• 14.11.2010
      18:30 Uhr
      Mein Leben - Shirin Ebadi Dokumentation Deutschland 2010 | arte
       

      Über ein Jahr lebt die iranische Rechtsanwältin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi nun schon im Exil. Die Dokumentation zeigt ihr Leben und porträtiert eine engagierte Kämpferin für Menschenrechte.

      Sonntag, 14.11.10
      18:30 - 19:20 Uhr (50 Min.)
      50 Min.
      Stereo

      Über ein Jahr lebt die iranische Rechtsanwältin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi nun schon im Exil. Die Dokumentation zeigt ihr Leben und porträtiert eine engagierte Kämpferin für Menschenrechte.

       

      "Fünf Menschen wurden hingerichtet, und 18 weitere haben bereits ihre Todesurteile erhalten. Ich habe eine Frage: Die Todesstrafe ist in allen europäischen Staaten verboten. Warum sind Europa und die EU indifferent gegenüber diesen politisch motivierten Hinrichtungen im Iran?" Die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi nimmt kein Blatt vor den Mund.

      Überall, wo sie auftritt, kämpft sie für die Freiheit ihrer Landsleute. Im Mai hat sie den Internationalen Demokratiepreis in Bonn erhalten - eine weitere Chance, auf das Los der Menschen im Iran aufmerksam zu machen. Kamerateams und Journalisten reißen sich um die wortgewandte, sachlich argumentierende Anwältin.
      Zwischen all den Interviews findet Shirin Ebadi noch Zeit, ihre Freundin Parastou Forouhar zu treffen. Die Eltern der in Deutschland lebenden Künstlerin, prominente Regimekritiker, fielen Ende der 90er Jahre den brutalen "Kettenmorden" des iranischen Geheimdienstes zum Opfer. Die beiden Frauen erinnern sich, wie sie nach langen Kämpfen endlich Einsicht in die Akten erhielten - und die Todesliste fanden. Dort stand: "Die nächste ist Shirin Ebadi".

      Bis heute lässt sich Shirin Ebadi auch von solchen Drohungen nicht einschüchtern. Die Dokumentation von Ilona Kalmbach und Sabine Jainski begleitet die energische Anwältin und Menschenrechtsaktivistin auf ihrer rastlosen Reise rund um die Welt. Über ein Jahr lebt sie jetzt schon im Exil, seit den Protesten gegen die Präsidentschaftswahl im Juni 2009. In London, wo ihre jüngste Tochter gerade ihren Doktor macht, erzählt Shirin Ebadi ihre Geschichte.
      Geboren 1947 in einer Mittelschichtsfamilie, wird das begabte Mädchen von ihren Eltern früh gefördert. Shirin Ebadi studiert Jura und absolviert in kürzester Zeit eine glänzende Karriere. Sie wird die jüngste Gerichtspräsidentin im Iran. Ihr Wunschtraum: Justizministerin zu werden. Doch dann kommt die Islamische Revolution - und das Berufsverbot für Richterinnen. Das Leben einer Frau ist fortan nur noch halb so viel wert wie das Leben eines Mannes. Shirin Ebadi erinnert sich, wie sie das neue Gesetz las: "Ich dachte, das kann doch nicht sein, das habe ich falsch verstanden. Aber dann habe ich mich so aufgeregt, dass ich Migräne bekam, und ab diesem Zeitpunkt hat mein Interesse für Frauenrechte begonnen."

      Mitten in Krieg und Revolution bekommt Shirin Ebadi zwei Töchter. Bis heute versteht sie sich zuallererst als Mutter: "Die Menschenrechtsarbeit beginnt in der Familie." Sie gründet einen Verein zum Schutz der Kinder und beginnt ihre inoffizielle Arbeit für die Rechte von Frauen und Kindern. Ihre Töchter sind dabei ihr größter Ansporn: "Wenn meine Töchter mich später fragen, was ich für ihre Belange als Frauen gemacht habe, muss ich eine gute Antwort parat haben!"

      Für ihren Einsatz erhält sie den Friedensnobelpreis, den Shirin Ebadi als erste Muslimin und Iranerin im Dezember 2003 entgegennimmt.

      Ihr langjähriger Freund, der Anwalt Karim Lahiji, Vizepräsident der Internationalen Menschenrechtsliga in Paris, erinnert sich an den Tag, als die Neuigkeit eintrifft: Shirin Ebadi ist gerade zu Besuch bei ihm und hält den Anruf für einen Scherz. Wenig später gibt sie eine riesige Pressekonferenz, und bei ihrer Rückkehr in den Iran wird sie von Hunderttausenden frenetisch gefeiert. Vor allem Frauen, mit weißen statt der üblichen schwarzen Kopftücher, tragen Schilder wie "Das ist der Iran!" oder "Vereint für Frieden und Menschenrechte", und Khomeinis Enkelin legt ihr Blumen um den Hals. Auch wenn dieser Tag heute in weiter Ferne zu liegen scheint - Shirin Ebadi gibt noch lange nicht auf: "Die Tränen, die aus meinen Augen fließen sollten, kommen als Worte aus meinem Mund."

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      Sonntag, 14.11.10
      18:30 - 19:20 Uhr (50 Min.)
      50 Min.
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