• 11.09.2019
      17:45 Uhr
      Die Hymne der Freiheit Hongkongs Kampf gegen den mächtigen Bruder | phoenix
       

      Hongkong im Sommer 2019: Millionen Demonstranten ziehen durch die Häuserschluchten, jedes Wochenende werden es mehr. Sie treten an gegen einen schier übermächtigen Gegner: China. Seit die vormals britische Kolonie 1997 offiziell an Peking zurückgegeben wurde, sehen die Hongkonger ihre Freiheit von Tag zu Tag schwinden. Viele der Versprechungen, die ihnen damals unter dem Slogan "One Country, two Systems" gemacht wurden, haben die autoritären neuen Machthaber nicht eingehalten. Freie Wahlen, eine unabhängige Justiz - all das steht für die noch immer so westlich geprägte Finanzmetropole auf dem Spiel.

      Mittwoch, 11.09.19
      17:45 - 18:00 Uhr (15 Min.)
      15 Min.
      Neu im Programm

      Hongkong im Sommer 2019: Millionen Demonstranten ziehen durch die Häuserschluchten, jedes Wochenende werden es mehr. Sie treten an gegen einen schier übermächtigen Gegner: China. Seit die vormals britische Kolonie 1997 offiziell an Peking zurückgegeben wurde, sehen die Hongkonger ihre Freiheit von Tag zu Tag schwinden. Viele der Versprechungen, die ihnen damals unter dem Slogan "One Country, two Systems" gemacht wurden, haben die autoritären neuen Machthaber nicht eingehalten. Freie Wahlen, eine unabhängige Justiz - all das steht für die noch immer so westlich geprägte Finanzmetropole auf dem Spiel.

       

      Hongkong im Sommer 2019: Millionen Demonstranten ziehen durch die Häuserschluchten, jedes Wochenende werden es mehr. Sie treten an gegen einen schier übermächtigen Gegner: China. Seit die vormals britische Kolonie 1997 offiziell an Peking zurückgegeben wurde, sehen die Hongkonger ihre Freiheit von Tag zu Tag schwinden. Viele der Versprechungen, die ihnen damals unter dem Slogan "One Country, two Systems" gemacht wurden, haben die autoritären neuen Machthaber nicht eingehalten.

      Freie Wahlen, eine unabhängige Justiz - all das steht für die noch immer so westlich geprägte Finanzmetropole auf dem Spiel. Als "End Game" bezeichnen die Demonstranten dieser Tage ihre Aktionen. Denn viele fürchten, es könne ihre letzte Chance sein, Rechte wie Meinungs-, Presse- oder Versammlungsfreiheit in ihrer Heimat zu bewahren.

      Das ZDF-Team um Eva Ingold und Ulf Röller hat einige von ihnen begleitet. Wer Francis tagsüber trifft, lernt einen schüchternen jungen Mann kennen. Etwas schmächtig, Brille, in der Hand eine große Tasche voller Wasserflaschen. So ist der 24-Jährige häufig zu sehen. In einem Park verteilt er die Getränke an Demonstranten, die sich dort friedlich versammelt haben. Nachts aber ist Francis an der Front: mit Helm und Atemmaske stellt er sich Woche für Woche den Tränengassalven der Polizei. Ganz vorne ist er mit dabei, versorgt auch hier seine Mitstreiter mit Wasser, spült Augen aus und hilft denen, die im Chaos zu Boden gegangen sind. "Hongkongs Bürger sind eigentlich friedlich", erzählt er. Dennoch verurteile er die Gewalt nicht. Wenn sich die Machthaber um die chinafreundliche Regierungschefin Carrie Lam nicht auf einen ernsthaften Dialog einlassen, bleibe irgendwann nicht mehr viel anderes übrig als ziviler Ungehorsam und als letztes Mittel auch Gewalt, so die Einschätzung vieler Demonstranten.

      Auf Hongkongs Peak, der die Wolkenkratzer der Stadt überblickt, treffen wir Dragon. Ein muskelbepackter Festlandchinese, ein glühender Patriot. Dragon verachtet Menschen wie Francis und tut seinen Hass auf die Demonstranten in Chinas streng kontrollierten sozialen Medien kund. "Das sind Aufrührer und Separatisten!" ruft er seinen Followern zu. "Jetzt weiß ich endlich, warum ich all die Jahre Kung Fu trainiert habe: um die Unabhängigkeitsaktivisten zu verprügeln." Mit martialischen Gesten und lauten Rufen führt er sodann vor, wie das auszusehen hat. "Das sind doch alles Weichkrabben. Nur weil sie so viele sind, trauen sie sich was", meint Dragon. "Ich muss nur einmal mit meiner eisernen Faust zuschlagen, schon liegen sie im Krankenhaus!" Man hofft, einer wie Dragon möge Francis nie begegnen. Für den Fall der Fälle hat der immer einen Wanderstock aus Aluminium dabei, sein allerletztes "Werkzeug der Verzweiflung", wie er es nennt. Nicht um damit selbst anzugreifen: "Ich würde ihn über den Kopf halten und damit Schläge abwehren." Dass er irgendwann selbst Opfer von Polizeigewalt wird, hat der Student einkalkuliert. Die größere Gefahr für ihn ist allerdings eine andere. Viele seiner Freunde hat die Polizei bereits festgenommen, ihnen drohen lange Haftstrafen. Der Vorwurf: Aufstand gegen die Staatsgewalt. Dennoch will er weiterkämpfen, selbst wenn der Gegner, China, schier übermächtig scheint. "Auch wenn wir nur einen winzig kleinen Hoffnungsschimmer haben, dann müssen wir es einfach machen."

      Und so treffen sich die Hongkonger Woche für Woche auf ihren Straßen und immer wieder stimmen sie dasselbe Lied an, das ihren Kampf begleitet. "It is the music of the people who will not be slaves again", heißt es im Text. Nicht jeder ist zum Straßenkämpfer geboren, doch wenn nur genügend Menschen mitsingen, so hoffen sie, vielleicht werden sie dann erhört.

      Film von Eva Ingold und Ulf Röller

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      Mittwoch, 11.09.19
      17:45 - 18:00 Uhr (15 Min.)
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