• 21.02.2011
      01:15 Uhr
      Kunst und Mythos (10/13) Fon-Figur des Gottes Gu | arte
       

      Alle, die im Benin mit Eisen umgehen, seien es Mechaniker, Schweißer oder Schmiede, haben Gu seit jeher als Schutzgott. Waffen aus Eisen heißen in der Fon-Sprache Gubassa, der Gott des Eisens und des Krieges heißt davon abgeleitet Gu.

      Nacht von Sonntag auf Montag, 21.02.11
      01:15 - 01:45 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Geänderte Sendezeit!
      Stereo

      Alle, die im Benin mit Eisen umgehen, seien es Mechaniker, Schweißer oder Schmiede, haben Gu seit jeher als Schutzgott. Waffen aus Eisen heißen in der Fon-Sprache Gubassa, der Gott des Eisens und des Krieges heißt davon abgeleitet Gu.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Philippe Truffault

      Die Fon-Statue des Gottes Gu, eine im 19. Jahrhundert angefertigte Gottesfigur aus dem Benin, gilt unbestritten als eines der schönsten Kunstwerke des subsaharischen Afrika. Die Gu-Statue ist jedoch viel mehr als ein bloßes Kunstwerk, weil ihr als Voodoo-Gottheit eine spirituelle Gabe zugeschrieben wurde: Dem Gott des Krieges und des Eisens mit seinem großen Säbel hat man Opfer dargebracht, um je nach Erfordernis die kriegerischen Kräfte zu stärken oder zu beruhigen.

      Bei afrikanischen Kunstwerken aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert ist der Name des Künstlers nur selten bekannt. Die große Eisenstatue des Gottes Gu aus dem Jahr 1850 bildet in dieser Hinsicht eine Ausnahme: Man weiß, dass sie von dem Schmied Akati Ekplekendo geschaffen wurde.

      Normalerweise konnte man solche Gottheiten im Hof eines beninischen Hauses finden, aber sie waren nicht kunstvoll gefertigt, sondern bestanden häufig nur aus einer mit Metallteilen wie Schrauben oder Schlüsseln gespickten Erdscholle. Akati Ekplekendo brach mit der Tradition, indem er Gu ein menschliches Gesicht gab, aber in der Wahl der Attribute - Schwert und Metallwerkzeuge - an die traditionelle Gottessymbolik anknüpfte. Vor ihm war niemand auf die Idee gekommen, Gu als menschliches Wesen darzustellen. Die in die Skulptur eingebauten Waffen und Eisenwerkzeuge symbolisieren Kultur und Reichtum, denn die Fähigkeit, diese herzustellen, bedeutete einen wesentlichen Fortschritt für die damalige Landwirtschaft.

      In der Dokumentation äußern sich verschiedene Experten zu Bedeutung und Symbolik der eindrucksvollen, metallenen Statue. Die Abgeordnete des französischen Überseegebietes Guayana Christiane Taubira beispielsweise, die den Antrag auf Rückgabe der Gu-Statue an Benin vertritt, erklärt, dass ein Gegenstand, sobald er aus seinem ursprünglichen Zusammenhang herausgenommen wird, eine ganz andere Bedeutung erhält. Außerdem verweist Wole Soyinka, der nigerianische Literatur-Nobelpreisträger, darauf, dass zwischen Gu, dem Gott des Metalls und neuen Hightech-Entwicklungen durchaus ein Zusammenhang bestehe. Der haitianische Priester Frantz Zéphirin erinnert daran, dass Gu eine Voodoo-Gottheit ist und in vielfältigen Darstellungen auftritt, die je nach Ursprungsland - von der Karibik bis nach Brasilien - unterschiedlich ausfallen.

      Die Reihe "Kunst und Mythos" ist Gegenständen sogenannter "primitiver" Völker gewidmet, die zunächst als Kuriositäten abgetan, später auf ihren ethnographischen Dokumentationswert reduziert wurden und heute als vollwertige Kunstwerke gelten. Sie präsentiert jeweils ein herausragendes Werk und geht auf den damit verbundenen Mythos, seine Verwendung, die Geschichte sowie heutige Interpretationen hier und im Ursprungsland ein.
      Jede Folge stellt jeweils ein Objekt in den Mittelpunkt, dessen Geheimnis entschlüsselt wird. Durch die Darstellung seiner Geschichte und Herkunft tritt das Objekt aus seinem rein musealen Zusammenhang heraus und eröffnet ein anderes Weltverständnis. Wie sehen westliche Künstler den Gegenstand? Was lehrt er über die Menschen, die ihn schufen, und ihre Beziehung zur Welt? Ist er mit verwandten Gegenständen vergleichbar? Durch wie viele Hände ist er gegangen? Am Ende der Reise erscheint das Objekt in völlig neuem Licht.

      (1): "Kunst und Mythos - Boli Mali", Dokumentation, am Sonntag, den 19. Dezember um 23.15 Uhr, Erstausstrahlung
      (2): "Kunst und Mythos - Preußische Schreinmadonna", Dokumentation, am Sonntag, den 26. Dezember um 23.25 Uhr Erstausstrahlung
      (3): "Kunst und Mythos - Firstskulptur bei den Kanaken", Dokumentation am Samstag, den 1. Januar 2011 um 10.00 Uhr
      (4): "Kunst und Mythos - Chinesische Schattenfigur", Dokumentation, am Sonntag, den 2. Januar 2011 um 00.35 Uhr
      (5): "Kunst und Mythos - Totempfahl des Froschclans", Dokumentation, am Sonntag, den 9. Januar 2011 um 23.15 Uhr, Erstausstrahlung
      (6): "Kunst und Mythos - Opferkrug-Pfahl der Mnong Gar", Dokumentation, am Sonntag, den 16. Januar 2011 um 23.10 Uhr
      (7): "Kunst und Mythos - Ewenke Schamanen-Mantel", Dokumentation, am Sonntag, den 23. Januar 2011 um 23.20 Uhr, Erstausstrahlung
      (8): "Kunst und Mythos - Xipe Totec von Mexiko", Dokumentation, am Sonntag, den 30. Januar 2011 um 23.30 Uhr, Erstausstrahlung
      (9): "Kunst und Mythos - Pintupi-Malerei aus Australien", Dokumentation, am Sonntag, den 13. Februar 2011 um 22.55 Uhr, Erstausstrahlung
      (10): "Kunst und Mythos - Fon-Figur des Gottes Gu", Dokumentation, am Sonntag, den 20. Februar 2011 um 01.20 Uhr
      (11): "Kunst und Mythos - Ta Nokami aus Japan", Dokumentation, am Sonntag, den 27. Februar 2011 um 00.20 Uhr, Erstausstrahlung
      (12): "Kunst und Mythos - Maske des Kodiak-Archipels", Dokumentation, am Sonntag, den 6. März 2011 um 01.05 Uhr
      (13) "Kunst und Mythos - Zauberrolle aus Äthiopien"
      Dokumentation, am Sonntag, den 13. März 2011 um 23.20, Erstausstrahlung

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      Nacht von Sonntag auf Montag, 21.02.11
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