• 14.11.2010
      02:45 Uhr
      Lady Chatterley (1/2) Fernsehfilm Frankreich 2006 - Schwerpunkt: "ARTE wird 20" | arte
       

      Die junge Lady Chatterley lebt mit ihrem Mann, dem querschnittsgelähmten Clifford, in einem abgeschiedenen Herrenhaus. Sie selbst will sich nicht eingestehen, dass die Eintönigkeit des ländlichen Milieus ihr fast den Lebensmut geraubt hat.

      Nacht von Samstag auf Sonntag, 14.11.10
      02:45 - 04:30 Uhr (105 Min.)
      105 Min.

      Die junge Lady Chatterley lebt mit ihrem Mann, dem querschnittsgelähmten Clifford, in einem abgeschiedenen Herrenhaus. Sie selbst will sich nicht eingestehen, dass die Eintönigkeit des ländlichen Milieus ihr fast den Lebensmut geraubt hat.

       

      Doch dann weckt der einfache Wildhüter Parkin eine nie gelebte Sehnsucht in ihr.

      Wragby Hall, auf dem Landgut der Chatterleys im Herzen des englischen Erzgrubengebietes, im Herbst 1921. Vor vier Jahren war Constance durch die Heirat mit dem charmanten Cambridge-Absolventen, Leutnant und Minenbesitzer Clifford zu Lady Chatterley geworden. Das Leben der einst so vitalen jungen Frau, die ihre Jugend mit gleichaltrigen Künstlern und Studenten bei ausgedehnten Reisen ins Ausland verbracht hatte, änderte sich schlagartig, als Clifford als querschnittsgelähmter Mann aus dem Krieg zurückkehrte. Aus selbstverständlichem Pflichtbewusstsein pflegt Constance ihren auf den Rollstuhl angewiesenen Mann, aber sie fühlt sich verloren in dem eintönigen ländlichen Milieu und beginnt in den zerdrückenden Räumen der herrschaftlichen Villa zu vereinsamen.

      Constance gesteht sich und der Schwester, die über ihren schlechten Gesundheitszustand sehr besorgt ist, lange Zeit nicht ein, dass sie unglücklich ist. Nachdem Clifford von Constances Vater Sir Malcolm auf ihre Niedergeschlagenheit aufmerksam gemacht wird, ist er bereit, ihr gelegentliche sexuelle Abenteuer, sogar ein Kind, zuzugestehen, solange der Mann nur aus gutem Hause kommt.

      Constance blüht in ihrer neuen Freiheit auf: Sie spielt lebhaft Klavier, besucht Freundinnen und erfreut sich an der Schönheit der sprießenden Blumen. Bei einem Frühlingsspaziergang beobachtet sie heimlich den sich waschenden Wildhüter ihres Mannes, wobei sie das Aufkeimen eines bisher unbekannten körperlichen Begehrens - erschreckt vor der naheliegenden Versuchung - flüchten lässt.

      Bald aber wird Constance beginnen, sich in Parkins Jagdhütte regelrecht einzunisten, bis dieser nach anfänglichem Zaudern ihr beharrliches Verlangen erwidert. Der das Leben in der Natur ehrende Asket, der das genaue Gegenteil seines Dienstherren Sir Clifford verkörpert, erweckt in Constance eine nie gefühlte Sinnlichkeit. In einer hingebungsvollen Leidenschaft finden die beiden Liebenden von neuem zu ihrer verloren geglaubten Lebenskraft.

