• 12.05.2013
      13:00 Uhr
      Philosophie Singen | arte
       

      Sprache scheint auf Kommunikation ausgerichtet zu sein, während es sich beim Gesang in erster Linie um reinen Ausdruck handelt. Wer singt, bedient sich einer Ursprache, die älter ist als das gesprochene Wort. Im Chaos des Alltags bietet der Gesang dem Menschen die Möglichkeit, sich einige Minuten lang auf seine nie ganz verstummende innere Melodie zu besinnen. Ist Singen ein Schutz gegen Desillusionierung und Verbitterung? Und warum sind schiefe Töne so schwer zu ertragen?

      Sonntag, 12.05.13
      13:00 - 13:25 Uhr (25 Min.)
      25 Min.
      Stereo

      Sprache scheint auf Kommunikation ausgerichtet zu sein, während es sich beim Gesang in erster Linie um reinen Ausdruck handelt. Wer singt, bedient sich einer Ursprache, die älter ist als das gesprochene Wort. Im Chaos des Alltags bietet der Gesang dem Menschen die Möglichkeit, sich einige Minuten lang auf seine nie ganz verstummende innere Melodie zu besinnen. Ist Singen ein Schutz gegen Desillusionierung und Verbitterung? Und warum sind schiefe Töne so schwer zu ertragen?

       

      Stab und Besetzung

      Regie Philippe Truffault
      Gast Vincent Delecroix

      Anknüpfend an den französischen Philosophen Clément Rosset und dessen "Regime der Leidenschaften und andere Texte" (2002), ergründen Raphaël Enthoven und sein Gast Vincent Delecroix, inwiefern das Singen eine menschliche Erfüllung und ein Mittel gegen den Schmerz darstellt. Sie zitieren den französischen Philosophen und Musikwissenschaftler Vladimir Jankélévitch, nach dem jemand, der mit sich selbst spricht, als Irrer wahrgenommen wird, wohingegen jemand, der für sich allein singt, als lebensfroher Mensch gilt. Der Gesang wird als reiner Ausdruck empfunden, Sprache immer als Kommunikation.

      Enthoven und Delecroix sprechen über den Gesang der Sirenen der Odyssee und Adornos und Horkheimers Interpretation dieses Mythos. Für einen ganz anderen Gesang hingegen steht Bianca Castafiore aus den "Tim und Struppi"-Comics. Sie verkörpert den Anti-Mythos des Falschsingens im Gegensatz zum erhabenen und verführerischen Gesang. Ein weiteres Thema des Gesprächs ist die lebendige Kraft des Gesangs, der seine Stärke auch daraus bezieht, dass er gleichzeitig Ausdruck unserer Sterblichkeit ist.

      Vincent Delecroix ist Absolvent der sozialwissenschaftlichen Elitehochschule "Sciences Po" und der École normale supérieure, die eine hochqualifizierte Ausbildung für Lehre und Forschung bietet. Der promovierte Philosoph ist Dozent für Religionsphilosophie an der École pratique des hautes études in Paris. Vincent Delecroix hat mehrere Essays, Romane und Erzählungen veröffentlicht. 2012 erschienen (jeweils bei Flammarion) seine neuesten Werke, "Chanter, reprendre la parole" und "Petite bibliothèque du chanteur", über die Bedeutung des Singens im Leben eines jeden Menschen.

      Schwerpunkt: Operntag
      Am 12. Mai beteiligen sich über 100 Opernhäuser in ganz Europa an den Europäischen Operntagen. ARTE unterstützt das Projekt und präsentiert eine Schwerpunkt-Programmierung ab 11.45 Uhr rund um diese Kunstform mit Sondersendungen, Konzerten und Opernübertragungen. Neben der Wagner-Oper "Der Fliegende Holländer" stehen "Don Pasquale" sowie weitere Opern-Specials auf dem Programm. Startenor Jonas Kaufmann führt durch das Opernprogramm.

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