• 11.12.2011
      01:55 Uhr
      Tracks Magazin Deutschland 2011 | arte
       
      • Beirut Bronx: Hip-Hop aus dem Libanon
      • Nintendo Rock: Super Mario lernt Stagediven
      • Daddeln für Offliner: Die neue Straßenspielbewegung
      • Mini-Orgien für Maxi-Gruselgefühl: Insekten-Kunst
      • Live: Boots Electric - Dreck für den Dancefloor

      Nacht von Samstag auf Sonntag, 11.12.11
      01:55 - 02:45 Uhr (50 Min.)
      50 Min.
      Stereo
      • Beirut Bronx: Hip-Hop aus dem Libanon
      • Nintendo Rock: Super Mario lernt Stagediven
      • Daddeln für Offliner: Die neue Straßenspielbewegung
      • Mini-Orgien für Maxi-Gruselgefühl: Insekten-Kunst
      • Live: Boots Electric - Dreck für den Dancefloor

       
      • Beirut Bronx: Hip-Hop aus dem Libanon

      Hip-Hopper im Libanon zu sein, hat wenig mit "Bling Bling" zu tun, dafür viel mit Revolution: Katibe 5, das sind fünf Jungs aus dem palästinensischen Flüchtlingslager in Beirut. Sie rappen so lange, bis in ihrem Proberaum der Strom ausfällt - und das passiert mehrmals am Tag. Ihre Beats sind hart, ihre Texte Kampfansagen. Stoff zum Rappen haben sie genug: Das harte Leben im Camp bietet jeden Tag etwas Neues, gegen das es sich aufzubegehren lohnt. Yousri, Amr, Bobo, Tarek und Nadir sehen sich als Widerstandsrapper. Die Musikpresse im Libanon hat sie sogar zu den arabischen Public Enemy ernannt.
      Ganz anders gibt sich Malikah, die Königin der libanesischen Hip-Hop-Repulik. Sie war die erste weibliche Rapperin in der arabischen Welt. Weil ihre Eltern alles andere als Hip-Hop Fans waren, musste sie zu Beginn ihres MC-Daseins vermummt auftreten, um von niemandem erkannt zu werden. Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. Heute schreit sie ihre Texte über Politik, Religion und soziale Probleme heraus, manchmal sogar mit Krönchen auf dem Kopf.
      Wesentlich lässiger, aber mit Betonung ihres intellektuellen Anspruchs tritt die Crew Fareeq el Atrash auf. Die fünf Jungs spielen "organic", sagen sie. Also: keine Samples, nur Instrumente und Beat-Box. Als Straßenband haben sie angefangen, heute fahren sie auch mal mit dem Jaguar zu einer Session an die Strandpromenade. Am Inhalt ihrer Songs hat sich aber nichts geändert - es geht ums Sichauflehnen und eine gerechtere Welt.

      • Nintendo Rock: Super Mario lernt Stagediven

      Die New Yorker Nintendo Rocker cracken die Spielekonsolen ihrer kleinen Brüder: Gameboy und NES liefern Sounds, die mit Gitarre, Bass und Schlagzeug fusionieren - Anamanaguchi tunt die Sounds ihrer Kindheit. Das Ergebnis ist lauter, schneller 8-Bit-Elektro-Rock-Trash-Pop, der ordentlich fetzt.
      Die Vier von Anamanaguchi hängen an den Computerspiel-Soundtracks der 80er. Dass ihr Sound allerdings nicht mehr nach Super Mario, Donkey Kong und Mega Man klingt, beweisen sie beim Blip Festival in New York. Dort trifft sich seit 2006 die Chiptune-Szene zum jährlichen 8Bit-Klassentreffen.
      Auch Starscream sind dabei. Als ihr C64 gebaut wurde, waren sie noch nicht mal geboren. Der Commodore 64, unter Eingeweihten auch "Brotkasten" genannt, war mit seinen 64 Kilobyte Arbeitsspeicher nach seiner Vorstellung im Jahr 1982 einst der meistverkaufte 8-Bit-Heimcomputer. Nun wird das Fossil der digitalen Welt mit gecrackter Software, Gitarre, Bass und Schlagzeug aufgepimpt, was klingt, als würden Mono und Mega Man zusammen auf eine Postrockparty gehen.
      Auch Rachel alias Party Time! Hexcellent! aus Austin, Texas hat ihr Herz an die Vintage-Konsolen verloren. Tagsüber arbeitet sie als Chemikerin, abends lässt sie für die Nintendo Rocker die Pixel purzeln: Sie bastelt aus den 13 Farben ihrer alten NES fliegende 2D-Pizzen und 8Bit-Party-Visuals. Für "Tracks" schraubten Anamanaguchi, Starscream und Party Time! Hexcellent! ihre Konsolen auf und verrieten ihr Geheimnis.

