• 23.02.2012
      12:05 Uhr
      Gemeinsam sind wir stark! Dokumentation Frankreich 2011 - Thema: Wege aus der Arbeitslosigkeit | arte
       

      Die Dokumentation zeigt am Beispiel Baden-Württembergs, dass die geringe Arbeitslosenquote in Deutschland allerdings keine Garantie gegen Prekarität und Verarmung ist.

      Donnerstag, 23.02.12
      12:05 - 12:30 Uhr (25 Min.)
      25 Min.
      Stereo

      Die Dokumentation zeigt am Beispiel Baden-Württembergs, dass die geringe Arbeitslosenquote in Deutschland allerdings keine Garantie gegen Prekarität und Verarmung ist.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Nadya Charvet

      Obwohl Deutschland härter von der Rezession getroffen wurde als Frankreich, wurden hier zwischen 2008 und 2010 fünfmal weniger Menschen entlassen als im Nachbarland. Die Arbeitslosigkeit ist weiterhin rückläufig. Doch die Sicherung der Arbeitsplätze wäre allein durch den massiven Einsatz von Kurzarbeit nicht möglich gewesen. Seit den 90er Jahren haben deutsche Unternehmen bei den Tarifverhandlungen im Gegenzug zu Arbeitsplatzgarantien mehr Flexibilität ausgehandelt und die Gewerkschaften den Verzicht auf Sozialleistungen akzeptiert, um Entlassungen zu vermeiden.

      20 Jahre später zeigt sich, wie wirksam diese Maßnahmen in einer der schlimmsten Krisen waren. Während Europa mühsam versucht, aus der Talsohle zu kommen, und überall erschreckend hohe Arbeitslosenzahlen gemeldet werden, scheint das deutsche Modell Stärke zu zeigen. Dennoch wird es in Frankreich häufig mit Skepsis betrachtet. Die Dokumentation zeigt die Grundphilosophie dieses Modells sowie seine Licht- und Schattenseiten am Beispiel des Wirtschaftswunderlandes Baden-Württemberg. Das "Ländle" wurde von der Rezession besonders schwer getroffen und erlebt derzeit einen umso spektakuläreren Aufschwung. In der Industrie ziehen Unternehmer und Gewerkschaften an einem Strang, wenn es um den Arbeitsmarkt und die Bewahrung von Know-how geht.

      Doch anderswo sieht die Realität weniger rosig aus. Die Hartz-Reform hat in den Jahren nach 2000 Millionen Beschäftigte in prekäre Verhältnisse gestürzt. Deutschland habe, so ist in der Dokumentation zu hören, sein weltweit als besonders fortschrittlich geltendes Sozialmodell geopfert. Selbst im wohlhabenden, bürgerlichen Stuttgart steigt die Empörung. Im Sommer 2010 wurde die Stadt zur Hochburg einer beispiellosen Protestbewegung gegen das ambitionierte Verkehrs- und Städtebauprojekt "Stuttgart 21". Der Widerstand steht auf seine Weise auch für den Kampf der vom System Ausgeschlossenen. Es bleibt die Frage, wie viele solcher Protestbewegungen Deutschland noch braucht, um zu erkennen, dass seine Wettbewerbsfähigkeit und seine Arbeitslosenrate von 6,9 Prozent nicht zuletzt mit dem Abrutschen eines wachsenden Teils seiner Bürger in die sogenannte Prekarität, die verringerte soziale Sicherheit durch kurzfristig und leicht lösbare Beschäftigungsverhältnisse, und in die Verarmung erkauft sind.

      Das Thema Arbeitslosigkeit ist derzeit aktueller denn je. Die weltweite Finanzkrise hat für sinkende Beschäftigtenzahlen in verschiedenen europäischen Ländern gesorgt. Aber wirtschaftliche Rezession ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit massenhaftem Verlust von Arbeitsplätzen. Das hat die vergangene Krise, die im Herbst 2007 begann, zumindest für Deutschland gezeigt. Ein großangelegtes Konjunkturprogramm und die flächendeckende Einführung von Kurzarbeit haben vielen Beschäftigten in Deutschland ihren Arbeitsplatz erhalten.
      Dennoch gab es Leidtragende unter den Arbeitnehmern. Vor allem befristete Arbeitsplätze entfielen, und sinkende Löhne sowie gestrichene Sozialleistungen haben die Anzahl derer steigen lassen, die in Armut zu geraten drohen.
      Der Themenabend dokumentiert in zwei Beiträgen die Situation in Frankreich - hier gibt es immer mehr Menschen, die sich in einem Teufelskreis von Teilzeitarbeit, Zeitarbeit und Arbeitslosigkeit bewegen. In Deutschlands Musterregion Baden-Württemberg ist die Arbeitslosigkeit zwar rückläufig, doch auch hier droht immer größeren Kreisen die Verarmung.

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      Donnerstag, 23.02.12
      12:05 - 12:30 Uhr (25 Min.)
      25 Min.
      Stereo

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