• 19.04.2017
      23:00 Uhr
      Sputnik Moment 30 gewonnene Jahre | phoenix
       

      Wir leben heute länger, haben mit 50 noch rund 30 gesunde Jahre vor uns. Wie wollen wir umgehen mit dieser gewonnenen Zeit? Länger schlafen, die Welt bereisen, Rosen züchten? Und was, wenn alle diese Dinge getan sind? Die New Yorker Geriaterin Linda Fried nennt es einen ‚sputnik moment’ – eine der größten Chancen und Herausforderungen in der Geschichte der Menschheit, jedenfalls keine Katastrophe. Der Dokumentarfilm betrachtet die demografischen Veränderungen vor allem mit den Chancen für eine Gesellschaft. Viele dieser meist körperlich gesunden Menschen wollen so lange wie möglich in gesellschaftliche Aufgaben integriert sein.

      Mittwoch, 19.04.17
      23:00 - 00:00 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

      Wir leben heute länger, haben mit 50 noch rund 30 gesunde Jahre vor uns. Wie wollen wir umgehen mit dieser gewonnenen Zeit? Länger schlafen, die Welt bereisen, Rosen züchten? Und was, wenn alle diese Dinge getan sind? Die New Yorker Geriaterin Linda Fried nennt es einen ‚sputnik moment’ – eine der größten Chancen und Herausforderungen in der Geschichte der Menschheit, jedenfalls keine Katastrophe. Der Dokumentarfilm betrachtet die demografischen Veränderungen vor allem mit den Chancen für eine Gesellschaft. Viele dieser meist körperlich gesunden Menschen wollen so lange wie möglich in gesellschaftliche Aufgaben integriert sein.

       

      Wir leben heute länger, haben mit 50 noch rund 30 gesunde Jahre vor uns. Wie wollen wir umgehen mit dieser gewonnenen Zeit? Länger schlafen, die Welt bereisen, Rosen züchten? Und was, wenn alle diese Dinge getan sind? Die New Yorker Geriaterin Linda Fried nennt es einen ‚sputnik moment’ – eine der größten Chancen und Herausforderungen in der Geschichte der Menschheit, jedenfalls keine Katastrophe.

      Der Dokumentarfilm betrachtet die demografischen Veränderungen vor allem mit den Chancen für eine Gesellschaft. Viele dieser meist körperlich gesunden Menschen wollen so lange wie möglich in gesellschaftliche Aufgaben integriert sein – sei es arbeitend oder sozial engagiert und ehrenamtlich.

      Für Autorin und Produzentin Barbara Wackernagel-Jacobs, 66, war vor allem die überwiegend negative öffentliche Debatte der demografischen Veränderungen Auslöser für das Filmthema und die Recherche: „In unserer Gesellschaft ist es gelungen, erfolgreich alle medizinische Forschung zu nutzen, um den Menschen ein längeres Leben und länger gesundes Leben zu ermöglichen. Wer heute 50 ist, hat statistisch eine hohe Chance, noch 30 fitte Jahre vor sich zu haben. Statt dies zu gestalten, zu nutzen und wertzuschätzen, hören und lesen wir nur von demografischen Katastrophen, leeren Rentenkassen. Statt das Älterwerden neu zu erzählen und zu denken, verharren wir in alten Mustern. Statt die Kompetenz der Älteren für die Gesellschaft zu nutzen, übersehen wir, dass viele Menschen gerne länger aktiv und integriert sein möchten. Hier müssten die Medien, aber auch die politisch Verantwortlichen viel mehr den Blick auf die Chancen für unsere Gesellschaft richten, ermutigen statt entmutigen.“

      Wissenschaftler wissen längst, dass das Ende der Arbeit, mit Rente oder Frührente – auch wenn zunächst herbeigesehnt – häufig den Verlust von Tagesstruktur bedeutet, von Wertschätzung und Kompetenzerfahrung, von sozialen Beziehungen sowie von kognitiven Herausforderungen. Nicht selten tut sich ein ‚schwarzes Loch’ auf.

      Auf der anderen Seite stehen die Unternehmen heute mehr denn je vor den Herausforderungen des Fachkräftemangels, brauchen also das Fachwissen der Älteren. Und die Gemeinwesen brauchen eine engagierte und interessierte Bürgerschaft, engagierte Menschen sind wichtig. Nie waren diese Chancen zum Umdenken größer.

      Für Regisseur Lukas Schmid, 40, hat die Auseinandersetzung mit dem Filmthema auch die eigene Lebensplanung berührt. Zunächst war es für ihn die Chance, sich mit der Lebenssituation seiner Eltern auseinanderzusetzen, die gerade frisch in den Ruhestand gegangen waren. Aber spätestens bei den Dreharbeiten in USA stellte er fest, dass dieses Thema weit mehr mit ihm selbst zu tun hat, als ihm zu Beginn klar war. „Die Erkenntnis, meine eigene Lebensgestaltung fälschlich in die Jahre zwischen 20 und 50 zu pressen, obwohl mir ganz offensichtlich sehr viel mehr Zeit zur Verfügung stehen wird, traf mich mitten in die eigene Lebensplanung. Wir sind nicht einfach länger alt – wir leben länger! Das einmal verstanden, lassen sich Entscheidungen anders fällen. Ich habe mehr Zeit und freue mich darauf, viel mit ihr anzufangen“, so Lukas Schmid.

      Der Film betrachtet den Stand der Dinge in der medizinischen und psychologischen Wissenschaft, hört Experten, die schon lange um die großen Vorteile des Aktiv-Bleibens wissen, spürt Beispielen nach, geht unseren Altersbildern nach. Mehr und mehr wird klar, dass unser Leben nicht aus drei, sondern mindestens vier Lebensphasen besteht: nach Kindheit/Jugend/Ausbildung und Berufs- und Familienphase der 30-60jährigen liegt – vor dem Altsein – eine weitere aktive Phase: Frauen und Männer, deren Kinder aus dem Haus sind, die neue Ideen und Ziele angehen oder da, wo sie sind, gerne weitermachen. Wie die amerikanische Wissenschaftlerin Laura Carstensen im Film sagt, der demografische Wandel ist “ein Geschenk an Zeit”.

      „Altersbilder sind im Umbruch, noch fehlt eine neue Erzählung des Alters, eine neue Sprache, neue Begriffe. Aber das ist auch eine Chance, wir können gestalten. Also, älter: später“, zieht Produzentin Barbara Wackernagel-Jacobs ihr persönliches Fazit.

      Gedreht wurde der Film „Sputnik Momente“ in USA, Dänemark und Deutschland.


      Film von Barbara Wackernagel-Jacobs und Lukas Schmid

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