      • Daddeln für Offliner: Die neue Straßenspielbewegung

      Zu Hause hocken und Computerspielen war gestern. Die neue Gamerszene geht wieder raus auf die Straße. So zum Beispiel das Straßenspiel "2.8 hours later", das die englische Großstadt Leeds eine Nacht lang mit dem Zombievirus infiziert. Wer nicht selbst zur Horrorgestalt mutieren will, muss rennen.
      "Pervasive Games" nennen sich diese neuen Spielformen für Liebhaber sozialer Retrotrends. Es geht um Interaktion und Teamgeist. Das Künstlerduo Simon Johnson & Simon Evans hat das Spiel mit den Zombies erfunden - als in England die Sozialleistungen gekürzt wurden. Denn ob Zombies Bürger jagen oder randalierende Banden anderen, die iPhones stehlen, macht für die beiden Simons keinen großen Unterschied: Schuld ist für sie nämlich der Gier-Virus. Und den erlebt man bei "2.8 hours later" hautnah, und nicht etwa geschützt durch die virusresistente Scheibe eines Computerbildschirms.
      Wer da mitmacht, muss kein langhaariger Nerd im Batikhemd mehr sein - Hipster und Künstler machen vor, wie es geht. Sie treffen sich auf Festivals wie Come Out & Play in New York oder Hide and Seek in London. Ihre neueste Entdeckung: Zum Spielen braucht man fast keine Technik. Also weg mit GPS und iPhone - lang lebe das gute alte Straßenspiel!

      • Mini-Orgien für Maxi-Gruselgefühl: Insekten-Kunst

      Die Künstlerin Tessa Farmer ist keine klassische Feen-Mutter denn ihre Kinder tragen nicht die üblich hübsch glitzernden Gewänder mit Zauberstab, sondern sind kleine Kampfmonster im Miniatur-Format. Man muss ziemlich genau hinsehen, erst dann entdeckt man das Besondere an Tessa Farmers Kunst, denn ihre Werke sind mikroskopisch kleine Skulpturen: Die von ihr geschaffenen Insektenwesen sitzen auf ausgestopften Tieren oder tummeln sich in einem Bienenstock.
      Die superkleinen Feen sind Hybriden: Sie haben Insektenkörper, aber menschlichen Humor und Intelligenz. Vom Wünsche-Erfüllen sind sie aber so weit entfernt, wie man sich nur denken kann. Tessa Farmers Feenwesen quälen, foltern und kämpfen mit den Säugetieren, auf denen sie herumtollen. "Tracks" hat sich in ihre Bastelstube getraut und das Vergrößerungsglas auf ihre Kleinstskulpturen gehalten. Eine brutale Gruselwelt im Mini-Maßstab!

      • Live: Boots Electric - Dreck für den Dancefloor

      Mit seinem neuen Soloprojekt Boots Electric entehrt Jesse Hughes, Frontmann der Eagles of Death Metal, die Dirty Disco. Boots Electric, das ist Elektrofunk gepaart mit Schrammelgitarrensound.
      Geboren wurde Jesse Hughes in Palm Springs. Rock 'n' Roll rettete ihn Ende der 90er Jahre vor Scheidungsfrust, Drogensumpf und dem Schreiben von Reden für republikanische Abgeordnete. Jesse ließ sich einen Schnauzbart stehen und entpuppte sich mit seiner Boogie-Stoner-Rock Band Eagles of Death Metal als der geborene Entertainer. Für sein Soloprojekt Boots Electric hat Jesse die Gitarre mit Old-School-Synthesizern getauscht.

      Mehr Infos unter: www.arte.tv/tracks

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      Nacht von Samstag auf Sonntag, 11.12.11
      01:55 - 02:45 Uhr (50 Min.)
      50 Min.
      Stereo

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