• 10.03.2010
      14:45 Uhr
      Slobodan Milosevic Das letzte Gericht | arte
       

      Staatspräsident Slobodan Milosevic wurde am 27. Mai 1999 vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien, International Tribunal for the former Yugoslavia, (ICTY) in Den Haag angeklagt.

      Mittwoch, 10.03.10
      14:45 - 16:40 Uhr (115 Min.)
      115 Min.
      Stereo

      Staatspräsident Slobodan Milosevic wurde am 27. Mai 1999 vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien, International Tribunal for the former Yugoslavia, (ICTY) in Den Haag angeklagt.

       

      Am 3. Juli 2001 fand die erste Anhörung vor dem Tribunal statt, bei der Slobodan Milosevic das Gericht als "illegal" bezeichnete. Seit Prozessbeginn übernahm Milosevic die Verteidigung in eigener Sache. Der Dokumentarfilm zeigt den Prozess von der Verlesung der Anklage bis zu den Schlussplädoyers. Das Filmteam war weltweit das einzige, das Zugang zu den Hauptbeteiligten hatte und dem der exklusive Blick auf das historische Ereignis gestattet wurde.

      Mit der Verlesung der Anklageschrift am 12. Februar 2002 wurde der Prozess eröffnet. In der Anklageschrift wird von einer "kriminellen Vereinigung" gesprochen und Slobodan Milosevic angeklagt, an der Planung, Anordnung, Durchführung und Unterstützung von Verbrechen an nationalen, religiösen oder ethnischen Gruppen beteiligt gewesen zu sein. Insgesamt 66 Klagepunkte werden ihm in drei Anklageschriften vorgeworfen: Anklagepunkte im Kroatienkrieg (1991 - 1995), Bosnienkrieg (1992 - 1995) und Kosovokrieg (1998 - 1999). Slobodan Milosevic wird angeklagt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord und wegen der Massaker von Vukovar und Srebrenica. Allen drei Anklagepunkten zufolge sei Milosevic auch verantwortlich für Massenvertreibungen, Deportationen, Folter, Plünderungen und Morde an Zivilisten.
      Die Anklage beendete den "Fall Slobodan Milosevic" am 25. Februar 2004, nach 280 Gerichtstagen. Prozessbeobachter hatten schon viel früher mit einer Beendigung gerechnet. Bedingt aber durch Milosevics Krankheitszustand, gab es nur ein zähes Vorankommen im Prozess.
      Im Sommer 2004 legte Slobodan Milosevic eine Liste vor: Mehr als 1.600 Zeugen sollten vorgeladen und angehört werden. Die Verteidigungsphase verzögerte sich ebenfalls wegen Milosevics Krankheit. Medizinischen Berichten zur Folge hatte sich sein gesundheitlicher Zustand lebensbedrohlich verschlechtert. Auf Anraten seiner Ärzte hatten die Richter den Prozess mehr als ein Dutzend Mal unterbrochen.
      Im Eröffnungsplädoyer seiner Verteidigung führte Slobodan Milosevic aus, dass die Geschichte des Balkankonfliktes auf verdrehte Weise dargestellt worden sei, um die wahrhaft Schuldigen zu schützen. Einer der "Hauptschuldigen" an der Zerstörung des früheren Jugoslawien, fügte er hinzu, sei Hans-Dietrich Genscher - deutscher Außenminister von 1974 bis 1992.
      Er drohte auch einige westliche Führer als Zeugen vorladen zu lassen, etwa den früheren US-Präsidenten Bill Clinton, den britischen Ex-Premierminister Tony Blair und die Chefs verschiedener Geheimdienste. Außerdem verlangte er die Freigabe von Geheimdienstdokumenten verschiedener westlicher Länder.
      Am 9. September 2004 begann die Zeugenbefragung durch die Verteidigung. Milosevic wurde das Recht auf die bis dahin praktizierte Verteidigung in eigener Sache aberkannt. Die Anklage drängte von Beginn des Prozesses an, Milosevics Recht auf Verteidigung einzuschränken und ihm einen Pflichtverteidiger aufzuzwingen. Das Gericht gab dieser Forderung nach und kündigte eine "radikale Neubewertung des Verfahrens" an, die zur Ernennung von zwei Pflichtverteidigern führte.

      Die Pflichtverteidiger Steven Kay und Gillian Higgins standen vor einer schier auswegslosen Situation. Steven Kay wies darauf hin, "dass es schwierig ist, sich schnell und gründlich in den Fall einzuarbeiten. Einen Fall größeren Ausmaßes kann man sich ja kaum vorstellen."
      Slobodan Milosevic verurteilte die Gerichtsentscheidung und forderte die Berufungskammer auf, diese Entscheidung, die internationales Recht breche und alle denkbaren Menschenrechtserklärungen verletze, für illegal zu erklären.
      Chefankläger Geoffrey Nice begrüßte die Anordnung der Richter und bezichtigte Milosevic "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" seine Gesundheitsprobleme "manipuliert" zu haben. Er konnte allerdings seine Genugtuung nicht verbergen, dass die Entscheidung Milosevics Möglichkeit einschränken würde, "das ICTY als politische Plattform zu benutzen".
      Als erste Zeugin der Verteidigung befragte Milosevic die serbische Rechtsprofessorin Smilja Avramov. Während der Verhandlung erklärte Slobodan Milosevic mehrfach, dass die ihm "beigeordneten Verteidiger" in "Wirklichkeit das Gericht repräsentierten". Er weigerte sich, sie zu treffen, und verurteilte die vom Gericht ernannte Verteidigung als "rechtliche Farce". Es deutete sich schon an, wie die Verhandlungen in Zukunft laufen werden, als der Vorsitzende Richter Patrick Robinson ihm das Mikrofon abdrehte und erklärte.

      Der Prozess gegen Slobodan Milosevic ist der wichtigste Kriegsverbrecherprozess seit Nürnberg. Zum ersten Mal wurde ein Staatsoberhaupt für Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in die Verantwortung genommen.
      Der Dokumentarfilm folgte den Geschehnissen hinter den Kulissen des Prozesses. Das Filmteam hatte exklusiven Zugang zu den Hauptbeteiligten des Tribunals und war das einzige Fernsehteam weltweit, dem ein solch privilegierter Blick auf dieses historische Ereignis und seine Protagonisten gestattet wurde.
      Im Zentrum dieses Gerichtsdramas steht Slobodan Milosevic selbst. In der abgeschotteten Welt des Den Haager Prozesses ist er jedermanns Obsession. Begleitet werden die Ankläger Carla Del Ponte und Geoffrey Nice, Milosevics engste Berater aus Belgrad, Zdenko Tomanovic und Dragoslav Ognjanovic, und seine Pflichtverteidiger Steven Kay und Gillian Higgins.

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