• 26.12.2013
      06:45 Uhr
      Brennpunkt Hattusa - Machtzentrale der Hethiter phoenix
       

      1906 brach der deutsche Gelehrte Hugo Winckler zu einer Expedition nach Boghazköy in Anatolien auf. Jahrzehnte zuvor hatte ein französischer Archäologe 150 Kilometer östlich des heutigen Ankara eine Ruinenstätte mit mächtigen Mauern und majestätischen Löwentoren entdeckt. Doch niemand konnte damals die Trutzburg einem Herrschergeschlecht zuordnen. Es sollte noch fast ein weiteres Jahrhundert dauern, das Rätsel um das Volk der Hethiter endgültig zu lösen, dessen Hauptstadt Hattusa sich hinter Boghazköy verbarg.

      Donnerstag, 26.12.13
      06:45 - 07:30 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      1906 brach der deutsche Gelehrte Hugo Winckler zu einer Expedition nach Boghazköy in Anatolien auf. Jahrzehnte zuvor hatte ein französischer Archäologe 150 Kilometer östlich des heutigen Ankara eine Ruinenstätte mit mächtigen Mauern und majestätischen Löwentoren entdeckt. Doch niemand konnte damals die Trutzburg einem Herrschergeschlecht zuordnen. Es sollte noch fast ein weiteres Jahrhundert dauern, das Rätsel um das Volk der Hethiter endgültig zu lösen, dessen Hauptstadt Hattusa sich hinter Boghazköy verbarg.

       

      Nachdem 1893 Tontafeln von Boghazköy zu europäischen Wissenschaftlern gelangten, geriet der abgelegene Ort ins Visier der Forschung. Denn die uralten Dokumente waren zwar in lesbarer Keilschrift, jedoch in einer unverständlichen Sprache geschrieben. Ähnliche Exemplare tauchten auch in Syrien und Kleinasien auf, und alle benannten einen "König von Arzawa". Der Name ließ die Experten aufhorchen, erschien er doch auch in den so genannten Amarna-Briefen des Pharaos Echnaton.

      Schon 1905 hatte Winckler auf einer kurzen Erkundungstour in der verlassenen Festung 35 Tontafeln geborgen, vermochte sie aber nicht zu entschlüsseln. Doch diesmal gruben seine Arbeiter unzählige weitere Exemplare aus, die im bereits bekannten Akkadisch, der Diplomatensprache des Alten Orients, abgefasst waren. Dem genialen Professor, der Keilschrift und Akkadisch flüssig las und verstand, fiel es wie Schuppen von den Augen: Er hatte die politische Korrespondenz der Hethiter vor sich.

      Als Highlight fand Winckler sogar eine Abschrift des ältesten beurkundeten Friedensvertrages der Weltgeschichte. Darin besiegeln der Hethiterkönig Hattusili und Pharao Ramses II. ewige Freundschaft zwischen dem Land Hatti und Ägypten. Boghazköy musste demnach Hattusa sein, die Hauptstadt eines vergessenen Weltreichs.

      Das Volk der Hethiter entwickelte sich im 2. Jahrtausend vor Christus zur militärischen "Supermacht" in Klein- und Vorderasien, bis es fast spurlos verschwand. Abgesehen von den wenigen Erwähnungen in der Bibel und in ägyptischen Texten fehlen historische Aufzeichnungen über die gefürchteten Krieger. Schon die Griechen und Römer wussten nichts mehr über sie. Erst als der tschechische Linguist Bedrich Hrozny 1915 ihre Sprache als indogermanisch identifizierte und entschlüsselte, gewährten die etwa 30.000 beschriebenen Tontafeln der königlichen Bibliothek von Hattusa den Forschern tiefe Einblicke in eine blühende Hochkultur.

      Nach wie vor rätselhaft blieben jedoch die Hinterlassenschaften in der ureigenen Bilderschrift der Hethiter. Die Einwanderer aus Nordeuropa oder Mittelasien bauten ihre Hauptstadt im unzugänglichen anatolischen Hochland zu uneinnehmbaren Festung aus. Etwa 50.000 Menschen lebten in der Metropole, fernab vom Meer oder einem größeren Fluss. Von hohen Bergen eingerahmt, glich Hattusa einem Hochsicherheitstrakt.

      Dennoch ging ihr Reich unter. Hatussa wurde verlassen, die wichtigsten Gebäude niedergebrannt. Keine der zahlreichen bereits entzifferten Tontafeln weist auf eine mögliche Ursache für den plötzlichen Niedergang hin. Erst als Wissenschaftlern des Deutschen Archäologischen Instituts vor wenigen Jahren auch die Entzifferung der Bilderschrift aus Hattusa gelang, enthüllte sich das dramatische Schicksal der Hethiter, denen ein gebührender Platz in den Geschichtsbüchern so lange verwehrt blieb.

      Thema: Antike Welten

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