• 13.03.2012
      00:05 Uhr
      Bambule Fernsehfilm Deutschland 1970 - Filmreihe: Verbotene Filme | arte
       

      "Bambule" ist ein engagiert-gesellschaftskritisches Fernsehspiel gegen autoritäre Heimerziehung aus der Feder von Ulrike Meinhof, der berühmt gewordenen Mitbegründerin und Ideologin der linksextremistischen Rote Armee Fraktion (RAF).

      Nacht von Montag auf Dienstag, 13.03.12
      00:05 - 01:35 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

      "Bambule" ist ein engagiert-gesellschaftskritisches Fernsehspiel gegen autoritäre Heimerziehung aus der Feder von Ulrike Meinhof, der berühmt gewordenen Mitbegründerin und Ideologin der linksextremistischen Rote Armee Fraktion (RAF).

       

      West-Berlin in den 60er Jahren: Irene, Monika und Iv leben in dem geschlossenen Mädchenheim Lindenhof. Dort herrscht ein autoritäres Regime, man darf sich weder nachmittags auf dem Hof aufhalten, noch ungefragt Telefonanrufe entgegennehmen. Tagsüber müssen die Mädchen für einen Hungerlohn industrielle Arbeiten verrichten.

      Am frühen Morgen unternehmen Irene und Monika einen Fluchtversuch, der für Irene draußen, für Monika jedoch in der Arrestzelle endet. Dort vertraut sie einer verständnisvollen Heimerzieherin ihre Lebensgeschichte an. Früh schon wurde sie von ihrer Stiefmutter schikaniert und in Heime und ins Kloster abgeschoben.

      Irene sieht sich indessen in ihrer vermeintlichen Freiheit bald unerwarteten Problemen ausgesetzt. Von ihrer Mutter und Großmutter abgewiesen und ohne Papiere, kommt sie zunächst bei zwei ehemaligen Heiminsassinnen unter, die sich mittlerweile mit Prostitution über Wasser halten.

      Die aufmüpfige Iv lässt derweil keine Gelegenheit außer Acht, um im Heim einen Aufstand anzuzetteln. In der Nacht gelingt es ihr schließlich, auch die anderen Heiminsassinnen anzustacheln: Die Nachtwächterin bekommt es mit einer handfesten "Bambule" zu tun.

      Der Film sollte ursprünglich am 24. Mai 1970 in der ARD gezeigt werden, doch der Sendetermin wurde kurzfristig abgesagt. Der Grund: Zehn Tage zuvor beteiligte sich Ulrike Meinhof an der Befreiung des Brandstifters Andreas Baader. Während das Drehbuch schon 1971 in Buchform unter dem Namen "Bambule. Fürsorge - Sorge für wen?" erschien, verstaubte der Film 24 Jahre im Giftschrank und wurde erst 1994 aufgeführt.

      Im engen Zusammenhang der sozialkritischen Debatten der 68er Bewegung entstanden, ist "Bambule" eine klare Parteinahme in der "Heimkampagne" der APO von 1969. Regisseur Eberhard Itzenplitz sagt über Ulrike Meinhofs Motivation für "Bambule": "Am liebsten hätte sie in jedem szenischen Dialog einen flammenden Appell untergebracht."

      Ulrike Meinhof arbeitete in den 60er Jahren als Journalistin und vier Jahre lang als Chefredakteurin der Zeitschrift "Konkret". In vielen Artikeln und Fernsehreportagen für das ARD-Magazin "Panorama" setzte sie sich engagiert für die Aufdeckung sozialer Missstände ein. "Bambule" ist ihr einziges Fernsehspiel aus dieser Zeit. Aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der linksradikalen Terrorzelle wurde sie schließlich zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt und beging am 9. Mai 1976 in ihrer Haftzelle in Stuttgart-Stammheim Selbstmord.

      Regisseur und Koautor Eberhard Itzenplitz engagierte sich ebenfalls für zeitkritische Themen. Unter anderem führte er Regie bei "Die Dubrow Krise" (1969), einer der ersten Komödien über die deutsch-deutsche Teilung, aber auch bei Fernsehserien wie "Tatort" (1981) oder "Der Alte" (1988).

      ARTE zeigt drei Filme, die jahrelang der Zensur unterlagen. Neben "Schlacht um Algier" (1965) über Greueltaten während des Algerienkrieges und dem DEFA-Film "Sonnensucher" (1958) läuft "Bambule" (1970), der 24 Jahre lang im "Giftschrank" des Südwestfunks lag, da Co-Autorin Ulrike Meinhof kurz vor der geplanten Ausstrahlung an der Befreiung von Andreas Baader beteiligt war.

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      Nacht von Montag auf Dienstag, 13.03.12
      00:05 - 01:35 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

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