• 20.02.2011
      14:00 Uhr
      Mabou Mines Dollhouse Frankreich/Großbritannien 2008 | arte
       

      Ibsens Puppenheim aus New York in einer radikalen und intelligenten Inszenierung des amerikanischen Theatermachers Lee Breuer mit einer groß gewachsenen Nora, kleinwüchsigen Männern und Puppen.

      Sonntag, 20.02.11
      14:00 - 16:05 Uhr (125 Min.)
      125 Min.
      Stereo HD-TV

      Ibsens Puppenheim aus New York in einer radikalen und intelligenten Inszenierung des amerikanischen Theatermachers Lee Breuer mit einer groß gewachsenen Nora, kleinwüchsigen Männern und Puppen.

       

      Das New Yorker Ensemble Mabou Mines interpretiert Ibsens Theaterstück "Nora oder Ein Puppenheim" auf seine eigene, moderne Weise völlig neu. Das Ergebnis begeisterte auf dem Stuttgarter Festival "Theater der Welt" sowie dem Pariser Festival d'Automne 2005 Publikum und Kritik gleichermaßen. Seither tourt die Truppe mit "Mabou Mines Dollhouse" um die ganze Welt.

      Die intelligente Inszenierung verbindet Schönes mit Befremdlichem. Zu Beginn bildet ein Klavierkonzert von Grieg den musikalischen Hintergrund, auf der Bühne ist ein Eisberg zu sehen, es tobt ein Schneesturm. Rote Vorhänge fallen, umrahmen bald den ganzen Raum und schaffen eine Theaterwelt. Dann taucht ein Haus auf, ein echtes Puppenhaus mit Miniatureinrichtung. Darin befinden sich die blonde Nora, ihre Freundin Kristine, die sich alt fühlt, und die Dienstmagd Helene, eine schwangere Riesin. Die männlichen Rollen werden von Kleinwüchsigen gespielt, auf die das Haus zugeschnitten ist.

      Zu Beginn des Stücks kommt Nora mit Weihnachtsgeschenken für ihren Mann und ihre Kinder nach Hause. Die Festvorbereitungen sind in vollem Gange. Die junge Frau, ein herziges, scheinbar in Sorglosigkeit und Geborgenheit lebendes Püppchen, ist aufgedreht und voll kindlicher Vorfreude. Aber das Puppenhaus ist eine Männerwelt, in der viele Wahrheiten besser nie ausgesprochen würden.

      Die amerikanische Sprache färbt die Inszenierung mit norwegischem Akzent, und die gestische Ausdrucksweise erinnert an das japanische Bunraku-Marionettentheater. Lee Breuer führt so in eine irreale Welt, die an die Zeichentrickfilme Walt Disneys erinnert, wirklich ist darin nur die Seelennot der Protagonisten. Torvald und Nora, das scheinbar perfekte Ehepaar, verfangen sich nach und nach in den Fallstricken ihrer Lebenslügen.
      Aus der hochkarätigen Besetzung sticht vor allem Maude Mitchell in der Rolle der Nora durch ihr bewegendes Spiel hervor. Entstanden ist eine vielschichtige und faszinierende Inszenierung, die sich nahe an den Figuren bewegt und den Zuschauer immer wieder zu überraschen weiß.

      Das Ensemble Mabou Mines wurde von fünf amerikanischen Künstlern, Lee Breuer, Phil Glass, David Warrilow, Ruth Maleczech und JoAnne Akalaitis, Mitte der 60er Jahre in Paris gegründet und zählt zur Theateravantgarde, die die 70er Jahre entscheidend prägte. Sie entwickelten eine neue, radikale Theatersprache, die Literatur, Musik und visuelle Künste vereinte. 1970 erregten sie mit ihrer ersten grenzüberschreitenden Inszenierung "The Red Horse" Aufsehen. Ihren interdisziplinären Ansatz, der Puppentheater genauso wie neue Technologien einschließt, setzen sie bis heute fort. Schauspieler, Musik und visuelle Aspekte einer Inszenierung haben in ihren Produktionen dasselbe Gewicht, womit sie das Konzept des Gesamtkunstwerks verfolgen. Mit der Inszenierung von Ibsens "Puppenheim" gelang dem Ensemble um Lee Breuer 2005 das Comeback in die internationale Theaterszene.

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      Sonntag, 20.02.11
      14:00 - 16:05 Uhr (125 Min.)
      125 Min.
      Stereo HD-TV

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