• 10.05.2013
      14:05 Uhr
      Der jüdische Kardinal Fernsehfilm Frankreich 2012 (Le Métis de Dieu) | arte
       

      Aaron Jean-Marie Lustiger war, laut eigener Aussage, "eine lebende Provokation". Mit 14 Jahren entschied der Junge französisch-jüdischer Herkunft, sich katholisch taufen zu lassen. Später wurde er zunächst Priester, dann Erzbischof von Paris, Kardinal und schließlich einer der wichtigsten Berater um Papst Johannes Pauls II. Der Film erzählt die bewegte Lebensgeschichte eines Mannes, der sich zum bedeutenden Akteur der jüdisch-christlichen Beziehungen entwickelte.

      Freitag, 10.05.13
      14:05 - 15:40 Uhr (95 Min.)
      95 Min.
      Stereo HD-TV

      Aaron Jean-Marie Lustiger war, laut eigener Aussage, "eine lebende Provokation". Mit 14 Jahren entschied der Junge französisch-jüdischer Herkunft, sich katholisch taufen zu lassen. Später wurde er zunächst Priester, dann Erzbischof von Paris, Kardinal und schließlich einer der wichtigsten Berater um Papst Johannes Pauls II. Der Film erzählt die bewegte Lebensgeschichte eines Mannes, der sich zum bedeutenden Akteur der jüdisch-christlichen Beziehungen entwickelte.

       

      Aaron Jean-Marie Lustiger wurde gerade zu seiner großen Überraschung mitgeteilt, dass der Papst ihn zum Bischof von Orléans ernennt. Lustiger, auch "Lulu" genannt, ist kein konventioneller Geistlicher. Mit 14 Jahren, im Jahr 1940, ließ er sich gegen den Willen seiner Eltern katholisch taufen. Er verhält sich unkonventionell, er raucht viel und fährt ein Moped, seine Predigten sind energisch und modern.

      Als eine katholische Zeitung seine "jüdische Herkunft" betont, wehrt er sich vehement und provoziert einen Skandal, als er behauptet, er habe mit der Konvertierung zum Katholizismus dem Judentum keinesfalls abgeschworen. Gegenüber dem Journalisten sagt er, er sei "eine lebende Provokation, die viele dazu zwingt, das Wesen Christi zu ergründen."
      Sein Vater Charles, der von Polen nach Frankreich geflohen ist und dessen Frau im Jahr 1943 in Auschwitz ermordet worden war, akzeptiert die Entscheidung seines Sohnes nicht, das Angebot eines Papstes anzunehmen, der ausgerechnet auch noch Pole sei.

      Als Jean-Marie Lustiger den Papst trifft, ist er beeindruckt von seiner Persönlichkeit, seinen Ideen und seinem Humor. Die beiden Gottesmänner begegnen sich in einer ähnlichen Sicht der Welt und der Kirche. Da Johannes Paul II. Bewegung in die französische Kirche bringen will, hatte er Lustiger zum Bischof von Orléans ernannt. Bereits nach einem Jahr wird er Erzbischof von Paris und später auch Kardinal und Berater des Papstes.

      Aufgrund seiner jüdischen Wurzeln setzt sich Aaron Jean-Marie als Erzbischof besonders mit der Beziehung der Kirche zum Judentum auseinander. Spätestens nach dem Tod seines Vaters und einem Besuch in Auschwitz gerät Lustiger in eine Auseinandersetzung mit den Widersprüchen seiner doppelten Identität. Als 50 Jahre nach dem Holocaust ein Kloster im sogenannten "Theater" von Auschwitz - einem Gebäude, das im kirchlichen Besitz war und das mit seiner Rückseite an die Umgebungsmauer des Lagers grenzt - eingerichtet wird, erregt dies gewaltigen Protest und Empörung. Lustiger muss Stellung beziehen, teilweise auch gegen den Papst.

      Aaron Jean-Marie Lustiger (1936-2007), Erzbischof von Paris, war eine inspirierende Person, die nicht nur durch seine Konvertierung vom Judentum zum Katholizismus in der französischen und internationalen Öffentlichkeit Bekanntheit erlangte. Sein Kampf für die innerliche und religiöse Freiheit eines jeden Menschen, gegen Totalitarismus und Ideologie, Klerikalismus und Einheitsdenken trieb ihn dazu an, die französische Kirche stark zu reformieren.

      Ihm ist die Neustrukturierung der Priesterausbildung und des Theologie-Studiums ebenso zu verdanken, wie die Öffnung der Kirche für die Medien und die Gründung von katholischen Radio- und Fernsehsendern. Er war seit 1995 Mitglied der Académie Française und ein Hauptakteur der jüdisch-katholischen Beziehungen.

      Der biografische Film von Ilan Duran Cohen konzentriert sich vor allem auf die Auseinandersetzung des Geistlichen mit seiner Herkunft und seiner strategischen Rolle zwischen Christentum und Judentum. Dementsprechend wurden gewisse Freiheiten in der Erzählung vorgenommen, wie die Tatsache, dass er Einzelkind war. Der Film liefert eine Interpretation der inneren Kämpfe des Kirchenmannes. Diese werden subtil mit der wandelnden Innen- und Außenpolitik der katholischen Kirche unter Johannes Paul II. verbunden.

      Ilan Duran Cohen ist in Israel geboren und französischer Regisseur, Schriftsteller und Drehbuchautor. Zu seinen Filmen zählen "Man liebt es unentschieden" (2000), "Le Petit Fils" (2004), "Der Liebespakt - Simone de Beauvoir und Sartre" (2006) und "Wenn Spione singen" (2007).

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      14:05 - 15:40 Uhr (95 Min.)
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