• 06.11.2011
      06:00 Uhr
      Boris Eifman - "Als Choreograf wird man geboren ..." Dokumentation Deutschland 2006 | arte
       

      Boris Eifman ist ein Mann voll künstlerischem Elan und Ehrgeiz. Seit über 30 Jahren leitet der Choreograf das Sankt Petersburger Ballett-Theater, das er 1977 selbst gründete und gegen alle Widerstände der sowjetischen Behörden verteidigte.

      Sonntag, 06.11.11
      06:00 - 07:00 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

      Boris Eifman ist ein Mann voll künstlerischem Elan und Ehrgeiz. Seit über 30 Jahren leitet der Choreograf das Sankt Petersburger Ballett-Theater, das er 1977 selbst gründete und gegen alle Widerstände der sowjetischen Behörden verteidigte.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Andreas Morell

      Mit einer solchen künstlerischen Energie lassen sich Berge versetzen - und ohne diese Energie hätte er sein ganz eigenes und besonderes "Ballett-Theater" auch nicht durch 30 Jahre Sowjetunion und Russland gebracht: Boris Eifman ist einer der erfolgreichsten, aber auch einer der umstrittensten Choreographen unserer Zeit.
      Auf seiner Bühne tummeln sich die einsamen Menschen. Ob "Tschaikowski", der "Russische Hamlet" oder "Anna Karenina", Eifman hat eine Vorliebe für Figuren, die mit sich selbst und der Welt um sie herum im Clinch liegen. Und dabei hat er keine Angst vor großen Stoffen. Unter seiner Hand werden die großen Werke der russischen Literatur zu bildmächtigen Bühnenwerken, die in ihrer Direktheit keinen Effekt scheuen. Innovativ ist das nicht immer, aber Eifmans Stücke zeigen hinter ihrer durchschlagenden Wirkung einen Abgrund an Trauer, Schmerz und Einsamkeit.

      Für seinen künstlerischen Traum ist Boris Eifman bereit, alles zu geben. Und das erwartet er auch von seinen Tänzern und Tänzerinnen. Sie sind exzellent ausgebildet und haben großes schauspielerisches Ausdrucksvermögen. Mit ihnen hat er von Anfang an sein Ziel verfolgt, eine Bewegungssprache jenseits des gültigen Ballettkanons zu entwickeln.
      Denn nur so kann Eifman seine "Psychodramen" auf der Bühne umsetzen: der Körper als Mittel zur Erforschung der Seele. Sein Theater hat er dabei gegen alle möglichen Widerstände und Einmischungen der sowjetischen Behörden verteidigt. Angefangen von der Musikauswahl bis zum Angebot, die Sowjetunion zu verlassen: Eifman blieb, und mit ihm seine Tänzer. Heute sind die Herausforderungen andere: Er muss erfolgreich sein, denn seine Gruppe hängt vom wirtschaftlichen Erfolg der Stücke und der Tourneen ab.

      Der Film zeigt Ausschnitte aus Proben und Aufführungen von "Der Russische Hamlet" und "Die Möwe", und er begleitet Eifman auf einer Tournee nach Amerika. Gerade in der Probenarbeit wird die charismatische Kraft deutlich, mit der Eifman seine Tänzer antreibt. Die Kunst ist alles, der Einzelne ist nichts - und das gilt auch für Weltstars wie Vladimir Malakhov, wenn sie mit Eifman arbeiten.

      Boris Eifman, 1946 in Sibirien geboren, absolvierte sein Tanzstudium an der Waganowa-Ballettakademie in Sankt Petersburg. Im Jahr 1966 begann er eine Ausbildung zum Choreographen und Ballett-Pädagogen. Schnell machte er sich einen Namen und wurde wenige Zeit später zum Choreographen der Waganowa-Ballettakademie ernannt. 1977 gründet er seine eigene Ballettkompanie, das Sankt Petersburger Ballett-Theater. Darin konnte er seine Vision eines Tanztheaters verwirklichen. Diese neuartige Art des Balletts war beim Publikum höchst erfolgreich. Die sowjetischen Behörden allerdings übten starken Druck auf Eifman aus, da dieser sich nicht ausdrücklich der "Sowjetkunst" verpflichtet sah. Eifman konnte sich aber dem Drängen, das Land zu verlassen, widersetzen und blieb in Sankt Petersburg. Im Jahr 1987 erhielt er sogar die Erlaubnis, eine Tournee jenseits des Eisernen Vorhangs zu machen. Diese führte ihn nach Paris und machte ihn berühmt.
      Den Fokus seines Tanztheaters richtet Eifman auf die Gefühlswelten des Menschen. Dies zeigt sich beispielsweise in Choreographien über Peter Iljitsch Tschaikowski oder Molière. Doch auch die Komödie ist ein Genre, das sich in seinen Choreographien findet. So inszenierte er unter anderem "Who's Who" in Anlehnung an Billy Wilders Film "Manche mögen's heiß" mit seinen choreographischen Mitteln neu.
      Heute gilt Eifman als einer der kreativsten Künstler Russlands und berühmtesten Choreographen weltweit. Für seine Produktion "Tschaikowsky" wurde er mit dem wohl wichtigsten russischen Theaterpreis, der Goldenen Maske ausgezeichnet. Eifmann selbst erhielt die Goldene Maske für seine Verdienste um die Entwicklung der zeitgenössischen Choreographie. Viermal empfing er den Sankt Petersburger Theaterpreis Goldener Bogen sowie den Triumph. 1995 wurde er zum Russischen Volkskünstler und später in Frankreich zum Chevalier des Arts et des Lettres gekürt. Im April 2006 wurde er mit dem Preis Benoit de la danse ausgezeichnet. Boris Eifman lehrt noch immer an der Waganowa-Ballettakademie in Sankt Petersburg.

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      Sonntag, 06.11.11
      06:00 - 07:00 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

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