• 15.03.2019
      22:30 Uhr
      Jasmin - König der Düfte Vom Nildelta ins Parfüm-Flakon | phoenix
       

      Der ägyptische Jasmin gehört zu den teuersten Düften der Welt. Viele der weltbekannten Parfumhäuser in den USA oder Frankreich verwenden das betörende, kräftige, fruchtige Aroma. Unfassbare 3,5 Tonnen Blüten müssen geerntet werden, um einen Fünf-Liter-Behälter voller Jasmin zu erhalten, Marktwert: 22 000 Dollar. Viel schweißtreibende Handarbeit für einen Hauch von teurem Duft in den Designer-Flakons.

      Freitag, 15.03.19
      22:30 - 23:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Der ägyptische Jasmin gehört zu den teuersten Düften der Welt. Viele der weltbekannten Parfumhäuser in den USA oder Frankreich verwenden das betörende, kräftige, fruchtige Aroma. Unfassbare 3,5 Tonnen Blüten müssen geerntet werden, um einen Fünf-Liter-Behälter voller Jasmin zu erhalten, Marktwert: 22 000 Dollar. Viel schweißtreibende Handarbeit für einen Hauch von teurem Duft in den Designer-Flakons.

       

      Wenn die Sonne untergeht über dem Nil, öffnen sich langsam, wie in Zeitlupe seine Blütenblätter. Tausendfach, millionenfach. Ein nasenbetäubender Duft wölbt sich über den Plantagen, wenn sich der Jasmin in alle Winde verströmt.

      Der ägyptische Jasmin gehört zu den teuersten Düften der Welt, viele der weltbekannten Parfumhäuser in den USA oder Frankreich verwenden das betörende, kräftige, fruchtige Aroma für ihre Kreationen. Wenige Produzenten geben sich so viel Mühe bei der Gewinnung des exquisiten Blütenduftes wie der Ägypter Hussein Fakhry. Auf seinem saftig-grünen Farmgelände im Herzen des Nildeltas pflücken Hunderte von emsigen Händen die winzigen, weißen Blüten - von Mitternacht bis zum Morgengrauen. Denn der Jasmin - der von Motten bestäubt wird, statt von Bienen - duftet nachts besonders stark. Wenn die Sonne untergeht über dem Nil, öffnen sich langsam, wie in Zeitlupe, seine Blütenblätter. Tausendfach, millionenfach. Ein nasenbetäubender Duft legt sich über die Plantagen, wenn er sich in alle Winde verströmt.

      Der Jasmin hat eine große wirtschaftliche Bedeutung für die ländliche Bevölkerung des Nildeltas: Rechnet man alle Pflücker auf den rund ein Dutzend Farmen zusammen und nimmt ihre Familien dazu, dann leben etwa 50 000 Menschen vom Jasmin. Gerade in den schwierigen Zeiten nach dem Beginn der Revolution 2011 ist das ein Segen für die ärmliche Region. Reich wird trotzdem keine Pflücker-Familie: Denn der Lohn ist zwar überdurchschnittlich gut, wird aber nur während der halbjährlichen Erntezeit gezahlt; in den anderen sechs Monaten müssen sich die Familien andere Jobs suchen.

      Die Fakhry-Farm - rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kairo - ist ein Vorzeigeunternehmen. Verlässlicher Arbeitgeber für 8000 Pflücker aus der ganzen Region und ihre Familien. Statt Pestizid-Einsatz wird von Hand gejätet. Statt Chemikalien picken unzählige schneeweiße Reiher das Ungeziefer aus den Grasbüscheln. Biologisch, dynamisch, nachhaltig: Die Naturprodukte aus dem Nildelta sind international zertifiziert und was immer angebaut oder produziert wird, reißt man Hussein Fakhry aus den Händen - neben Jasmin etwa Bitterorange, Zitronenbasilikum und Honig. Das ist ein gutes Zeichen, meint der gelernte Wissenschaftler Fakhry, denn die Menschen begreifen langsam, dass es wichtig ist, was sie essen und wie unsere Lebensmittel hergestellt werden.

      Film von Thomas Aders

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