• 21.05.2017
      00:10 Uhr
      Historische Ereignisse Vor 60 Jahren: Das Bundesverfassungsgericht stellt fest: „Berlin ist ein Land der Bundesrepublik Deutschland“ (21.05.1957) | PHOENIX
       

      Als am 9. November 1989 vor dem Brandenburger Tor tausende Menschen aus Ost und West auf der Mauer tanzten, als Ost-Berliner in Sektlaune in den Westen strömen und den Kurfürstendamm eroberten, wurde schnell klar: Dies war das Ende der DDR. Doch es war auch das Ende einer Stadt, die wie keine andere das Symbol der deutschen Teilung, des Kalten Krieges, des Aufbruchs und des gesellschaftlichen Wandels war - des in Ost und West geteilten Berlin. Es war auch das Ende eines in der Geschichte einmaligen Sozialexperiments: Leben in einer in Friedenszeiten eingeschlossenen Stadt.

      Nacht von Samstag auf Sonntag, 21.05.17
      00:10 - 03:10 Uhr (180 Min.)
      180 Min.
      Stereo

      Als am 9. November 1989 vor dem Brandenburger Tor tausende Menschen aus Ost und West auf der Mauer tanzten, als Ost-Berliner in Sektlaune in den Westen strömen und den Kurfürstendamm eroberten, wurde schnell klar: Dies war das Ende der DDR. Doch es war auch das Ende einer Stadt, die wie keine andere das Symbol der deutschen Teilung, des Kalten Krieges, des Aufbruchs und des gesellschaftlichen Wandels war - des in Ost und West geteilten Berlin. Es war auch das Ende eines in der Geschichte einmaligen Sozialexperiments: Leben in einer in Friedenszeiten eingeschlossenen Stadt.

       

      darin: Schlachtfeld Berlin; Film von Andreas Christoph Schmidt
      Es gibt sie noch heute, überall in Deutschland: vergessene Bunkeranlagen, verwaiste Stützpunkte und verfallene Waffenlager. Es sind Relikte eines globalen Machtkampfs zwischen Ost und West, der im Fall einer militärischen Eskalation auf deutschem Boden eine Trümmerlandschaft hinterlassen hätte. Die Gefahr eines alles verheerenden Nuklear-Krieges der Supermächte war kein fernes Planspiel, sondern jahrzehntelang eine konkrete Bedrohung.
      "ZDF-History" zeigt, wovon die Bevölkerung auf beiden Seiten damals nur wenig oder gar nichts erfuhr: von der Ausbildung geheimer Partisanentruppen, die im Rücken der Front operieren sollten bis hin zu Kriegsplänen und Szenarien, in denen die atomare Vernichtung ganzer Großstädte und Ballungsräume wie München oder Hamburg in Kauf genommen wurde - mit vielen Millionen Toten.   

      Die Insel (1/2): West-Berlin zwischen Mauerbau und Mauerfall;
      Film von Claus Richter und Stefan Aust
      Die zweiteilige Dokumentation "Die Insel" von Stefan Aust und Claus Richter in der Reihe "ZDFzeit" schildert die wichtigsten und spannendsten Ereignisse aus knapp drei Jahrzehnten West-Berlin. "Es war", so die Autoren Aust und Richter, "ein bisschen Disneyland, ein bisschen Horrorkabinett, ein bisschen Museum, ein bisschen Weltstadt, ein bisschen Gartenlaube und ein bisschen Truppenübungsplatz. Ein vielfältiger Anziehungspunkt für die schrägen Vögel dieser Welt."
      Die "ZDFzeit"-Dokumentationen öffnen den Blick in ein Panoptikum. Es ist eine Reise durch die deutsche Nachkriegsgeschichte, die Berlin wie keine andere Stadt geprägt, erschüttert und zerrissen hat. Eine Kollage von persönlich Erlebtem, von kleinen und großen Geschichten, die sich verdichten zur Geschichte der Stadt.
      Sie wird chronologisch erzählt: Teil eins der Dokumentation beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Zeitspanne zwischen Mauerbau und den großen Studentendemonstrationen und endet mit dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg. Teil zwei behandelt die Zeitspanne zwischen dem Ende der 1960er Jahre und dem Fall der Mauer im November 1989.
      Als US-Präsident John F. Kennedy im Jahr 1963 vor dem Schöneberger Rathaus seinen historischen Satz sagte: "Ich bin ein Berliner!", da sprach er über eine Frontstadt, aber auch über ein Lebensgefühl. West-Berlin war mehr als eine eingemauerte Stadt. Es war ein Hort der Freiheit, ein Ort des trotzigen Widerstands. Unter den besonderen Lebensbedingungen dieser "Insel" entstand ein eigenes kulturelles und geistiges Klima, das Künstler und Abenteurer aus der ganzen Welt anzog.
      All das geschah vor einer besonderen politischen Kulisse: Berlin war ein kleiner Provinzstaat auf der großen Weltbühne des Kalten Krieges. Es war eine besetzte Stadt. Offiziell waren die obersten Entscheidungsträger bis zur Wiedervereinigung die Stadtkommandanten der Alliierten.

