• 18.12.2018
      05:15 Uhr
      Libanon Zukunft gesucht | phoenix
       

      Der Libanon war einst die Schweiz des Nahen Ostens. Davon ist wenig geblieben. Der syrische Bürgerkrieg spülte die Not ins Land. Auf vier Libanesen kommt heute ein Einwohner mit Fluchtbiographie.

      Dienstag, 18.12.18
      05:15 - 05:45 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Der Libanon war einst die Schweiz des Nahen Ostens. Davon ist wenig geblieben. Der syrische Bürgerkrieg spülte die Not ins Land. Auf vier Libanesen kommt heute ein Einwohner mit Fluchtbiographie.

       

      51.000.000 - einundfünfzig Millionen Männer, Frauen und Kinder waren nach Schätzungen der Vereinten Nationen zum Jahresende 2013 auf der Flucht. Auf der Flucht vor Tod, Gewalt, und Unterdrückung. Das war der höchste Stand seit dem 2.Weltkrieg. Ende 2017 sollten es bereits über 68 Millionen sein. Die Ursachen für den traurigen Rekord liegen nach Ansicht des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge, António Guterres, vor allem an langanhaltenden Konflikten wie zum Beispiel jenem in Syrien. Dort ist aus dem nationalen Aufstand gegen eine Diktatur in den letzten drei Jahren ein konfessioneller Stellvertreterkrieg geworden. Sunniten gegen Schiiten. Ein Kampf, der mehr als 6,5 Mio. Syrer zu Flüchtlingen im eignen Land macht. Doch wer kann, flüchtet ins Ausland. Aufnahme finden die syrischen Flüchtlinge vor allem im Nachbarland Libanon. Kein Wunder, die beiden Länder teilen eine 375 Kilometer lange gemeinsame Grenze. Seit Juni 2012 ist die Zahl der Flüchtlinge schier explodiert, wie eine Erhebung der Vereinten Nationen zeigt. Mehr als eine Million syrischer Flüchtlinge haben bereits Schutz im Libanon gesucht. Das entspricht rund einem Viertel der einheimischen Bevölkerung. Im Pro-Kopf-Vergleich leben damit in keinem anderen Land der Welt so viele Vertriebene. Der Libanon habe seine Belastungsgrenze erreicht, konstatierte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. Die humanitäre Katastrophe bedroht nicht nur die fragile religiöse Ruhe im Libanon. Sie stellt das kleine Land auch vor existenzielle gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen. Die Weltbank schätzt, dass dem Libanon durch den Syrienkrieg jedes Jahr ein finanzpolitischer Schaden von 2,6 Milliarden US-Dollar entsteht. Die Zahl setzt sich aus schrumpfenden Auslandsinvestitionen, Profiten und Steuereinnahmen zusammen, die mit steigender Arbeitslosigkeit und Armut eine unheilige Allianz bilden. Und nun könnte der Libanon auch noch in den Sog der Irak-Krise geraten. Der Kampf der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) könnte auf den Libanon überschwappen. Die Zahl der Flüchtlinge aus dem Nachbarland könnte noch mal steigen. Dem Libanon stehen unruhige Zeiten bevor.

      Dokumentation 2014

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      Dienstag, 18.12.18
      05:15 - 05:45 Uhr (30 Min.)
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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 29.11.2020