimer erst spät: „Ich hab mit denen nach und nach immer mehr Kontakte gehabt, die haben mich mehr und mehr einbezogen, ohne viele Worte habe ich Informationen gekriegt, aber ich war nicht Mitglied und bin mir ganz sicher, dass viele der Mitglieder das nicht wussten.“

      Die Köpfe der Gruppe leben heute nicht mehr. Willi Brundert gilt als ihr Begründer. Er organisierte sich bereits im Widerstand gegen die Nazis und machte sich nach seiner Flucht in den Westen als Bürgermeister von Frankfurt einen Namen. Über seinen Widerstand im Osten hat er bis zu seinem Tod 1970 geschwiegen, nicht mal seine Tochter Ingrid Prinz wusste etwas über die Widerstandsgruppe in der Haftanstalt Brandenburg-Görden. Ein Schweigekartell, um andere politische Gefangene nicht zu gefährden.

      Die bis heute verborgenen Geschichten werden durch die Dokumentation ans Tageslicht gebracht. Während die Restaurierungsabteilung des Hauses der Geschichte den Inhalt des Schachbrettes nach und nach freilegt, werden in der Dokumentation die Schicksale und Motive der heute noch Lebenden mit den Botschaften von damals verbunden.

      Ein Film von Eva Wormit

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