      Berlin war in Ost und West auch das Mekka der Spione: Hier wurden Agenten eingeschleust und ausgetauscht, hier kamen die Geheimdienstler aus aller Welt zu konspirativen Treffs zusammen, um auf gegnerisches Terrain vorzudringen, oder um selbst Weltpolitik zu machen.
      Eine Insel - vom westdeutschen Festland aus nur per Flugzeug oder über streng kontrollierte Transitverbindungen zu erreichen. Berlin war um Haaresbreite der Ausgangspunkt für den dritten Weltkrieg, aber es war auch eine Stadt des Aufbruchs, der Studentenbewegung, der Ideen und der Revolte. Es war die Stadt von Hildegard Knef, Harald Juhnke und Romy Haag, aber auch der radikalen Studenten Rudi Dutschke, Rainer Langhans, Fritz Teufel und Uschi Obermaier. In den 1970er Jahren wurde das Berliner Milieu zur Keimzelle des Terrorismus.

      Die Insel (2/2): West-Berlin zwischen Mauerbau und Mauerfall;
      Film von Claus Richter und Stefan Aust
      West-Berlin, das war die Stadt ohne Sperrstunde. Es war die Stadt eines Rolf Eden, des ewigen Playboys. Kultur und Subkultur konkurrierten, ergänzten und beharkten sich in West-Berlin. Aber dank reichlicher Unterstützung aus dem fernen Westdeutschland konnte der Senat es sich leisten, beide zu fördern. Das hoch subventionierte "Schaufenster des Westens" war auch die Heimat großer Skandale, des politischen Filzes. Ebenso war die Stadt ein Magnet für Wirrköpfe und selbsternannte Revoluzzer, die sich hier dem Wehrdienst ungestraft entziehen und den Aufstand als Hausbesetzer oder Autonome in der "Kreuzberger Republik" proben konnten.
      Die Autoren Stefan Aust und Claus Richter sprachen mit prominenten Zeitzeugen - wie den früheren Regierenden Bürgermeistern der Stadt Richard von Weizsäcker, Walter Momper, Eberhard Diepgen und Klaus Schütz in seinem letzten großen Fernsehinterview vor seinem Tod. Sie sprachen mit Politikern wie Egon Bahr und dem früheren US-Botschafter Richard Burt, mit Stars wie Ute Lemper, Gunter Gabriel oder Romy Haag, mit Protagonisten der Studentenbewegung wie Uschi Obermaier und dem Schriftsteller Peter Schneider, aber auch mit weniger prominenten Spionen, Regierungsbeamten, Bauunternehmern oder Taxifahrern, die mit ihren Schilderungen ein lebendiges Bild der geteilten Stadt wiederaufleben lassen.
      Er könne verstehen, sagt der Berliner Politiker Egon Bahr im Gespräch mit den Autoren, dass West-Berlin "für den Osten unerträglich" gewesen sei. "Dieses Juwel sah durch seinen Reichtum für die Bevölkerung jeden Tag so aus, wie wir uns nach dem Kriege die Schweiz vorgestellt haben: reich, hell, Luxus!" "Es war eine Stadt mit den kleinen Mietskasernen, mit den Narben des Zweiten Weltkrieges", erinnert sich dagegen Chansonsängerin und Schauspielerin Ute Lemper, "die da in den Osten gepackt und wie ein Gefängnis abgeschirmt war. West-Berlin, so Ute Lemper, sei "einfach stolz auf seine Hässlichkeit" gewesen.
      "Ohne die Existenz Berlins hätte eine Mauer nie fallen können", kommentiert der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, "insofern hat Berlin seine historische Funktion erfüllt."
