• 25.02.2012
      01:20 Uhr
      Tracks Magazin Frankreich 2012 | arte
       

      Diese Woche in "Tracks": Johnny Winter oder Blues forever, Oleg Kulik und seine tierischen Leidenschaften, Marjane Satrapi mag es süß-sauer, Dada-Pop fegt die Krise unter den Teppich, und Kvelertak grölt sich auf der Bühne heiser.

      Nacht von Freitag auf Samstag, 25.02.12
      01:20 - 02:15 Uhr (55 Min.)
      55 Min.
      Stereo

      Diese Woche in "Tracks": Johnny Winter oder Blues forever, Oleg Kulik und seine tierischen Leidenschaften, Marjane Satrapi mag es süß-sauer, Dada-Pop fegt die Krise unter den Teppich, und Kvelertak grölt sich auf der Bühne heiser.

       
      • Johnny Winter: Der letzte Gitarrengott des Bluesrock

      Der 1943 in Texas geborene Johnny Winter gründete seine erste Band im Alter von neun Jahren zusammen mit seinem Bruder Edgar, einem Albino wie er selbst. Nachdem er zehn Jahre lang durch die schwarzen Clubs im amerikanischen Süden getingelt war, wurde der leidenschaftliche Bluesrock-Gitarrist 1968 vom Plattenlabel Columbia entdeckt, das den "weißen Jimi Hendrix" suchte. Er unterzeichnete einen Vertrag und erhielt den üppigsten Newcomer-Vorschuss der noch jungen Rockgeschichte. Aber Johnny hielt den Tourneestress eines Rockstars nicht durch: Er verfiel dem Heroin und dem Alkohol und verbrachte über zwanzig Jahre seines Lebens mehr oder weniger im Dauerrausch. Zu Beginn des neuen Jahrtausends feierte er in Begleitung seines Bassisten sein Comeback auf der Bühne - wegen einiger Herzattacken allerdings im Sitzen. Im tiefsten Innern immer noch ein Bluesman, besann er sich denn auch auf den Blues seiner früheren Idole Son House und Muddy Waters. Mit letzterem produzierte er mehrere Grammy-gekrönte Alben. Im Alter von 69 Jahren steigt der letzte "Guitar Hero" im Rahmen einer Welttournee mit 110 Konzertstationen (alle ausgebucht!) auch auf die Bühne des Pariser Olympia.

      • Oleg Kulik: Art Animal

      Am 24. Oktober 2008 beschlagnahmte die Polizei auf der Pariser Kunstmesse FIAC Fotos des umstrittenen russischen Künstlers Oleg Kulik, auf denen dieser Sex mit Tieren nachstellte. Schon in früheren Zeiten hatte der Provokateur dadurch von sich reden gemacht, indem er im wahrsten Sinne ein Hundeleben führte: Nackt, angekettet und auf allen Vieren erschreckte er knurrend und beißend Galeriebesucher. In Russland hatte der Künstler mit den tierischen Leidenschaften die "Partei der Tiere" gegründet und für die Präsidentschaftswahlen kandidiert. Oft zensiert, aber nie ins Exil verbannt, war Kulik zum Zeitpunkt des Niedergangs der Sowjetunion Direktor der einzigen Moskauer Kunstgalerie für zeitgenössische Kunst. Jetzt hat er Halsband und Leine abgelegt und widmet sich liturgischen Inszenierungen, etwa Monteverdis "Vesper der seligen Jungfrau" und Händels "Messias".

      • Dada-Pop zieht um die Welt

      Eine neue Generation von Performern dreht der Krise mit groteskem Humor und skurrilen Shows eine lange Nase: Dada-Pop heißt die neue Szene. Der Slowene Magnifico beispielsweise hat seinen früheren Beruf als Bankangestellter an den Nagel gehängt und setzt sich jetzt mit seinen Quatsch-Shows für die Sache der Sinti und Roma ein. Die neuseeländische Experimentalpop-Kombo "Orchestra of Spheres" tritt in leuchtfarbenen Overalls auf und macht Musiktherapie nach Kiwi-Art. Sängerin Maylee Todd aus Kanada wendet Methoden aus der Stand up-Comedy an und Silverio, der mexikanische Elektro-Macho, rüttelt sein Publikum mit Mezcal, Schmähungen und roten Hot Pants wach.

      • Marjane Satrapi: "Huhn mit Pflaume"

      Idioten gibt es überall. Nach den Berechnungen von Marjane Satrapi machen sie rund 15 % der Gesamtbevölkerung aus. Die iranisch-französische Comic-Autorin, die zu Zeiten des Schahs in Teheran in einer Familie von intellektuellen Kommunisten aufwuchs, setzt sich weniger mit dem Schock der Kulturen auseinander als mit dem Konflikt zwischen "fanatischen Idioten" und dem Rest der Welt. Den Durchbruch brachte ihr "Persepolis", der als Animationsverfilmung 2007 auf den Internationalen Filmfestspielen in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Die Comiczeichnerin prangert darin den Obskurantismus der iranischen Revolution an und räumt mit religiösen, politischen und kulturellen Vorurteilen auf. Jetzt verfilmte sie ihren Comic "Huhn mit Pflaume" mit echten Schauspielern (u. a. Mathieu Amalric und Jamel Debbouze). Das poetische und melancholische Märchen ist eine Ode an den Genuss von Liebe und Essen, in den Augen Satrapis zwei gute Gründe, unsere Existenz auf Erden zu rechtfertigen. "Tracks" traf die Autorin bei der Vorpremiere ihres Films auf dem Festival Temps d'Images.

      • Kvelertak: Metal aus dem hohen Norden

      Im norwegischen Stavanger gibt es nicht nur Heringsangler, sondern auch waschechte Metalrocker. Den besten Beweis dafür liefert die Band Kvelertak (norwegisch für "Würgegriff"). Die Band, die zum Aufheizen ihres Publikums gerne mal Mikrofonständer in dasselbe wirft, hat sich bereits eine Goldene Schallplatte verdient und wurde im März 2011 auf den Spellemansprisen (der norwegischen Version der Grammy Awards) als "Best Newcomer" und "Best Rockband" gekürt. Jetzt kommen Kvelertak nach Paris und grölen dort auf Norwegisch ihre Wikingergeschichten, lautstark unterstützt von den drei Gitarristen der Band. Sänger Erlend Hjelvik, der seine Karriere als Pizzabäcker aufgab, um sich voll und ganz der Band zu widmen, und Gitarrist Vidar Landa haben sich bereit erklärt, für den Psycho-LP-Test in die Plattenkiste zu greifen.

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      Nacht von Freitag auf Samstag, 25.02.12
      01:20 - 02:15 Uhr (55 Min.)
      55 Min.
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