• 25.06.2012
      20:15 Uhr
      Fontane - Effi Briest Spielfilm Deutschland 1974 - Zum 30. Todestag Rainer Werner Fassbinders | arte
       

      Die 17-jährige Effi Briest wird mit dem viel älteren Baron Geert von Instetten verheiratet. Unglücklich über ihren lieblosen Ehealltag mit dem ehrgeizigen Baron, beginnt sie ein Verhältnis mit Major Crampas. Als ihr Mann Jahre später hinter die Liebschaft seiner Frau kommt, fordert er Crampas zum Duell heraus und tötet ihn. Er verstößt Effi, die bald darauf ihren Lebenswillen verliert und stirbt.

      Montag, 25.06.12
      20:15 - 22:30 Uhr (135 Min.)
      135 Min.
      Stereo HD-TV

      Die 17-jährige Effi Briest wird mit dem viel älteren Baron Geert von Instetten verheiratet. Unglücklich über ihren lieblosen Ehealltag mit dem ehrgeizigen Baron, beginnt sie ein Verhältnis mit Major Crampas. Als ihr Mann Jahre später hinter die Liebschaft seiner Frau kommt, fordert er Crampas zum Duell heraus und tötet ihn. Er verstößt Effi, die bald darauf ihren Lebenswillen verliert und stirbt.

       

      Die 17-jährige Effi Briest wird von ihren ehrgeizigen Eltern mit dem 20 Jahre älteren Baron Geert von Instetten verheiratet. Instetten ist eine "gute Partie". Er ist Landrat in dem pommerschen Städtchen Kessin, und sein Ehrgeiz lässt vermuten, dass er es noch weit bringen wird.

      Doch Effi ist sowohl in ihrer neuen Heimat an der Ostsee als auch in ihrer Ehe unglücklich. Auf dem neuen Anwesen ist sie einsam und - wie sie selbst erkennt - nur von "mittelmäßigen Menschen von zweifelhafter Liebenswürdigkeit" umgeben. Von ihrem karrierehungrigen und strengen Mann fühlt sie sich ungeliebt. Sie beginnt eine Beziehung mit Major Crampas, dem auch ihr Mann freundschaftlich verbunden ist. Die Beziehung endet, als Effi und der Baron nach Berlin ziehen.

      Als ihr Mann Jahre später zufällig Briefe findet und hinter ihr Verhältnis kommt, fordert er Crampas zum Duell heraus und tötet ihn. Er verstößt Effi und behält die gemeinsame Tochter Annie. Einer Rückkehr ins Elternhaus stimmen Effis Eltern aufgrund ihrer strengen Moralvorstellungen zunächst nicht zu. Effi verliert daraufhin ihre Lebenskraft. Als sich der psychische Zustand ihrer Tochter verschlechtert, nehmen sie die Eltern endlich auf. Auf ihrem Gut stirbt Effi schließlich an gebrochenem Lebenswillen.

      Nach dem Roman "Effi Briest" von Theodor Fontane zeigt Rainer Werner Fassbinder in seinem Film, wie eine Gesellschaft mit emotionaler und physischer Brutalität ihre herrschenden Werte von Ehre und Moral erhält. Widerstand gibt es keinen, weder von der verstoßenen Effi selbst noch ihren Eltern, die die Verurteilung als gesellschaftlich normalen Vorgang akzeptieren.

      Fassbinder hat die filmische Umsetzung des Romans mit strenger Konsequenz betrieben. Er zeichnet die Zeit und das Milieu in einer überaus nuancierten Schwarzweiß-Fotografie. Der Zuschauer wird nicht mit suggestiven Bildern erschlagen, sondern der Film berichtet behutsam und gründlich, ja fast detailbesessen die Geschichte Effies. Fassbinder versucht keine Aktualisierung der literarischen Vorlage, bekennt sich vielmehr durch Schriftinserts und einen kommentierenden Erzähler zu ihr und macht dabei durch seine einfühlsame Interpretation des Romans seine überzeitliche Wirkung sichtbar.

      Dazu Fassbinder: "Ich meine, man soll an dem fertigen Film ganz klar merken, dass das ein Roman ist, und dass an dem Roman nicht das wichtigste ist, dass er eine Geschichte erzählt, sondern wie er sie erzählt. Die bisherigen 'Effi-Briest'-Verfilmungen zeigen sehr wenig von der Zeit und von Fontanes Sicht dieser Zeit. Ich finde das verkehrt, es sollte immer spürbar sein, dass das eine von jemand einmal erzählte Geschichte ist. Wie und warum die Geschichte so erzählt worden ist, das muss sich durch den Film übertragen."

      Und Fassbinder weiter über den Film: "Dies ist kein Frauenfilm, sondern ein Film über Fontane, über die Haltung eines Dichters zu seiner Gesellschaft. Es ist kein Film, der eine Geschichte erzählt, sondern es ist ein Film, der eine Haltung nachvollzieht. Es ist die Haltung von einem, der die Fehler und Schwächen seiner Gesellschaft durchschaut und sie auch kritisiert, aber dennoch diese Gesellschaft als die für ihn gültige anerkennt... Mein Problem ist gewesen, meine Haltung zu der Gesellschaft, in der ich lebe, dadurch klar zu machen, indem ich versuche, einen Film über Fontane zu machen."

      • Filmreihe zum 30. Todestag Rainer Werner Fassbinders

      "Ich hatte nur diese bestimmte Zeit ...": Er war der produktivste und kreativste Filmemacher seiner Generation. Als Rainer Werner Fassbinder am 10. Juni 1982, zehn Tage nach seinem 36. Geburtstag, starb, war sofort klar, wie groß der Verlust war, von dem der deutsche Film durch diesen frühen Tod betroffen wurde. Heute ist es Gewissheit: Auch 30 Jahre nach seinem Tod hat sich kein deutscher Regisseur gefunden, der ebenso beharrlich und intensiv vom Hier und Jetzt erzählt. Mit Fassbinder hat der deutsche Film seine vitalste Kraftquelle verloren.
      Geboren am 31. Mai 1945, im selben Jahr wie Wim Wenders und der Generation Werner Herzogs, Volker Schlöndorffs und Alexander Kluges angehörend, galt Rainer Werner Fassbinder zunächst als das Wunderkind des Neuen Deutschen Films, später als "agent provocateur" im deutschen Kulturbetrieb. Das Multitalent zeichnete nicht nur als Drehbuchautor und Regisseur verantwortlich, sondern übernahm auch die Ausstattung, Kamera und Schnitt, und spielte in vielen seiner eigenen Filme mit.

      Über 40 Kino- und Fernsehfilme sowie drei Kurzfilme hat der Autodidakt zwischen 1969 und 1982 gedreht. In jungen Jahren hatte er vergeblich versucht, an verschiedenen Schauspielschulen aufgenommen zu werden und gründete daraufhin sein eigenes Ensemble, mit dem er "Unbehagen an Einrichtungen des Bürgertums" schaffen wollte: das Antiteater. Viele Schauspieler aus dieser Zeit begleiteten Fassbinder seine ganze Karriere lang und gelangten selbst zu hoher Bekanntheit, wie etwa seine Muse Hanna Schygulla.

      ARTE zeigt acht der bekanntesten Spielfilme Rainer Werner Fassbinders, zwei seiner Kurzfilme sowie zwei Dokumentarfilme über den außergewöhnlichen Filmemacher.

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