      Die Regisseurin Pascale Ferran hat aus dem Roman "Lady Chatterley" von D. H. Lawrence keine klassische Literaturverfilmung gemacht, sondern eine Filmerzählung, die sich von der Buchvorlage souverän ablöst. Mit dynamischen Strichen zeichnet Ferrans "Lady Chatterley" die Vitalität der Natur, hat aber auch viel Geduld und Zeit für die emotionale Entwicklung der Figuren. Sie inspirierte sich durch die zweite, nie veröffentlichte Version des Romans. Die französische Regisseurin und Drehbuchautorin Pascale Ferran präsentierte bereits ihren zweiten Kurzfilm "Le Baiser" (1990) beim Filmfestival in Cannes. 1994 erhielt die sozial engagierte Frau für ihr Drama "Petits arrangements avec les morts" den Filmpreis Goldene Kamera in Cannes. "Zeit der Entscheidungen" (1995), eine ARTE-Koproduktion mit dem Ensemble des Straßburger Nationaltheaters, wurde ein Jahr später in Belfort und Venedig ausgezeichnet. Im Jahr 2000 vertraute ihr Stanley Kubrick die Regie der französischen Synchronfassung von "Eyes Wide Shut" an. "Lady Chatterley" (2006) ist ihr dritter langer Film, der in einer kürzeren Fassung ins Kino kam. Er wurde bei den Césars 2007 mit fünf Preisen bedacht, unter anderem in den Kategorien "Bester Film", "Beste Adaption" und "Beste Schauspielerin" für Marina Hands als Lady Chatterley. In ihrer Dankesrede während der Preisverleihung bat Pascale Ferran das ganze Produktionsteam auf die Bühne, als Entschädigung für die entgangene Abschlussfeier, für die das Geld nicht gereicht hatte. Außerdem erhielt "Lady Chatterley" den Louis-Delluc-Preis als bester französischer Film des Jahres.

      Marina Hands als Constance gelingt es, indem sie stets neue Nuancen findet, das erwachende Interesse ihrer Figur an sich selbst und der Welt zu verkörpern. Die 33-jährige Schauspielerin ist als Tochter eines Schauspielerpaares in der Welt des Theaters aufgewachsen, gab nach dem Studium am Conservatoire Nationale 1999 ihr Bühnendebüt in Dion Boucicaults "Le bel air de Londres". 2003 verkörperte sie in Theater und Film die Aricie aus Racines "Phèdre" unter der Regie von Stéphane Metge und wurde dafür für den Molière nominiert. Es folgten Denis Arcands "Les Invasions barbares" (2003), der 2004 den Oscar als bester ausländischer Film erhielt, und Yves Angelos "Les âmes grises" (2005), für den Marina Hands bei den Césars 2006 als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet wurde. 2007 spielte sie in dem mehrfach ausgezeichneten "Schmetterling und Taucherglocke" von Julien Schnabel. Zuletzt stand sie für Julie Lopez-Curval in "Mères et filles" (2009) vor der Kamera.
      Ihr Filmpartner Jean-Louis Coullo'ch stand nach drei Kurzfilmen für "Lady Chatterley" das erste Mal für eine Spielfilmproduktion vor der Kamera.

      Hippolyte Girardot in der Rolle von Lord Clifford spielte bereits in mehr als 70 französischen und internationalen Filmen. Vor wenigen Jahren war er in Nobuhiro Suwas Teil "Place des Victoires" des Episodenfilms "Paris, je t'aime" zu sehen, außerdem in Mick Davis' "Modigliani - Ein Leben in Leidenschaft" und in Arnaud Desplechins "Rois et Reine" (beide 2004). Bekannt wurde er durch seine Rollen in Francis Girods Film "Le bon plaisir - Eine politische Liebesaffäre" (1984) und Eric Rochants "Eine Welt ohne Mitleid" (1989), für die er für den César nominiert war. Nach "Lady Chatterley" drehte er "Je pense à vous" (2006) von Pascal Bonitzer und "Le Ballon rouge" (2007) von Hou Hsiao-hsien, an der Seite von Juliette Binoche. Die jüngsten Produktionen mit Girardot sind "Plus tard" (2008, Regie: Amos Gitai) und "Un conte de Noël" (2008) von Arnaud Desplechin. Zusammen mit Nobuhiro Suwa war Girardot Drehbuchautor und Regisseur für "Yuki et Nina"(2009), in dem er auch selbst als Schauspieler auftrat.

      Wird geladen...
      Nacht von Samstag auf Sonntag, 14.11.10
      02:45 - 04:30 Uhr (105 Min.)
      105 Min.

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 08.02.2023