• 11.02.2020
      12:45 Uhr
      phoenix plus Risiko Antibiotika? | phoenix
       

      Antibiotika galten lange als Wunderwaffe. Doch die Waffe ist stumpf geworden. Denn Antibiotikaresistenzen sind weltweit auf dem Vormarsch. Harmlose Infektionen können zum tödlichen Risiko werden, weil die Erreger bereits resistent geworden sind. Allein in Europa erkranken jedes Jahr bis zu 600.000 Menschen an Infekten durch multiresistente Keime, rund 33.000 Menschen sterben sogar daran. Die Tendenz ist steigend.

      • Dokumentation in der Sendung: Heilen ohne Antibiotika - Wie wir in Zukunft Infektionen behandeln können / Film von Torsten Mehltretter

      Dienstag, 11.02.20
      12:45 - 14:00 Uhr (75 Min.)
      75 Min.
      Stereo

      Antibiotika galten lange als Wunderwaffe. Doch die Waffe ist stumpf geworden. Denn Antibiotikaresistenzen sind weltweit auf dem Vormarsch. Harmlose Infektionen können zum tödlichen Risiko werden, weil die Erreger bereits resistent geworden sind. Allein in Europa erkranken jedes Jahr bis zu 600.000 Menschen an Infekten durch multiresistente Keime, rund 33.000 Menschen sterben sogar daran. Die Tendenz ist steigend.

      • Dokumentation in der Sendung: Heilen ohne Antibiotika - Wie wir in Zukunft Infektionen behandeln können / Film von Torsten Mehltretter

       

      Antibiotika galten lange als Wunderwaffe. Doch die Waffe ist stumpf geworden. Denn Antibiotikaresistenzen sind weltweit auf dem Vormarsch. Harmlose Infektionen können zum tödlichen Risiko werden, weil die Erreger bereits resistent geworden sind. Allein in Europa erkranken jedes Jahr bis zu 600.000 Menschen an Infekten durch multiresistente Keime, rund 33.000 Menschen sterben sogar daran. Die Tendenz ist steigend. Auch in der Tiermast werden viel zu viel Antibiotika eingesetzt, um die Tiere vor Krankheit zu schützen. Das Fleisch aus der Massentierhaltung landet dann auf unseren Tellern.

      Die Folge: Durch die Nahrungskette konsumiert der Mensch Antibiotika, die für ihn schädlich sind und auf Dauer auch Resistenzen hervorrufen können. Ein weiteres Problem: Pharmafirmen haben sich aus der Antibiotika-Forschung weitgehend verabschiedet. Das Geschäft lohnt sich nicht mehr. Das Dilemma: Es gibt noch keinen zuverlässigen Ersatz. Droht nun der Supergau?

      Reporterin Sarah Schmidt spricht mit Prof. Petra Gastmeier, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Charité in Berlin. Die Einnahme von Antibiotika müsse verantwortungsvoller werden – da seien Kliniken, Ärzte und Patienten gefragt, sagt sie.

      Reinhild Benning von Germanwatch fordert weniger Massentierhaltung, sodass auf die Gabe von Antibiotika verzichtet werden kann. So genannte Reserveantibiotika müssten in der Tiermast ab sofort verboten werden.

      Dr. Florian Kloß vom Hans-Knöll-Institut in Jena schließlich nimmt die Politik in die Verantwortung: Ohne öffentliche Gelder lasse sich die Krise um Antibiotikaresistenzen nicht in den Griff bekommen.

      Darin enthalten die Dokumentation:

      • Heilen ohne Antibiotika - Wie wir in Zukunft Infektionen behandeln können

      Film von Torsten Mehltretter

      Immer häufiger kommt es vor, dass Antibiotika nicht mehr wirken. Die Zahl der Todesfälle steigt. Dabei gibt es eine Medizin, die helfen könnte: spezielle Viren, die Keime zerstören. Die sogenannten Bakteriophagen werden in Georgien seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt. In Westeuropa kennt man sie dagegen kaum. Die Zeit drängt, denn Antibiotikaresistenzen gelten als eine der größten medizinischen Herausforderungen unseres Jahrhunderts.

      Der Brandenburger Ekkehard Eichler ist nach einer Herz-Operation schwer krank. Antibiotikaresistente Krankheitserreger haben sich in der Operationswunde festgesetzt und auch sein Brustbein angegriffen. Die Folge: eine Knochenhautentzündung. In Deutschland gilt er als austherapiert. Die Ärzte raten ihm zu einer Entnahme des Brustbeins, Eichler will das verhindern. Die Suche nach Alternativen führt ihn nach Tiflis in Georgien, am östlichen Rand Europas.

      Die Behandlung mit den Bakteriophagen ist in Georgien, das früher Teil der Sowjetunion war, altbekannt. Weil viele Staaten des "Ostblocks" lange kaum Zugang zu Antibiotika hatten, waren sie gezwungen, Infektionserkrankungen anders zu bekämpfen. Mit Viren: Im Eliava-Institut in Tiflis haben sie mit dieser Art der Behandlung mehr Erfahrung als an jedem anderen Ort der Welt.

      In Deutschland versuchen Wissenschaftler, die Phagen aus Tiflis auch für die EU zugänglich zu machen. Kein leichtes Unterfangen, denn die Viren lassen sich mit den bisher gültigen Zulassungsverfahren für neue Arzneimittel nur schwer unter einen Hut bringen. Immerhin: Eine erste Studie ist auf den Weg gebracht. Mikrobiologen vom Leibniz-Institut suchen nach Phagen, die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts aufbereiten und schließlich von Ärzten der Berliner Charité auf deren Wirkungen geprüft werden. Im Verbund wollen die drei renommierten Institute die bürokratischen Hürden überwinden, damit sich auch Patienten in Deutschland schon bald mit Phagen behandeln lassen können.

      In „phoenix plus“ ergänzen wir mehrmals täglich unsere Ereignis-Berichterstattung. Hier macht phoenix das, wofür der Sender steht: Themen vertiefen. Mit eigenen Reportagen, ausgewählten Beiträgen von ARD und ZDF und Expertengesprächen beleuchten wir ein Thema von vielen Seiten und liefern ein Plus an Information. Die Themen sind immer relevant und aktuell: Das Spektrum reicht vom veränderten Parteiensystem in Deutschland über den Korea-Konflikt, die Politik der Trump-Regierung im Westen und der Putin-Präsidentschaft im Osten bis zur Bedeutung des deutschen Vereinswesens für unsere Gesellschaft und der Arbeit der Geheimdienste. „phoenix plus“ bietet diese Schwerpunkte in einer Länge von 30, 45, 60 oder 75 Minuten. Kurzum: Auch hier zeigt phoenix das ganze Bild - damit Sie sich eine fundierte Meinung bilden können.

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