• 09.09.2013
      00:00 Uhr
      TACHELES - Talk am roten Tisch Wer's glaubt, wird selig: Hat die Kirche noch Zukunft? | phoenix
       

      Zu Gast bei Jan Dieckmann:

      • Margot Käßmann, Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017
      • Eckart von Hirschhausen, Moderator, Kabarettist, Schriftsteller
      • Frido Mann, Theologe und Psychologe
      • Johannes Kneifel, vom rechten Gewalttäter zum Pastor
      • Jan Fleischhauer, Spiegel-Redakteur

      Nacht von Sonntag auf Montag, 09.09.13
      00:00 - 01:00 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

      Zu Gast bei Jan Dieckmann:

      • Margot Käßmann, Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017
      • Eckart von Hirschhausen, Moderator, Kabarettist, Schriftsteller
      • Frido Mann, Theologe und Psychologe
      • Johannes Kneifel, vom rechten Gewalttäter zum Pastor
      • Jan Fleischhauer, Spiegel-Redakteur

       

      Die evangelische Kirche passe sich gnadenlos an den Zeitgeist an kritisiert Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer. Unsinn, erwidert Luther-Botschafterin Margot Käßmann, die Sehnsucht nach Spiritualität wachse vielmehr. TV-Kabarettist Eckart von Hirschhausen ermuntert dazu, dass die Kirche fröhlicher wird. Hat die Kirche noch Zukunft? Jan Dieckmann moderierte die Diskussion in der bis auf den letzten Platz gefüllten hannoverschen Marktkirche.

      "Die evangelische Kirche will es allen Recht zu machen und scheut sich, Menschen ins Gewissen zu reden", rügt Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer. Begriffe wie die Sünde hätte sie längst entsorgt. Das Religiöse finde nunmehr neue Orte, erklärt der Kabarettist und Moderator Eckart von Hirschhausen. "Das Wort Sünde zum Beispiel kommt heute fast nur im Zusammenhang mit Essen vor, also mit Sahnetorte. Da hat man gesündigt."

      Die Kirchen sagten durchaus, was richtig und was falsch sei. Aber zentral sei eben auch die Vergebung, sagt die frühere Bischöfin Margot Käßmann, Botschafterin der evangelischen Kirche für das Reformationsjubiläum: "In unserer evangelischen Kirche darf auch zum Abendmahl kommen, wer geschieden ist, wer homosexuell lebt, wer nicht alles im Leben ganz glatt gebracht hat."

      Spiegel-Autor Jan Fleischhauer: Wenn die Kirche bloß "Greenpeace mit Handauflegen" biete, würden ihr die Gläubigen fortlaufen.
      Fleischhauer warf der evangelischen Kirche vor, dem Zeitgeist zu folgen. Ausdruck dafür sei der Kirchentag, der zwar gendergerecht und gegen Genmais sei. Doch wenn die Kirche nur noch "Greenpeace mit Handauflegen" sei, gerate sie in eine Konkurrenz, in der sie nur noch verlieren könne. Die Besucher von Kirchentagen würden nicht den Event suchen, sondern spirituelle Aufladung, beobachtet dagegen Margot Käßmann. "Ich finde immer faszinierend, dass morgens bei den Bibelarbeiten Tausende von Menschen auf Papphockern sitzen und sich eine Stunde lang mit der Bibel beschäftigen."

      Aber hat die Kirche Zukunft? Können Gläubige auch ohne sie auskommen, reicht dafür nicht die Bibel, wie eine Zuschauerin im Tacheles-Forum schreibt? Margot Käßmann: "Es geht nicht um eine Konsumhaltung, dass mir ein Gottesdienst etwas bringt, sondern dass ich mich einbringe in dieses Lob Gottes, das zwei Milliarden Menschen am Sonntag ganz um die Welt singen."

      TV-Komiker Eckart von Hirschhausen: Die Kirche sei darin einzigartig, dass sie für Menschen vom Kind bis zum Greis da sei.
      Das Einbringen allerdings sei nicht jedermanns Sache, meint Eckart von Hirschhausen. "Oft will man ja auch alleine in der Masse aufgehen und dann wieder alleine nach Hause." Der Spross einer Pastorenfamilie hat viele berührende Erlebnisse in Kirchenräumen und bei gemeinsamen Ritualen wie Osterfeuern gehabt. Aus seiner Sicht hat die Kirche weiter Zukunft: "Wo sonst gibt es eine Institution, die generationsübergreifend für Menschen vom Kind bis zum Greis da ist?"

      Kontrovers diskutierte die Runde auch über neue Formen der Begegnung, wie etwa Ausdruckstanz in der Hamburger Kirche der Stille. "Wenn man das nie gemacht hat, verstehe ich jeden, der darüber den Kopf schüttelt", sagt Eckart von Hirschhausen. Er selber habe mit ähnlichen Tanzformen "tolle Erfahrungen" gemacht. Sie sei "nicht tanzbegabt von Gott dem Herrn", räumt Margot Käßmann ein. Aber sie freue sich, "dass in der evangelischen Kirche die Sinnlichkeit des Glaubens neue Formen findet". Skeptisch äußert sich dagegen Jan Fleischhauer vom Spiegel: "Man kann auch Krabbelgottesdienste machen." Der Glaube werde aber eher weitergegeben mit klassischen Formen wie Gottesdienst und Tischgebet.

      Sollte in der Kirche mehr gelacht werden? Bei Tacheles haben wir schon mal damit angefangen.
      Die Kirche pflege zu sehr ihren heiligen Ernst, hält Eckart von Hirschhausen dagegen. "Es gilt schnell als unernst, wenn gelacht wird. Aber es würde nicht schaden, wenn die frohe Botschaft auch etwas froher vermittelt würde."

      Skeptisch äußert sich dagegen Jan Fleischhauer vom Spiegel: "Man kann auch Krabbelgottesdienste machen." Der Glaube werde aber eher weitergegeben mit klassischen Formen wie Gottesdienst und Tischgebet.

      Sollte in der Kirche mehr gelacht werden? Bei Tacheles haben wir schon mal damit angefangen.
      Die Kirche pflege zu sehr ihren heiligen Ernst, hält Eckart von Hirschhausen dagegen. "Es gilt schnell als unernst, wenn gelacht wird. Aber es würde nicht schaden, wenn die frohe Botschaft auch etwas froher vermittelt würde."[popup:533:800:/708403.htm Videostream zur Sendung]

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      Nacht von Sonntag auf Montag, 09.09.13
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