• 06.07.2011
      23:40 Uhr
      Die Möglichkeit einer Insel Spielfilm Spanien/Frankreich/Deutschland 2008 | arte
       

      Eine Zukunftsvision: Nach zahllosen Katastrophen ist die Erde unbewohnbar. Von seiner Höhle aus verfolgt Daniel, ein menschlicher Klon in der 25. Generation, anhand von alten Aufzeichnungen das Leben seiner Vorfahren.

      Mittwoch, 06.07.11
      23:40 - 01:05 Uhr (85 Min.)
      85 Min.
      Stereo

      Eine Zukunftsvision: Nach zahllosen Katastrophen ist die Erde unbewohnbar. Von seiner Höhle aus verfolgt Daniel, ein menschlicher Klon in der 25. Generation, anhand von alten Aufzeichnungen das Leben seiner Vorfahren.

       

      Um ein "Liebe" genanntes Phänomen zu verstehen, von dem seine Vorfahren berichten, beschließt Daniel, die Welt außerhalb seiner Höhle zu erkunden.

      "Die Möglichkeit einer Insel" ist das Regiedebüt von Michel Houellebecq, der nach seinem gleichnamigen Roman auch das Drehbuch verfasste. Houellebecq ist einer der umstrittensten Schriftsteller der Gegenwartsliteratur. Mit der Melancholie, Verzweiflung und Sehnsucht, die er ausstrahlt, bringt der Film die Essenz seiner literarischen Vorlage auf den Punkt. Unfähig, irgendetwas zu empfinden, vegetieren die Neo-Menschen in Houellebecqs Zukunftsentwurf vor sich hin und rätseln über die seltsamen Bedürfnisse ihrer Vorgänger. Einen unmittelbare Zugriff auf deren Erfahrungen, von denen sie nur lesen können, haben sie nicht, und das ist die eigentliche Tragik der Geschichte.

      In langen Einstellungen lässt Houellebecq die Kamera über die karge weite Landschaft schwenken und unterstreicht so die Leere und Hoffnungslosigkeit der in ihr verlorenen Figuren. Das Fehlen von echtem verbalen Austausch im Sinne längerer Dialog tut sein Übriges dazu bei. Romantik ist ausgespart.

      Die letzten zwanzig Minuten des Films sind wie ein Déjà-vu. Sie erinnern an Antonioni und Kubrick: "Zabriskie Point" und die große Mondschauer-Sequenz aus "2001" haben hier Pate gestanden, aber auch die verlassenen Zivilisationslandschaften aus Schaffners "Planet der Affen" gehören mit Sicherheit zu den Vorbildern, nach denen Houellebecq seine Vision geformt hat.

      Michel Houellebecq wird 1958 auf der französischen Insel La Réunion geboren und von seiner Großmutter aufgezogen, da seine leiblichen Eltern wenig Interesse an ihm zeigen. Schon zu Beginn der Schulzeit werden ihm hohe intellektuelle Fähigkeiten nachgesagt, und er erhält von seinen Schulkameraden den Spitznamen "Einstein".
      Seine Schriftstellerkarriere beginnt mit 25 Jahren, als er verschiedene Literaturkreise besucht und so seinen zukünftigen ersten Verleger kennenlernt. Seine ersten Veröffentlichungen sind Gedichte. Eine Biografie über Howard P. Lovecraft erscheint 1991. Weitere Bücher folgen und damit erste Preise. Der Roman "Elementarteilchen" erscheint 1998 und wird in über 25 Sprachen übersetzt. Oskar Roehler verfilmte dieses Buch 2006 mit Martina Gedeck und Moritz Bleibtreu, der für seine Rolle 2006 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. "Die Möglichkeit einer Insel" erscheint 2005 zeitgleich in mehreren europäischen Ländern.

      Houellebecq hat für sein Werk zahlreiche internationale Preise erhalten, aber erst sein letzter Roman "Karte und Gebiet" ist 2010 mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis, dem Prix Goncourt ausgezeichnet worden.

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      Mittwoch, 06.07.11
      23:40 - 01:05 Uhr (85 Min.)
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      Stereo

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