• 01.12.2012
      16:45 Uhr
      Metropolis arte
       

      Themen:

      • Metropolenreport Riga
      • Tutto perdutto? Der Dokumentarfilm "Das Venedig Prinzip" erzählt vom Ausverkauf der Lagunenstadt
      • Die Krise auf der Straße: Der Brite Lee Bofkin baut das weltweit erste Archiv für Street Art auf
      • "Mythos Überfremdung": Der kanadische Journalist und Publizist Doug Saunders räumt mit islamfeindlichen Vorurteilen auf
      • "Land ohne Eltern": Die Lebenssituation von Arbeitsmigranten aus Moldavien
      • Sie nannten ihn Lee: Ein sensationeller Bildband und eine Biografie blicken zurück auf die Welt des Modedesigners Alexander McQueen
      • Vom Investmentbanker zum Möbeldesigner: Atelierbesuch bei Rolf Sachs

      Samstag, 01.12.12
      16:45 - 17:35 Uhr (50 Min.)
      50 Min.

      Themen:

      • Metropolenreport Riga
      • Tutto perdutto? Der Dokumentarfilm "Das Venedig Prinzip" erzählt vom Ausverkauf der Lagunenstadt
      • Die Krise auf der Straße: Der Brite Lee Bofkin baut das weltweit erste Archiv für Street Art auf
      • "Mythos Überfremdung": Der kanadische Journalist und Publizist Doug Saunders räumt mit islamfeindlichen Vorurteilen auf
      • "Land ohne Eltern": Die Lebenssituation von Arbeitsmigranten aus Moldavien
      • Sie nannten ihn Lee: Ein sensationeller Bildband und eine Biografie blicken zurück auf die Welt des Modedesigners Alexander McQueen
      • Vom Investmentbanker zum Möbeldesigner: Atelierbesuch bei Rolf Sachs

       
      • Metropolenreport Riga

      Riga ist die größte der drei schönen, wilden Schwestern des Baltikums. Alte Hauptstadt der jungen Republik Lettland: 1991 unabhängig, 2004 EU-Mitglied. Mit ihren Backsteintürmen, gotischen Giebeln und Gildehäusern behauptet die 1201 von einem Bremer Bischof gegründete Stadt längst ihren Platz als UNESCO-Weltkulturerbe. Jenseits der hanseatischen Altstadt beginnt eine neue Welt: das "Paris des Nordens" mit Parkanlagen, breiten Boulevards und mehrstöckigen Wohnhäusern in einem Jugendstil, der an Pracht und Fülle Brüssel und Wien in den Schatten stellt. Mehr als 800 Gebäude feiern die neue Kunst der Belle Epoque. Verschwenderisch dekorierte Mietshäuser, die ganze Straßenzüge füllen. Der verrückteste Zuckerbäcker unter den Architekten: Michail Eisenstein, Vater des Filmregisseurs Sergei.

      Architektur und Musik sind Rigas Hauptpfeiler. Traditioneller Leuchtturm: die Oper, eine Sprungschanze für Weltkarrieren. Wie das geht, weiß die gefeierte Sopranistin Kristine Opolais. Auf den Bühnen Europas zuhause, kehrt sie immer wieder nach Riga zurück. Was sich auf der anderen Seite der breiten und träge dahin fließenden Düna tut, erzählen Künstler, Architekten, Dichter, die dort wohnen, wo sich Riga ständig neu erfindet - in einer Stadt, die 2014 Kulturhauptstadt Europas ist.

      • Tutto perdutto? Der Dokumentarfilm "Das Venedig Prinzip" erzählt vom Ausverkauf der Lagunenstadt

      Venedig, das ist Romantik pur, der Sehnsuchtsort der Europäer, der Traum der Amerikaner, die Knipsoase für Japaner. Doch die schönste Stadt der Welt wird abends zur Geisterstadt, ganze Viertel stehen leer, die Jugend zieht raus, die Alten bleiben, sofern sie die Mieten noch bezahlen können. Die Stadt ist zur Kulisse geworden - für Touristen und reiche Immobilienspekulanten. Das zeigt der beeindruckende Dokumentarfilm "Das Venedig- Prinzip" von Andreas Pichler, der am 06.12. in Deutschland und im nächsten Jahr in Frankreich startet. Ein Requiem auf eine grandiose Stadt und ein Hohelied auf Witz und Herz der letzten Venezianer, die aus unterschiedlichsten Perspektiven vom Niedergang ihrer Lagune erzählen. "Metropolis" hat den Regisseur in Berlin getroffen.