      Die Dokumentation schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Geführt durch aufwändige Kameratechnik, begeben sich die Zuschauer auf Spurensuche im heutigen Berlin. Der Film zeigt die Überreste der Mauer, besucht die zum Teil unveränderten Schauplätze, etwa die Bunker unterhalb West-Berlins, wo einst die "Senatsreserve" für den gefürchteten Angriff aus dem Osten lagerte, oder die Hallen des Flughafens Tempelhof, der damals West-Berlin mit der großen, weiten Welt verband. An den authentischen Schauplätzen erzählen die Protagonisten ihre Geschichten und Erlebnisse. Sie nehmen, unterstützt von zum Teil unveröffentlichten Archivmaterialien, die Zuschauer mit in die Zeit von Mauer, Stacheldraht und Schlaghosen. Musik aus dreißig Jahren, in Berlin produziert oder mit Berlin-Bezug, von Hildegard Knef über Udo Lindenberg bis zu den Rolling Stones und David Bowie, gibt das Lebensgefühl jener Zeit in West-Berlin wieder.
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      2.25, 16.15 & 06.45 Uhr:
      Das Bonn-Berlin Duell
      25 Jahre Hauptstadtbeschluss
      Film von Claus RäfleBerlin ist die Hauptstadt der Bundesrepublik und der Sitz der Regierung. Was heute selbstverständlich erscheint, war unmittelbar nach der Wiedervereinigung noch ganz offen. Die Entscheidung darüber fiel vor genau 25 Jahren, am 20. Juni 1991, in einer langen und außergewöhnlich dramatischen Debatte im Bundestag, der damals noch im Bonner Wasserwerk tagte.
      Im Einigungsvertrag war 1990 Berlin zwar nominell als Hauptstadt festgeschrieben, die Frage nach dem Sitz der Regierung und des Parlaments jedoch offen gelassen und auf später vertagt worden. Berlin oder doch weiter Bonn? Die kleine Stadt am Rhein hatte sich immerhin in vier Jahrzehnten demokratisch bewährt und genoss auch im Ausland großes Ansehen. Der Wettstreit zwischen den Pro-Berlin- und Pro-Bonn-Fraktionen beginnt direkt nach der Wiedervereinigung. Von Oktober 1990 bis Juni 1991 kämpfen die Lobbyisten, spekulieren die Medien und diskutieren die Parteien. Es geht um viel, und der Riss geht mitten durch die politischen Lager. Am Anfang liegt Bonn in der Gunst der Politiker deutlich vorn. Am 20. Juni 1991 mündet dieser Prozess in eine über zwölf Stunden lange Debatte im Parlament. Bis zu diesem Zeitpunkt ist völlig offen, wie das Ergebnis aussehen wird.
      Der Berliner Tagesspiegel hat für den nächsten Tag verschiedene Leitartikel parat: "Eine vergebene Chance" wird die Überschrift heißen, wenn die Abgeordneten für Bonn entscheiden, "Eine Hauptstadt für alle Deutschen" wird die Zeitung jubeln, wenn Berlin das Rennen macht. 104 Redner begeben sich im Laufe der Sitzung ans Pult, noch einmal ebenso viele verzichten darauf und geben ihre Reden schriftlich zu Protokoll.
      Es ist 21:47 Uhr, als Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth das Mikrofon ergreift und die Entscheidung bekannt gibt: 320 Stimmen für Bonn, 338 für Berlin. Einige dramatische Reden haben den Umschwung gebracht. Damit ist der Antrag, der offiziell Vollendung der Einheit heißt, vom Deutschen Bundestag angenommen. Genau 25 Jahre nach diesem Polit-Krimi erinnert die Dokumentation an diesen spannenden Tag im Parlament, seinen Vorlauf und seine Folgen.

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      Nacht von Samstag auf Sonntag, 21.05.17
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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 19.02.2019