• 12.03.2010
      10:00 Uhr
      Below Sea Level Dokumentafilm Italien/USA 2008 | arte
       

      Mitten in der Wüste, 300 Kilometer südöstlich von Los Angeles, lebt eine kleine Gruppe von Außenseitern in einem Tal 35 Meter unter Normalnull.

      Freitag, 12.03.10
      10:00 - 11:55 Uhr (115 Min.)
      115 Min.
      Stereo

      Mitten in der Wüste, 300 Kilometer südöstlich von Los Angeles, lebt eine kleine Gruppe von Außenseitern in einem Tal 35 Meter unter Normalnull.

       

      Slab City ist ein wilder Campingplatz mit Wohnwagen, Zelten, Schuppen, vorrosteten Mobil Homes und klapprigen Bussen, knapp 300 Kilometer südöstlich von Los Angeles. Er liegt nahe des Saltonsees in einer Senke 35 Meter unter Normalnull auf dem Gelände eines ehemaligen Militärstützpunktes, in der Nähe eines Schießplatzes. Hier lebt illegal eine Gruppe von Aussiedlern, abseits behördlicher Präsenz und Kontrolle. Sie haben keinen öffentlichen Wasseranschluss, keinen Strom und keine Einkaufsmöglichkeiten. In der kalifornischen Wüste hoffen sie, den inneren Frieden zu finden, den ihnen die Gesellschaft verweigert hat.

      "The Doctor", "Cindy", "Insane Wayne", "Water Guy", "Bulletproof" - so nennen sich die Personen in Gianfranco Rosis Dokumentarfilm. Ihre wirklichen Namen würden an ihre Familiengeschichte und ihr gesellschaftliches Leben erinnern. Mit den Pseudonymen wollen sie einen Strich unter die Vergangenheit ziehen. Dennoch versuchen alle diese Menschen, ein erfülltes Leben auf harmonische Weise zu führen, geprägt von Liebe, Familie und Beruf. So hält "The Doctor" weiter seine Sprechstunde ab, "Cindy" schneidet weiter Haare, "Water Guy" regelt mit der Genauigkeit eines Uhrwerks die Wasserversorgung. Aber es bedarf nur einiger Fotos, eines Handys, eines falschen Wortes, und schon taucht - zwischen langen Gesprächspausen, zwischen ein paar Gläsern Alkohol, etwas Gitarrenmusik und Gedichten - fetzenweise die begrabene Vergangenheit wieder auf. Und plötzlich schlägt das Bild von Slab City ins Gegenteil um. Es ist keine alternative Welt mehr, sondern unsere Welt im Endzustand, die jeden sich selbst überlässt, auf einer Müllkippe inmitten einer verödeten Natur.

      Gianfranco Rosi hat keinen üblichen sozial engagierten Film gedreht, der ein Amerika von Verweigerern und Außenseitern zeigt. Vielmehr lässt er sich vor dem Hintergrund dieses irrealen Dekors von einem metaphysischen Ansatz leiten. Man fühlt sich erinnert an die Figuren der "Beat Generation", verkörpert in dem Roman "Unterwegs" des vagabundierenden US-Schriftstellers Jack Kerouac, und an den stilprägenden Fotoband "Die Amerikaner" von Robert Frank. Ähnlich verzweifelt plagen sich die Slab City-Bewohner mit ihrem Schicksal herum - in einem Dämmerlicht, das dieses Niemandsland in ein Purgatorium der modernen Gesellschaft verwandelt.
      "Below Sea Level" von Gianfranco Rosi bekam 2009 den Hauptpreis des Festivals Cinéma du Réel in Paris verliehen.

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      Freitag, 12.03.10
      10:00 - 11:55 Uhr (115 Min.)
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      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 23.10.2019