• 26.09.2015
      05:00 Uhr
      Meine Heimat - Deine Heimat (2/2) Kaliningrader Klopse | phoenix
       

      An jedem Sonnabend im Frühling und im Sommer haben die Standesämter Kaliningrads Hochkonjunktur. Und anschließend toben die Hochzeitsgesellschaften durch die Stadt und lassen sich fotografieren: zum Beispiel vor dem Schiller-Denkmal, vor dem Königsberger Dom und vor dem Grabmal Immanuel Kants. Geschichte, das ist für die jungen Leute in Kaliningrad, dem westlichen Brückenkopf Russlands, vor allem Kulisse.

      Samstag, 26.09.15
      05:00 - 05:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      An jedem Sonnabend im Frühling und im Sommer haben die Standesämter Kaliningrads Hochkonjunktur. Und anschließend toben die Hochzeitsgesellschaften durch die Stadt und lassen sich fotografieren: zum Beispiel vor dem Schiller-Denkmal, vor dem Königsberger Dom und vor dem Grabmal Immanuel Kants. Geschichte, das ist für die jungen Leute in Kaliningrad, dem westlichen Brückenkopf Russlands, vor allem Kulisse.

       

      An jedem Sonnabend im Frühling und im Sommer haben die Standesämter Kaliningrads Hochkonjunktur. Und anschließend toben die Hochzeitsgesellschaften durch die Stadt und lassen sich fotografieren: zum Beispiel vor dem Schiller-Denkmal, vor dem Königsberger Dom und vor dem Grabmal Immanuel Kants. Geschichte, das ist für die jungen Leute in Kaliningrad, dem westlichen Brückenkopf Russlands, vor allem Kulisse. Die Jugend schaut nach vorn, Richtung Westen: Pommes Frites und Coca-Cola statt Königsberger Klopse - von Kaliningrader Klopsen, wie die Mahner und politischen Erzieher aus Sorge um den Frieden und die Gefühle der Russen das weltbekannte Gericht tatsächlich jahrelang nannten, spricht heute niemand mehr.

      Wer das alte Königsberg kannte, wird es auch heute schwer haben, sich in dieser modernen Stadt zu orientieren. Die Zeiten der Tristesse sind vorbei. Durch britische Luftangriffe und heftige Kämpfe zerstört und nach dem Krieg in sozialistischem Grau wieder aufgebaut, hatte Kaliningrad den Ruf, eine der hässlichsten Städte Europas zu sein. Doch heute ist das Lenin-Denkmal aus dem Stadtzentrum verdrängt, der wuchtige Betonklotz des "Hauses der Sowjets" steht zwar immer noch leer, ist aber hellblau übermalt, Hochhäuser bestimmen das Bild der Innenstadt und immer mehr Gebäude in einem Stil, der die Verbindung zur Vergangenheit sucht.

      So sind Besucher aus Deutschland überrascht, wie sehr sich die Stadt in den letzten vier oder fünf Jahren verändert hat: so auch Wolf von Lojewski, der schon einmal vor nunmehr vier Jahren seine alte Heimat Ostpreußen mit einem Kamerateam bereist hat. Seitdem hat ihn das Land seiner Eltern nicht mehr losgelassen.

      Wolf von Lojewski und sein Team werden vom "verdienten Baumeister Russlands", Igor Odinzew, durch den gotischen Dom Kaliningrads geführt. Er hat die Kriegsruine als neues Wahrzeichen der Stadt wieder aufgebaut. Der Investor und Baulöwe Pavel Fjodorow zeigt ihnen die schon fertig gestellten Bauten des Handels- und Touristenzentrums "Fischdorf" und erläutert stolz sein Projekt "Hotel Kaiserhof". Der Entwurf der dazugehörenden Plastik zeigt, dass hier nicht der Zar gemeint ist, sondern ein Wilhelm mit gezwirbeltem Bart.

      Während an der Ostsee Kasinos und Luxushotels entstehen, sieht es in vielen der kleineren Städte des Verwaltungsbezirks Kaliningrad dagegen auch 60 Jahre nach dem Krieg noch trostlos aus. Das Zentrum von Zeleznodoroznyj, dem ehemaligen Gerdauen, verfällt mehr und mehr. Auf dem verwilderten und verlassenen Staatsgut in der Nähe von Osersk/Angerapp, das Wolf von Lojewski vor vier Jahren besuchte, ist das Elend heute noch größer als damals. Das Team des ZDF begleitete den Dachdeckermeister Heinz Hohmeister aus Delligsen in Niedersachsen auf einer seiner vielen Fahrten durch den Oblast Kaliningrad. Als Kind hat er bis 1948 die ersten, besonders harten Jahre der Sowjetzeit miterlebt und baut nun ein ganz persönliches Netzwerk der Hilfe für die Menschen seiner alten Heimat auf. Wann immer ein Altersheim, der Kindergarten, die örtliche Schule oder einzelne Familien etwas dringend brauchen, wofür im einerseits strotzend reichen - und dann wieder bettelarmen Russland einfach kein Geld da ist, wendet man sich an ihn. Die Stadtvertreter von Ozersk haben den Ostpreußen inzwischen zum Ehrenbürger ernannt - denn: Unsere Heimat ist auch seine Heimat.

      Ein Film von Wolf von Lojewski

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      Samstag, 26.09.15
      05:00 - 05:45 Uhr (45 Min.)
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