      • Die Krise auf der Straße: Der Brite Lee Bofkin baut das weltweit erste Archiv für Street Art auf

      Street Art ist eine ephemere Kunst. Sie verblasst, wird übersprüht, bemalt oder weggeschrubbt. Er will sie ihrer Vergänglichkeit entreißen: Lee Boflin, ein ehemaliger Breakdancer, studierter Mathematiker und promovierter Evolutionshistoriker. Der Londoner baut derzeit das Archiv "Global Street Art" auf, das erste Archiv, das Graffitis aus aller Welt sammelt, sortiert und bewahrt. "Street Art ist wie eine Linse, durch die man die Themen der Zeit sieht", sagt Bofkin. Eine Kunstform, deren Reiz in ihrer Unmittelbarkeit und Spontaneität liegt. Sie reflektiert das, was Menschen bewegt, sie ist ein Phänomen der Straße, sie ist öffentlich. Bofkin reiste mit der Kamera durch die ganze Welt und fotografiert Graffitis. 80 Städte hat er auf seinen Reisen abgescannt. Mehr als 50.000 Fotos von Graffitis aus Ländern aller Kontinente hat er inzwischen beisammen, sortiert nach Künstlern, Technik, Fundorten, Oberflächen. Zusammen mit einem Web-Entwickler baut er sein "Global Street Art" Projekt auf. "Metropolis" hat ihn mit dem Mountainbike durch London begleitet - auf der Suche nach bemalten Wänden

      • "Mythos Überfremdung": Der kanadische Journalist und Publizist Doug Saunders räumt mit islamfeindlichen Vorurteilen auf

      Mit der Angst vor dem Fremden wird Politik gemacht: Längst sind Warnungen vor der Überfremdung des Westens durch muslimische Einwanderer salonfähig geworden. Der Mythos, der säkulare, geburtenschwache, wirtschaftskrisengebeutelte Westen werde von integrationsunwilligen muslimischen Einwanderern überspült und ausgehöhlt ist vom rechten Rand in die Mitte der Gesellschaft gelangt. Europaweit und in den USA. Dem Weltbild von paranoiden Extremisten wie Anders Breivik, von Parteiführern vom Schlage Geerd Wilders oder Agitatoren wie Thilo Sarrazin, der mit seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" hierzulande eine Kulturkampfdebatte ausgelöst hat ist dabei eines gemein: Ihre muslimfeindliche Rhetorik bedient sich vermeintlich stichhaltiger, statistischer und pseudowissenschaftlicher Argumente, die von Stereotypen und Vorurteilen geprägt ist. Doug Saunders widerlegt jetzt in seinem gerade in Deutschland erschienenen Buch "Mythos Überfremdung- Eine Abrechnung" (Blessing Verlag) die gängigen Thesen dieses Schreckensszenarios. Dabei entwickelt er in seinem aktuellen Buch die Erkenntnisse aus seinem früheren Werk "Arrival City" (Blessing Verlag) , das im März auch in Frankreich erscheinen wird weiter und widerspricht hier wie dort der weit verbreiteten Ansicht, Neuankömmlinge aus fremden Kulturen stellten eine Gefahr für den Westen dar. Er zeigt vielmehr die Chancen der Migration auf und gibt überraschende Antworten, wie Integration von Migranten gelingen kann wie auf die größte Völkerwanderung in der Geschichte zu reagieren ist. "Metropolis" trifft Doug Saunders in Toronto.

      • "Land ohne Eltern": Die Lebenssituation von Arbeitsmigranten aus Moldavien

      Das was sie erleben ist ein Trauma: in Moldavien, frühere Sowjetrepublik und ärmstes Land Europas wächst eine ganze Generation ohne ihre Mütter, ohne ihre Eltern auf. Die verdingen sich als zumeist illegale Arbeitsmigranten in unseren westeuropäischen Städten, wo es einen Bedarf gibt an billigen Arbeitskräften. Schlepperbanden schleusen sie für viel Geld aus ihrer Heimat, damit sie im Ausland den Unterhalt für ihre Familien verdienen können. Die Arbeitslosigkeit in Moldavien beträgt 80 Prozent. Von vier Millionen Moldauern hat eine Million das Land verlassen. Zurück bleiben die Kinder. Etwa 40.000 sind es. Sozialwaisen. Ihr Schicksal und das ihrer Mütter und Väter haben jetzt die deutsche Fotografin Andrea Diefenbach und der österreichische Filmemacher Ed Moschitz dokumentiert. Für ihre Fotoserie "Land ohne Eltern", die jetzt im Kehrer Verlag erschienen ist, wurde Diefenbach mit dem Dokumentarfotografie-Förderpreis der Wüstenrot Stiftung ausgezeichnet. Ihre Fotografien sind schmerzhafte Zeugnisse zweier getrennter Welten. Diefenbach hat die Dörfer besucht, die Schulen, in deren kalten Klassenräumen zwei Drittel der Sechsjährigen mit Wollmützen ihre Eltern oft seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Über sieben Jahre hinweg hat Ed Moschitz für seinen Film "Mama Illegal" die Mütter in der Illegalität sowie die Familien in Moldawien mit der Kamera begleitet. Entstanden ein erschütternder Film über Menschen, die keine Geschichte haben, weil sie versteckt leben, über Familien, die an ihrem Schicksal zerbrechen und darüber, dass der Westen Teil dieses Migrantenproblems ist. "Mama Illegal" tourt derzeit durch Europa, Anfang Dezember wird der Film in Brüssel im Europa Parlament aufgeführt, um die Politik auf die Probleme von Migranten und deren Familien aufmerksam zu machen. "Metropolis" stellt den Film und das Fotoprojekt vor und wirft mit der Fotografin Andrea Diefenbach und dem Filmemacher Ed Moschitz einen Blick auf ein Land, dessen Zukunft wohl darin besteht, dass die Kinder das Leben der Eltern wiederholen.

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      Samstag, 01.12.12
      16:45 - 17:35 Uhr (50 Min.)
      50 Min.

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