• 10.03.2010
      10:00 Uhr
      Moschus - Die Geschichte vom teuersten Duft der Welt Deutschland 2005 | arte
       

      Eine Tonne Moschussekret verbraucht die chinesische Medizin jährlich, immerhin mehrere Kilogramm verarbeitete die französische Parfümindustrie noch vor einigen Jahren.

      Mittwoch, 10.03.10
      10:00 - 10:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Eine Tonne Moschussekret verbraucht die chinesische Medizin jährlich, immerhin mehrere Kilogramm verarbeitete die französische Parfümindustrie noch vor einigen Jahren.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Nick Hanke
      Alexandra Scheper

      Die erotisch-animalische Note der begehrten Moschusdrüse betört die Menschen seit Jahrtausenden. Moschus kommt nicht, wie viele glauben, vom Moschusochsen, sondern vom hirschartigen Moschustier in Ostasien. Diese Tiere sind vom Aussterben bedroht. Doch in der chinesischen Medizin findet das sündhaft teure Sekret noch immer einen reißenden Absatz. Ein Kilo Moschus kostet auf dem Schwarzmarkt rund 38.000 Euro, dreimal mehr als Gold. Weitaus billiger ist synthetischer Moschus, das sich nicht nur in unseren Parfüms findet.
      In den Hentji-Bergen der Mongolei legt ein junger Jäger Fallen aus. Wenn die scheuen Tiere ihre Spuren im Schnee hinterlassen, ist Hauptjagdzeit. Zwar ist die Jagd auf die Moschustiere illegal und seit 1953 in der Mongolei verboten. Aber "ein Gesetz gilt nur einen Tag", lautet hier eine Redensart. So verdient der Jäger mit einer einzigen Drüse mehr als das Doppelte eines durchschnittlichen Monatsgehalts. Hauptabnehmer auf den Tiermärkten sind Chinesen, die die Ware außer Landes schmuggeln. Die chinesische Medizin verbraucht jährlich 1.000 Kilogramm Moschus. Es soll Kreislauf- und Nervenbeschwerden lindern, gut gegen Entzündungen und Rheuma sein und die Potenz fördern. Es ist der Mythos des Heilmittels, der eine ganze Tierart ausrottet. Der Bestand an Moschustieren ist in der Mongolei von rund 80.000 in den 70er Jahren auf wenige Tausend Tiere gesunken. In fünf bis zehn Jahren wird es hier wohl kein wildlebendes Moschustier mehr geben, wenn keine Maßnahmen getroffen werden. Genau deshalb widmet der Wissenschaftler Dashgenden Tsendjav seit 14 Jahren all seine Zeit dem seltenen Tier und seiner Drüse. Er betreut mit zwei Wildhütern ein kleines Zuchtgehege und versucht, die Population wieder zu erhöhen, doch seine Mission gleicht einer Sisyphusarbeit.
      In Europa ist der Import von Moschus mittlerweile verboten. Noch vor einigen Jahren verarbeitete die französische Parfümindustrie jährlich mehrere Kilogramm Moschus. Der sexuelle Lockstoff soll einen Schuss Sinnlichkeit in Parfüm-Kompositionen bringen und ihre Ausstrahlung verstärken. Moschusduftstoffe aus dem Labor sind jedoch billiger und in Massen produzierbar. Es gibt heute daher kaum ein Kosmetik- oder Reinigungsmittel, das ohne synthetischen Moschus auskommt. Doch die meisten sind nicht biologisch abbaubar und reichern sich im Fettgewebe des Menschen an. Ältere Generationen des Stoffs stehen sogar unter dem Verdacht, erbgutschädigend zu sein und die Tumorbildung zu fördern. Die Dufthersteller forschen an Neuerungen, die Mensch und Umwelt weniger schaden.
      Eine Tonne Moschussekret verbraucht die chinesische Medizin jährlich, immerhin mehrere Kilogramm verarbeitete die französische Parfümindustrie noch vor einigen Jahren. In der Zwischenzeit ist der Import des teuren Duftstoffes in Europa verboten, die Jagd auf das hirschartige Moschustier in der Mongolei illegal. Dennoch nimmt der Bestand dieser Tiere durch Wilderei immer weiter ab, obwohl es bereits künstliche Ersatzstoffe gibt. Doch welche gesundheitlichen Folgen können bei der Verwendung von synthetischem Moschus entstehen? Die Dokumentation vom teuersten Duft der Welt lüftet das Geheimnis des vielfältigen und sonderbaren Duftstoffes.

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      Mittwoch, 10.03.10
      10:00 - 10:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

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