• 24.02.2012
      02:10 Uhr
      Das Jahr des Frühlings Dokumentarfilm Deutschland 2012 - Thema: Arabische Revolutionen | arte
       

      Das Jahr 2011 wird als ein Jahr der Zeitenwende in die Geschichte eingehen. Ein Sturm der Wut und des Protestes gegen korrupte, überlebte Regimes hat in der arabischen Welt vielerorts die Diktatoren hinweggefegt.

      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 24.02.12
      02:10 - 03:40 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      HD-TV Stereo

      Das Jahr 2011 wird als ein Jahr der Zeitenwende in die Geschichte eingehen. Ein Sturm der Wut und des Protestes gegen korrupte, überlebte Regimes hat in der arabischen Welt vielerorts die Diktatoren hinweggefegt.

       

      Auslöser des Flächenbrandes war die Selbstverbrennung des jungen Tunesiers Mohammed Bouazizi. Er hatte trotz Studiums kaum Chancen, jemals eine anständige, existenzsichernde Arbeit zu erhalten. Die demütigenden Misshandlungen in Polizeigewahrsam ließen ihm ein Weiterleben sinnlos erscheinen.

      Hätte man hundert Experten gefragt, ob ein solches Ereignis eine revolutionäre Welle auslösen könnte, hätten alle hundert das sicher verneint, so der ägyptische Publizist Hisham Kassem. Die Geschwindigkeit der revolutionären Welle hat alle überrascht, ausländische Staaten ebenso wie Geheimdienste, die bekämpften Regimes und nicht zuletzt die Protagonisten der Revolution selbst.

      Bald zeigten sich die Unterschiede zwischen den Nationen und ihren Regimes. In Libyen wären die Rebellen ohne die NATO-Unterstützung kaum siegreich gewesen. In Tunesien wurden Wahlen abgehalten, bei denen die sich auf den Islam berufende Partei "Ennahda" (Wiedergeburt) als Siegerin hervorging. Sie betont zwar, die Prinzipien der Demokratie und Toleranz zu akzeptieren, aber die jungen Menschen, die die Revolution vorantrieben, und die Frauen misstrauen diesen Bekundungen. In Ägypten herrscht seit dem Sturz Mubaraks das Militär, das sich auf die Seite der Demonstranten geschlagen hatte. Doch so richtig wollen die Generäle die Macht nicht aufgeben und sich einer demokratisch gewählten Regierung unterstellen. Andererseits brachten die ersten Wahlen einen Sieg der Muslimbrüder und - für viele erschreckend - starke Stimmanteile für die Salafisten, Befürworter eines radikalen Islamismus.

      In Syrien versucht Präsident Baschar al-Assad die Macht seines Familienclans mit allen Mitteln zu erhalten. Woher nehmen die Menschen den Mut, trotzdem jeden Tag zu protestieren? Sie haben kreative Formen des Protestes entwickelt, wie Tänze, Graffitis, Satire im Internet. Aber die Gründung der Freien Syrischen Armee durch desertierte Soldaten führte zu gezielten bewaffneten Aktionen gegen militärische Einrichtungen des Regimes. Damit wächst die Gefahr eines Bürgerkrieges.

      Im Jemen ist die Revolution nach einem Jahr ausgebremst. Präsident Saleh, seit 33 Jahren im Amt, ist zurückgetreten, aber wird weiter als graue Eminenz im Hintergrund die Fäden ziehen. Außerdem tobt hinter der Revolution ein Kampf der traditionell mächtigen Stammesverbände, die ihre Pfründe und Einflussbereiche erhalten wollen. Verträgt sich eine Stammesgesellschaft mit der Demokratie?

      In all diesen Ländern und innerhalb der einst gegen die Diktaturen einigen Opposition schwelt der Konflikt zwischen den Kräften der Erneuerung und jenen, die eher eine religiös definierte Tradition restaurieren wollen als die Gesellschaft zu demokratisieren. Werden die Losungen der Arabischen Revolution "Brot, Freiheit, Würde" sich verwirklichen lassen oder werden diese großen geschichtlichen Umwälzungen in der arabischen Welt wieder in einer epochalen Enttäuschung enden?

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      02:10 - 03:40 Uhr (90 Min.)
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