• 15.11.2010
      00:50 Uhr
      Patrice Chéreau, Leidenschaft für den Körper Dokumentarfilm Frankreich 2009 | arte
       

      In dem Porträt äußert sich Patrice Chéreau über seine erste Begegnung mit dem Theater, über die Eltern, beide Kunstmaler, über die Filmregisseure, die seine künstlerische Persönlichkeit formten, und die Mentoren, die ihm zur Seite standen.

      Montag, 15.11.10
      00:50 - 02:05 Uhr (75 Min.)
      75 Min.
      Stereo

      In dem Porträt äußert sich Patrice Chéreau über seine erste Begegnung mit dem Theater, über die Eltern, beide Kunstmaler, über die Filmregisseure, die seine künstlerische Persönlichkeit formten, und die Mentoren, die ihm zur Seite standen.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Stéphane Metge

      Patrice Chéreau, geboren 1944 in Lézigné (Maine-et-Loire), galt als Theaterwunderkind: Bereits als Gymnasiast trat er der Theatergruppe seiner Schule bei. Mit 22 Jahren übernahm er die Leitung des Théâtre de Sartrouville. In den ersten 30 Jahren seiner Laufbahn zweifelte er nie an der Notwendigkeit, Theaterstücke zu inszenieren, bald auch Opern einzustudieren und Filme zu drehen. Er wurde ein in der Fachwelt anerkannter und beim Publikum erfolgreicher Regisseur. Mit 25 Jahren inszenierte er seine erste Oper. Seine modernen und innovativen Einstudierungen, die er mit größter Intensität betrieb, hauchten dem Operngenre neues Leben ein.
      In seiner Jugend war er leidenschaftlicher Kinogänger, sah sich jeden neuen Film an und war Stammgast der Cinémathèque Française im Quartier Latin, wo er sich mit den Klassikern vertraut machte. Mit 30 Jahren drehte er dann seinen ersten Film, "Das Fleisch der Orchidee", einen sehr eigenwilligen Thriller. Schon immer betrachtet es Patrice Chéreau als im Kern dasselbe, ob er bei einem Theaterstück, einem Film oder einer Oper Regie führt. Nur die jeweils verwendeten Techniken unterscheiden sich.
      Zu Beginn seiner Arbeit in den 60er Jahren revolutionierte er die Formen des darstellerischen Ausdrucks und legte den verborgenen Sinn der Texte frei. In seiner Marivaux-Inszenierung "Der Streit" setzte er zeitgenössische Musik ein und ließ die männlichen Darsteller im Smoking auftreten. Dann entstaubte er die noch in den bürgerlichen Konventionen des 19. Jahrhunderts befangene Oper. In neuem Glanz erstrahlen ließ er beispielsweise - in seiner legendären Inszenierung von Wagners "Ring des Nibelungen" bei den Bayreuther Festspielen 1976 - die dramatische Ausdruckskraft der Musik, die eng mit den Texten verschmolzen war. Später sollte man vom Jahrhundert-Ring sprechen.
      Im Mittelpunkt seiner ästhetisch ungewöhnlichen Filme stehen die menschlichen Beziehungen, die er wie kein anderer zu durchleuchten versteht. Egal, welches der drei Genres der Darstellung der Welt er wählt - ob ein Stück aus dem 18. Jahrhundert, eine Oper aus dem 19. oder einen Kostümfilm - es geht ihm immer um brennende Fragen der Gegenwart.
      In all diesen Künsten zeigt Chéreau die Welt auf seine ganz besondere Weise: Er gibt dem begehrten, geliebten und doch immer wieder auch schrecklich misshandelten Körper eine Sprache. Und dem manchmal schmerzhaften, manchmal angenehmen, aber immer faszinierenden Leben - das so schnell entweichen kann, wie Blut verströmt - geben er und seine Schauspieler künstlerisch Ausdruck.

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      Montag, 15.11.10
      00:50 - 02:05 Uhr (75 Min.)
      75 Min.
      Stereo

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