• 29.05.2018
      01:15 Uhr
      The Wind that Shakes the Barley Spielfilm Großbritannien / Irland / Deutschland 2006 - Filmreihe Cannes 2018 | arte
       

      Zwei Brüder kämpfen Seite an Seite im irischen Unabhängigkeitskrieg gegen die britischen Unterdrücker, bis sich mit dem Waffenstillstand von 1921 das Blatt wendet. Jetzt stehen sie sich im Bürgerkrieg als Feinde gegenüber. - Mächtiges Geschichtsdrama über Gewalt und Bruderzwist zwischen Iren und Engländern von Ken Loach, das 2006 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde.

      Nacht von Montag auf Dienstag, 29.05.18
      01:15 - 03:20 Uhr (125 Min.)
      125 Min.

      Zwei Brüder kämpfen Seite an Seite im irischen Unabhängigkeitskrieg gegen die britischen Unterdrücker, bis sich mit dem Waffenstillstand von 1921 das Blatt wendet. Jetzt stehen sie sich im Bürgerkrieg als Feinde gegenüber. - Mächtiges Geschichtsdrama über Gewalt und Bruderzwist zwischen Iren und Engländern von Ken Loach, das 2006 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde.

       

      Irland 1920: Irische Freiheitskämpfer rotten sich zusammen für ein letztes Aufbäumen gegen die Engländer - der Unabhängigkeitskrieg tobt seit dem Dubliner Osteraufstand 1916. Auf dem Weg nach London, wo er eine Stelle antreten soll, beobachtet der junge Arzt Damien, wie britische Soldaten einen Lokführer zusammenschlagen, als er sie nicht mitnehmen will. Da entschließt sich Damien, in Irland zu bleiben und für die Freiheit seines Landes in den Reihen der Irisch-Republikanischen Armee zu kämpfen - an der Seite seines Bruders Teddy, Anführer der Aufständischen.

      Gemeinsam entführen sie einen skrupellosen Großgrundbesitzer, erschießen britische Soldaten und eliminieren Verräter, selbst wenn diese alte Freunde waren. Ihre Taten rechtfertigen sie als Vergeltung für die Gräueltaten der Engländer, die mordend und Häuser niederbrennend durch das Land ziehen.

      Mit dem Waffenstillstand 1921 schließen Engländer und Iren im Dezember 1921 den Anglo-Irischen Vertrag, der den Irischen Freistaat begründet. Nur 26 der 32 Grafschaften gehören dem Freistaat an. Ein Land spaltet sich, die zwei Brüder auch: Während Teddy die neue politische Wendung begrüßt und sich der Armee des neuen Freistaats anschließt, kämpft Damien weiterhin für ein unabhängiges Irland. Jetzt sind es die Iren, die Grausamkeiten gegen ihre eigenen Landsleute verüben, und Teddy und Damien, eben noch Waffenbrüder, stehen sich als Todfeinde gegenüber.

      Mit „The Wind that Shakes the Barley“ interpretiert Ken Loach den Bruderkampf zwischen England und Irland wörtlich durch den Kampf zweier Brüder. Das heldenhafte Pathos ist dabei neu im Werk von Ken Loach, auch die Zurschaustellung von Gewalt, von der sich der Regisseur nicht explizit distanziert. Seine Charaktere erkennen Gewalt als „notwendiges Mittel“. Es ist am Zuschauer, die Ziele und die Mittel zu ihrer Erreichung auszuloten.

      Ken Loach ergreift einmal mehr Partei für die Unterdrückten. Das Thema des Bürgerkriegs ist für Loach nicht neu („Land and Freedom“, 1994, über den Spanischen Bürgerkrieg). In „The Wind that Shakes the Barley“ nimmt er Partei für die irischen Aufständischen - und Verlierer der Geschichte. Loach versucht kein Biopic, sondern schafft ein schauspielerisch und visuell beeindruckendes Stimmungsgemälde eines Landes im Aufruhr. In Cannes wurde diese Leistung 2006 mit der Goldenen Palme gewürdigt. Zehn Jahre später konnte er übrigens mit „I, Daniel Blake“ abermals die begehrte Trophäe entgegennehmen.

      • Filmreihe Cannes 2018

      Einer der Höhepunkte des ARTE-Schwerpunkts zum Filmfestival in Cannes ist dieses Jahr Woody Allens „Blue Jasmine“ als Hommage an Cate Blanchett, die diesjährige Jury-Präsidentin, die für ihre darstellerische Leistung mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. „Blue Jasmine“ ist nie in Cannes gelaufen, aber alle anderen Filme des Programmschwerpunkts, allen voran „The Wind That Shakes the Barley“, Ken Loachs fiktionale Aufarbeitung des Nordirlandkonflikts, der 2006 die Goldene Palme erhielt. Unter den Regisseuren der anderen Filme sind solche, die die Palme schon bekommen haben, wie die Dardenne-Brüder, die sie sogar zweifach erhalten haben und von denen ARTE „Der Junge mit dem Fahrrad“ zeigt, aber auch solche, die sie seit langem verdienen, wie die japanische Regisseurin Naomi Kawase. ARTE zeigt ihren Film „Kirschblüten und rote Bohnen“, der auch in Deutschland einen beachteten Kinostart hatte und in dem ihre kinematographische Handschrift eine leichtere, zeitweise humoristische Form gefunden hat. Hervorzuheben ist auch Laszlo Nemes‘ „Son of Saul“, der in seiner formalen Radikalität eine Antwort wagt auf die Frage, wie man Auschwitz filmen kann. Jim Jarmuschs „Only Lovers Left Alive“, Paolo Sorrentinos „La Grande Bellezza - Die große Schönheit“, „Inside Llewyn Davis“ von den Coen Bros. sind große Namen der Auswahl – weniger bekannt, oder kaum, der Debütfilm „Der Schamane und die Schlange“, eine hypnotische Reise durch den Amazonas-Dschungel auf den Spuren von Forschern der Kolonialzeit und eine Infragestellung des „Point of view“ des ethnographischen Films seit dem Beginn seiner Existenz. Eine Schatzsuche besonderer Art – unter einfachen Leuten im Bukarest von heute – unternimmt Corneliu Porumboiu mit „Der Schatz“. Und „Mustang“, das Debüt von Deniz Gamze Ergüven, das für den Oscar für den besten fremdsprachigen Film nominiert war, ist die türkische Antwort auf Sofia Coppolas „The Virgin Suicides - Verlorene Jugend“.

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      Nacht von Montag auf Dienstag, 29.05.18
      01:15 - 03:20 Uhr (125 Min.)
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